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Tamerson


@ 6 Mensch

Ein neuer Morgen brach herein. Er sickerte nicht gemächlich in das Bewußtsein der Erdbewohner ein. Nein, er eroberte auch nicht langsam das Land. Er verdrängte nicht sanft die Finsternis, sondern er kam, sah und siegte, sodaß sich die Nacht an diesem Samstag morgen mit einem letzten stillen Aufjaulen, daß sich heute in einen mächtigen Sturm manifestierte und etliche Bäume knickte, zurückzog und auf ihre nächste Chance wartete, die aber sicher nicht allzulang auf sich warten lassen sollte. Es konnten nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, noch so sehr die Vögel zwitschern. Auch war es egal, wenn alles in saftigstem Grün strotzte oder die vielfältige Blumenwelt sich stolz zur Schau stellte.

Tamerson war verwirrt, verstört, und es kam ihm vor, als ob er in ein Loch stürzte, das aber nicht bereit war, ihn aufzunehmen, ihn zu verschlucken und so wenigstens eine Ruhe zu gewähren, die ihn alles vergessen lassen konnte. Wie ein Tier hetzte er herum um bewegte sich trotzdem nicht weiter. Alles spielte sich in seinen Gedanken ab.

Jetzt wurde ihm klar, daß alle Bemühungen nichts nützten. Alles stellte sich als vergeblich durchlebt heraus. In Wirklichkeit war er nur ein Spielzeug des Supercomputers. Ferngesteuert. Er hatte nie etwas von dem Implantat gewußt, das gleich unter seiner Schädeldecke angebracht worden war und so die totale Kontrolle seiner selbst durch LEDA ermöglichte. Auf welcher Welt lebte er eigentlich? In der sanften, friedfertigen, idyllischen? Oder in der kalten, kahlen, nüchternen, grausamen, endgültigen? Oder in beiden gleichzeitig? Oder nacheinander? Oder in gar keiner. Er kannte sich nicht mehr aus und wollte es auch nicht mehr wirklich. Das ganze war ihm zu verrückt. Alles schien so sinnlos und hatte doch einen Sinn. Aber nicht für die Menschen, denn diese Spezies war eindeutig unterlegen. In ihrem Machtrausch, in ihrem Streben nach den neuesten Technologien. In der Verwirklichung alles Machbaren und wenn es auch noch so schwierig und mit noch so großen Kosten verbunden war. Sie hatten ihr eigenes Grab geschaufelt. Und die, über die die Erde schon ihren Deckmantel gelegt hatte, konnten sich glücklich schätzen.

Was ihn am meisten aus der Bahn warf: Er hatte einen Roboter geliebt und mit ihm geschlafen. Und es machte ihm nichts aus, weil Malagu, trotz ihrer mechanisch-elektronischen Beschaffenheit mehr menschliche Züge gezeigt hatte, als die meisten Mitbewohner, die sich als Menschen bezeichneten. Oder waren das auch alles Roboter? War er der letzte wirkliche Mensch auf dieser Welt? Nein, das konnte nicht sein und war es auch nicht. Aber die Niederlage der biologischen Lebewesen zeichnete sich nicht mehr ab, sondern war beihnahe schon verwirklicht und das mit einer Konsequenz, die ihm in ihrer immensen Tragweite nicht einmal mehr erschrecken konnte.

Malagu hatte ihm alles bedeutet. Jetzt war sie fort. Obwohl sie nicht aus Fleisch und Blut war, er hatte sie geliebt und er liebte sie noch immer und er wußte gleichzeitig, daß es vorbei war. War es nicht schlimm genug, daß er eigentlich keine Eltern hatte, die er lieben konnte und daß es keine wahren Freundschaften mehr gab? Jetzt auch das noch. Er wußte was wußte er eigentlich? Nichts. Und das war ihm zuviel. Er war einer der wenigen, die noch fähig war, Liebe zu geben und sie zu empfangen.

Tamerson war nicht der letzte Mensch, aber trotzdem. Er war der letzte Mensch und er starb in ihm.

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