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Tamerson


@ 2 Himmel_und_Erde

Nichtsdestotrotz und allen scheinbar widrigen Umständen wie wild entgegenstämmend, doch mit einer gewissen Ruhe zu Tage legend, weil sowieso schon gewohnt und nichts ausergewöhnliches darstellend, hievte sich Tamerson aus seiner Schlafröhre. Oder besser formuliert, er drückte auf den grünen Knopf, der sich innen zu seiner Rechten befand, sodaß sich die über ihn gestülpte Glashaube nach hinten verschob, langsam in sich zusammenfaltete und die mit extrem viel Sauerstoff angereicherte Luft zischend entwich. Jetzt konnte er die enge Umgebung verlassen. Natürlich mußte er noch die Infusionsnadel aus seinem linken Arm entfernen, durch die ihm in der Nacht die zum physischen Existieren notwendigen Nährstoffe und Flüssigkeit verabreicht wurden.

Heute, Dienstag, fühlte er sich wie im 7. Himmel. Und das um 3 nach 8. So fröhlich, erfüllt mit unbändiger Lebensfreude. Wie in einen leichten Drogenrausch versetzt. Heute wollte er die Welt verändern, trotz aller widrigen Umstände, die sich gegen ihn verschwören könnten. Heute war er dazu auserkoren, sie zu retten, die Welt. Die Übermacht der Computer und Roboter mußte gebrochen werden. Menschen mußten wieder die Kontrolle über sich selbst und die Umwelt haben. Wo käme man da hin, wenn künstliche Intelligenz scheinbar für immer das Sagen hätte. Aber es verhielt sich genau so. Und nur deshalb war jetzt die richtige Zeit dazu gekommen.

Vielleicht hätte er am vorhergehenden Abend den Sauerstoffgehalt seiner Schlafzelle etwas zurückstellen sollen, denn dieser setzte ihm jetzt scheinbar diese komischen für ihn gar nicht gesundheitsfördernden Flausen in den Kopf. Außerdem, wie konnte man nur daran denken, einen so perfekten Zustand, wie er jetzt vorherrschte, verändern zu wollen? Was hatte es für einen Sinn, Mächte die einen offensichtlich sicher führten, einem alles zur Verfügung stellten, was man zum Leben brauchte, zu stürzen? Wie konnte man es nur wagen, zu bezweifeln, daß diese Entwicklung schlecht für die Menschheit wäre? Das würde LEDA gar nicht gefallen, wenn er es wüßte. Aber Tamerson war das reichlich egal. Außerdem wußte es LEDA.

Richtig verliebt fühlte er sich. Und er war es auch. Die ganze Arbeitswoche hindurch hatte er nicht an sie gedacht. Doch jetzt durchflutete ihn mit einem Mal ein Gefühl der Wärme, der inneren Geborgenheit, der Vertrautheit und der Hoffnung. Ja, wie in einem kitschigen Liebesroman kam er sich vor, einem, den die Schreibsklaven (sklaven=seriöse Kerle lieben alle verwunderlichen, erogenen Niederträchtigkeiten, Anm v. LEDA) extra für ihn verfaßt hatten. Er mußte sie sehen. Malagu. Schon wegen ihr allein und der Kinder, die er mit ihr großziehen wollte, lohnte es sich, auf dieser Welt zu sein.

Eher klein, so wie er, braunes, langes Haar, was heutzutage nur mehr selten zu sehen war, weil die meisten gar keine mehr hatten, die Evolution hatte sie einfach aus Ermangelung ihrer Sinnhaftigkeit in den meisten Fällen eingespart und überhaupt. Einfach gescheit, tiefsinnig, sensibel, schlank und er liebte sie wie sonst nichts auf der Welt. Außerdem lebte in ihr eine Aufgewecktheit, die er sonst an den meisten anderen Mitbewohnern vermißte. Sie war es, die ihn immer wieder auf andere Gedanken brachte, wenn er seine trübsinnigen Phasen hatte und das war ziemlich oft der Fall. Sie beruhigte ihn immer wieder, wenn er zu verzweifeln drohte. Malagu war es, die mit ihm die glücklichsten Stunden durchlebten, während derer sie nicht was weiß LEDA alles unternehmen mußten, sondern einfach genossen, zusammen zu sein. Er wußte nicht, warum gerade er sie verdient hatte, sie gab ihm scheinbar so viel und er konnte ihr so wenig zurückschenken. Alleine dieser Gedanke brachte ihn oft fast zum verzweifeln.

Er mußte zu ihr. Jetzt sofort.

Er zog noch schnell den roten Plastikmantel an, stülpte die Kapuze über sein kahles Haupt, setzte seine Sonnenbrille auf und verließ gebeugten Hauptes die Wohnung. Weder nach links blickend, noch nach rechts schauend, durchschritt er die Häuserreihen. Die Menschen rings um ihn herum verhielten sich nicht anders, sodaß seine scheinbare Verdrießlichkeit und Gehetztheit nicht weiter auffiel. Er überquerte noch den Platz des verkümmernden Verstandes, durchschritt die Straße der aufkeimenden Hoffnung und überquerte noch die Brücke der gesäuberten Reinheit, durch die ein Kanal mit Industrieabwässern floß, in die man besser nicht baden ging, außer man hatte sich zuvor 3 Monate nicht gereinigt und wollte die Schmutzschicht wegätzen. Der Gedanke war gar nicht so abwägig. Man konnte seine vielleicht schon etwas brüchig und schütter gewordenen Kunststoffmäntel länger tragen, weil die Schmutzschicht einen zusätzlichen Schutz darstellte und das somit gesparte Geld in die schmackhaften Würfel investiert werden konnte, die zwar zur Ernährung nicht unbedingt notwendig waren, weil man hatte ja auch noch die Infusionen, aber doch einen gewissen Lustgewinn darstellten und längst vergangene Zeiten heraufbeschwörten, in denen kulinarische Köstlichkeiten zum alltäglichen Leben gehörten.

Er erreichte schließlich die Unterkunft von Malagu, die nicht anders beschaffen war als seine. Die aus Stahlbeton bestehenden Wohnsilos sahen alle gleich aus. Straße für Straße, Stadt für Stadt, einfach überall. Auch innerhalb dieser Häuser: überall das gleiche Bild. Kahle Stiegenhäuser, sterile Liftanlagen, Kunststoffböden.

Sie wartete bereits vor dem Wohnhaus, ihr langes, braunes Haar wehte nicht im aufbrausenden Wind - heute wurden wohl wieder die Windmaschinen zwecks Bereinigung der Luft betrieben – denn auch sie trug Plastikmantel und Kapuze und lächelte ihm zu und schaffte es trotz der schlichten Bekleidung, fantastisch auszusehen.

Kein ‚Hallo'. Auch nicht ‚Schön, daß Du da bist'. Er nahm nur ihre Hand. Ein versöhnliches Gefühl floß sofort von ihrem Körper in seinen. Sie sprachen kein Wort und wenn sie es taten, war es so leise, daß es keiner hörte, sondern sie beeilten sich, den engen, kahlen Häuserschluchten zu entkommen, die hier nur ab und zu durch ein paar Trafohäuschen unterbrochen wurden, und zur Vergnügungshalle zu gelangten, denn zum Reden hätten sie sowieso noch genug Zeit – später. Sie schauten nur, daß sie so schnell wie möglich ihr Ziel erreichten, weil sie nur einmal in der Woche die Gelegenheit dazu bekamen. -

Sie hatten es vorerst einmal geschafft. Tamerson zog die schwere Tür hinter sich zu, nachdem die beiden in den Vorraum eingetreten waren. Sie näherten sich einem Pult, in dem eine Vertiefung eingelassen war. In diese legten sie ihre Kunststoffüberzüge, wonach diese sogleich in die Tiefe gesaugt wurden und dort einen Aufbewahrungsort fanden, der die Überbekleidung erst wieder frei gab, wenn die Gäste den Vergnügungsort wieder verlassen wollten und es sich zuvor herausgestellt hatte, daß nichts sträfliches gegen sie vorlag. Denn sonst würden die Mäntel einbehalten und die Armen konnten nie wieder hinaus in die strahlende Umgebung. Weiters zogen sie ihre Berechtigungskarten zur einmal wöchentlich genehmigten Benützung eines Traumraumes durch einen Schlitz, der ihnen den soeben angetretenen Besuch von ihrem Guthaben abzog und kurz darauf betraten die Beiden den diesmal ausgewählten Raum.

Die elektrische Tür glitt leise hinter ihnen zu. Zuerst war es stockdunkel, denn der Raum besaß keine Fenster und kein Laut war zu vernehmen. Aber langsam wich die völlige Finsternis einem leichten Schimmern, welches immer mehr an Identsität gewann und sich schließlich als intakte Naturlandschaft präsentierte, die auf die Wände projeziert wurde. Gras bewegte sich im imaginären Wind. Um Sträucher herum tummelte sich so manch kleines Getier. Bäume, sie strotzten vor Gesundheit, man war beinahe versucht auf sie raufzuklettern und von oben die Wunder dieser Welt zu beobachten. Ebenso machten sich leise, dezente Hintergrundgeräusche bemerkbar, die von kleinen Lautsprechern, die überall im Raum versteckt sein mußten, eingespielt wurden. Vogelgezwitscher, in der Ferne rauschte ein Bach und - ganz weit weg hörte man ein Kinderlachen. Plötzlich wurde ihnen unter ihren Füßen der Kunststoffboden weggezogen. Aber sie erschraken nicht, weil sie genau das erwartet hatten. Wie ein riesiges Förderband bewegte er sich weiter. An der einen Seite verschwand er in der Versenkung und auf der anderen wurde er durch eine Grasmatte ersetzt, die langsam auf Malagu und Tamerson zuwanderte. Als dieser Vorgang abgeschlossen war, wuchsen aus sich auftuenden Öffnungen im Boden Sträucher, die sich kunstvoll entfalteten und der Natur wirklich perfekt nachempfunden waren. Dort, wo eigentlich eine Wand hätte sein sollen, sahen sie jetzt einen kleinen Teich, der verspielt kleine Wellen auf seiner Oberfläche tanzen ließ. Ein Luftstoß durchfuhr den Raum und 2 bunte Badetücher schwebten herunter. Als sie emporblickten sahen sie aber nur hellblauen Himmel und eine Sonne lachte ihnen entgegen, die diesmal nicht gefährlich war, da nicht echt.

Aber sie waren nicht zum Baden und Sonnen gekommen. Noch immer hatten Sie kein Wort miteinander gewechselt. Auch deswegen hatten sie nicht unbedingt diesen Ort aufgesucht. Scheinbar hatten die beiden Verliebten das nicht notwendig. In einer Welt, in der nur mehr geplappert, gezettert, getuschelt und oberflächlich rezidiert wurde, da die wichtigen Dinge sowieso von Maschinen bestimmt wurde und man sich deswegen auch nicht darüber zu unterhalten brauchte, da war es oft mehr als nur angenehm, einmal gemeinsam schweigen zu können und die Möglichkeit zu haben, in eine innere Ruhe hineinzuhorchen, in eine Welt abzutauchen, die man nur fand, wenn man in Frieden mit sich, mit der Umgebung und vor allem mit einem Menschen war, den man liebte, achtete, verehrte und nicht zuletzt begehrte.

„Tun wir es“, flüsterte Malagu. Und sie meinte damit nicht, daß sie die Umwelt retten sollten, daß sie die Menschheit aus der allgemein herrschenden, hoffnungslosen Lethargie herausführen könnten, daß sie die Welt von den Computern, Robotern und Maschinen befreien wollten, sondern es waren nur die ersten 3 Worte die sie aussprach, seit die beiden sich getroffen hatten und in denen sie auszudrücken versuchte, daß sie mit ihm eins werden wollte. Tamerson hatte nichts dagegen einzuwenden und so nahmen Dinge ihren Lauf, die ihn schier wahnsinnig machten, aber er sich nicht dagegen wehren konnte und schon gar nicht wollte.

Langsam nahm er mit seiner rechten ihre linke Hand und blickte sie an. Obwohl sie lächelte, sprach aus ihren braunen Augen eine gewisse Traurigkeit, die wohl auch an ihm zu beobachten gewesen wäre, wenn er sich hätte sehen können. Aber gerade diese verband die beiden Verliebten mit einer so intensiven Stärke, die fast schon schmerzte. Während er sie langsam an sich zog, suchte seine linke Hand bereits die Knöpfe ihrer Bluse und während ihre Lippen die seinen fand und sich die Zungen zögernd berührten, taten seine Finger ihren ersten Dienst.

Malagu strich ihm sanft über die Glatze, tastete sich seinen Rücken hinunter und eroberte schließlich auf Umwegen seine Gürtelschnalle, die einmal gelöst, Freiraum für weitere Vorhaben ermöglichte.

Je schreckten sie auf, als ein Seereiher scheinbar über ihre Köpfe hinwegrauschte, doch davon ließen sie sich nicht lange aufhalten, denn dieses Federvieh war nur virtuell, aber andere Dinge, die die beiden im Moment für schöner empfanden, konnten als realer betrachtet werden.

Inzwischen lagen die beiden völlig entkleidet auf dem Grasteppich und ihnen war es inzwischen reichlich egal, ob sie sich wirklich in einer natürlichen Umgebung befanden, die es aber sowieso nicht mehr gab, oder bloß in einer gar nicht so schlechten Imitation von einer realen Umwelt. Langsam strich Tamerson mit seinen Händen über ihre weiblichen Rundungen, liebkoste mit seinem Mund die Stellen seiner intimsten Träume, die nun für kurze Momente wahr geworden waren und genoß es, daß Malagu scheinbar gleich empfand und das ihre dazu beitrug, daß sie glücklich waren.

Nachdem sie die beiderseitigen Bemühungen zum gemeinsamen Höhepunkt gebracht hatten und sie der Erfüllung eines Traumes nicht mehr nachjagten, sondern diese bereits hinter sich hatten und sich glücklich von einander lösten, faßte er einen Entschluß: „Wir werden die Welt retten. Wir beide ganz allein.“

„Und wie sollen wir das anstellen?“ warf sie leise ein.

„Naja, wir müssen die Leute aufrütteln. Wir müssen ihnen sagen, daß es früher einmal anders war. In unseren Geschichtsbüchern steht doch, daß es wirklich einmal überall grüne Wiesen, weite Wälder, saubere Flüsse und nicht zuletzt eine intakte Gesellschaft gab, die die Möglichkeit hatte, all die Wunder dieser Welt auszuschöpfen, sich und andere glücklich und zufrieden zu machen. Es kann doch nicht ein Fehler der Evolution gewesen sein, uns mit Intelligenz auszustatten, die es uns erlaubt, all das Schöne, was unsere Erde einmal geboten hatte, zu verwalten und an unsere Nachkommen intakt zu hinterlassen.“

„Da magst Du schon recht haben. Aber was hat es für einen Sinn, jetzt wo schon alles schief gelaufen ist, zu versuchen, das Ruder herumzureißen, wo wir doch alle auf Schritt und tritt beobachtet werden und alle unsere Tätigkeiten streng geregelt sind. Sogar unser Treffen hier, vergiß das nicht. Möglicherweise zeichnet man sogar alle Worte auf, die wir hier sprechen.“ „Nein, das glaube ich nicht. Dazu fühlen sie sich viel zu sicher und glauben, wir sind sowieso für Widerstand zu feige und bespitzeln uns mangels Notwendigkeit nicht. Aber gerade das ist unsere Chance, Malagu. Alles ist streng normiert. Diese Maschinen können nur in logischen, starr konstruierten Rahmenbedingungen agieren. Mit so etwas Verrücktem, wie ein Aufbäumen unsererseits rechnen sie wirklich nicht, denn sich gegen so eine Übermacht zu wehren, daß erscheint ihnen sicher als zu unlogisch. Deshalb haben wir eine Chance. Wir müssen sie überrumpeln. Alle gemeinsam müssen wir versuchen, die Stromzufuhr zu unterbinden, ihre Schaltkreise zu verätzen, ihre magneto-optischen Flüssigkeitsspeicher zu sprengen, in ihre Programme ein Virus einzuschleusen, welches sie von innen her zerstört oder was weiß ich noch alles.“

„Tamerson, wahrscheinlich hast Du recht. Aber wie willst Du all die Kräfte mobilisieren, wie glaubst Du erreichen zu können, daß alle aufstehen und sagen ‚so nicht'. Wer läßt uns die Welt verändern, ohne diese Ambitionen sogleich im Keim zu ersticken. Das wäre zu schön.“

„Ich werde darüber nachdenken und einen Weg finden. Glaub' mir das, Malagu.“

Während er diese Worte gesprochen hatte, glaubte er auch daran. Aber sobald Malagu und Tamerson wieder in Schweigen versunken war, da kamen ihm sogleich wieder die ersten Zweifel.

Einerseits wurde ihre Liebe Woche für Woche erfüllt, anderseits war sie vom ersten Zeitpunkt an zur Sinnlosigkeit verurteilt worden. Denn die Wirklicheit lehrte sie, daß solch ein Tun eigentlich völlig an Sinnhaftigkeit zu verlieren begann, als die ersten künstlichen Befruchtungen vorgenommen wurden. Natürlich hatten auch Brutkästen ihre Daseinsberechtigung, um verzweifelten Paaren im damals zu Ende gehenden 20. Jahrhundert, nicht nur Hoffnung geben zu können, sondern auch bereits fähig zu sein, existierendes Leben zu erhalten, das zu früh den Mutterleib verlassen mußte. Als es schließlich gelang, Tiere zu klonen und ein gesundes, starkes in ausreichender Menge reproduziert werden konnte, egal um welche Art es sich dabei auch handelte, kam man natürlich auf den Gedanken, das bei Menschen zu versuchen. Und das Experiment gelang schließlich auch. Eizellen und Samenspenden hatte man genug, die man miteinander verschmelzen konnte. Die Erfahrung mit Schafen, Kühe und anderem Getier zeigten Forschern den Weg, in Reagenzgläsern sich verschmelzende Ei- und Samenzellen Leben einzuhauchen und dieses in adaptierten, mit warmer Nährflüssigkeit gefüllten Brutkästen, dann zur endgültigen Reife entwickeln zu lassen.

In Folge dessen war der ursprüngliche Zweck des Geschlechtsverkehres verloren gegangen. Er war nicht mehr für die Zeugung neuen Lebens notwendig, sondern er diente nur mehr für Vergnügungen. Deswegen ging man bald dazu über, alle neugeborenen Mädchen und Jungen zu sterilisieren.

Ein Paar, das sich gefunden hatte, ging zum Kinderamt und bestellte sich ein Kind in der gewünschten Ausführung. Farbe, endgültige Größe, männlich oder weiblich, persönliche Neigung, alles konnte man festlegen. Auf besonderen Wunsch hin, das kam allerdings ein wenig teurer, wurde auch ein Clone eines der Ehepartner angefertigt. Die Lieferung erfolgte prompt nach 7 Monaten. Durch gezielte Forschung war es gelungen, die Dauer der „Schwangerschaft“ zu verkürzen und so kostengünstiger zu gestalten. Der so produzierte Nachwuchs durfte dann großgezogen werden.

Aber andererseits, als Tamerson ihren für ihn makelosen Körper betrachtete, wie seine Augen über ihre weiblichen Rundungen wanderte, die sein Herz wie wild zum Klopfen brachten, wie sie weiterglitten und er sich bewußt wurde, daß in so einem Bauch früher Kinder heranwuchsen, die dem Leben wirklich einen Sinn zu geben schienen und ein solcherartiges Zusammenkommen nicht nur den Zweck von reiner Lustgewinnung hatte, da festigte sich sein Wunsch wieder, etwas wirklich verändern zu wollen. -

Doch plötzlich schrillte eine Glocke, die Sträucher verschwanden im Boden, die Wiese wurden ihnen unter ihren Füßen weggezogen, sodaß sie erschrocken aufhüpften nach ihrer Kleidung haschten und sich hastig anzogen. Konnten zwei Stunden Glückseeligkeit so schnell vergehen?

„Tamerson, ich helfe Dir“, flüsterte Malagu ihm ins Ohr, bevor sie den nun wieder kahlen, grauen Raum verließen.

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