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Tamerson


2070

@1 Tag_und_Nacht

Es war Montag. Nicht ein Montag wie jeder andere. Denn dazu regnete es zu wenig. Sondern die Sonne erdreiste sich, ihre Strahlen vorsichtig durch die aufbrechende Wolkendecke zu strecken. Vorsichtig lugte sie durch die sich aufklaffende Lücke und zauberte dadurch so manche Sorgenfalte auf zahlreiche Gesichter. Denn mehr war gar nicht von nöten. Alle bleichfarbenen Menschen, die sich soeben im Freien befanden, zogen sich hastig die Kapuze über den Kopf und die Plastikhandschuhe an, damit die agressiven Strahlen nicht ihre Haut zerfressen konnte. Aber ansonsten ging alles seinen gewohnten Lauf. Wie jedem anderen Montag eben auch.

Die, auf zahlreiche Hauswand projezierten Hologrammuhren, zeigten 7 Uhr 10. Die Nacht war dem Tag gewichen.

Man sollte nicht den Fehler begehen, zu behaupten, daß das Leben auf dem ursprünglich blau genannten Planeten, der aber aus dem Weltraum betrachtet, sich aufgrund der fast durchgehenden Wolkendecke aus Wasserdampf und Abgasen sich meist nur mehr in einem einheitlichen Grau präsentierte, nicht mehr als lebenswert zu betrachten gewesen wäre. Denn der Mensch war schon seit Urzeiten her als Kämpfer konzipiert, der sich im Prinzip durch nichts von seinem schier unbrechbaren Lebenswillen abbringen lassen konnte und immer wieder nach Möglichkeiten sann, seinem persönlichen Schicksal ein Schnippchen zu schlagen sich aber durch unüberlegte Handlungen oft ins eigene Fleisch schnitt.

Da kam einem zum Beispiel der schüchterne Buchhalter in den Sinn, der einmal gemeint hatte, daß er an dem großen Kuchen, den die 6 großen Konzerne auf dieser Welt unter sich aufteilten, mitnaschen könnte. Es wäre doch sicher leicht zu bewerkstelligen, daß sich ein paar Euros auf sein Bankkonto verirren sollten. Warum auch nicht. Er wüßte genug damit anzufangen, und den tangential Betroffenen würden sie nicht wirklich vermissen. Er bräuchte dazu nur in die zentrale Rechenanlage von DMDIL (die Maschine, die immer lächelt, Anm. v. LEDA) einzudringen, am besten gerade dann, wenn sie um die Mittagszeit, ungefähr um 12.41 und 23 Sekunden (+/- 3 Sekunden), wenn sie gerade wie jeden Tag ihre Schaltkreise neu ordnete. Aber eben gerade diese geringe Abweichung wurde ihm zum Verhängnis. Er verschätzte sich um eine winzige Zeiteinheit und so war DMDL leider im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und lieferte ihn zwar nicht der Gerichtsbarkeit aus, sondern feuerte ihn bloß, speiste diesen verhängnisvollen Schritt sofort in die Zentraldatenbanken aller 6 Großkonzerne ein, sodaß für ihn ein für allemal die Chance vertan war, irgendwo eine Anstellung zu finden. Er mußte in der Folge verhungern. Schade auch um seine Frau und die drei Kinder. Nein, DMDL war nicht grausam. Denn alte, vergilbte Überlieferungen in antiken Bibliotheken, wo es noch vereinzelt Bücher aus echtem Papier gab, verkündeten, daß ein Computer nur so gut (oder so schlecht) sein konnte, wie der Mensch der ihn erschaffen, programmiert oder bedient hatte. Eine Maschine war also nie dazu fähig, am Unglück der Menschen schuld zu sein. Das hatten sie sich im Grunde alles selbst zuzuschreiben.

Aber trotz dieser widrigen Umstände. Es gab es. Das zaghafte Aufflackern von Widerstand. Nein, keiner wollte die Computerherrschaft stürzen. Denn diese war ja gar nicht so schlimm, wenn man sie nur schalten und walten ließ, wie es ihr beliebte. Auch hatte keiner vor, die Verwaltungsgebäude oder eine der Produktionsstätten, der 6 Konzerne in die Luft zu sprengen. Denn das hätte dem poetentiellen Terrorist nur selbst geschadet und war außerdem unmöglich.

Ein Unternehmen produzierte Sauerstoff, was aufgrund der drastisch schwindenden Vegetation nicht unbedingt von Nachteil war. Ein anderes erzeugte Nahrungsmittel. Kleine, sauber in durchsichtiger Plastikfolie abgepackte Würfel, bestehend aus Proteinen, Vitaminen, Ballaststoffen, Spurenelementen und Geschmacksstoffen. Das dritte beschäftigte sich damit, Bildung zu produzieren. Jeder Erdenbürger wurde dazu eingeladen, sobald er die nötige Reife erlangt hatte, in einen der Sessel Platz zu nehmen und dann für einige Stunden pro Tag das Wissentransportprogramm, daß ihm mittels Monitor und Kopfhörer vermittelt wurde, zu konsumieren. Man setzte sich einfach hin. Damit man sich den Genuß der kommenden Stunden vollends hingeben konnte, legten sich sofort Stahlbänder um Füße und Hände, die einem zum Bleiben bewegten, dann wurden einem von Roboterhand die Kopfhörer aufgesetzt und man brauchte bloß abzuwarten, bis das Wissensvermittlungsprogram absolviert war. Zumindest einmal für den aktuellen Tag. Wissen hatte auch jetzt noch einen gewissen Stellenwert. Denn man wollte schließlich den Aufgaben des Lebens gewachsen sein. Insbesondere, weil jeder, der sich nicht in einem Fachgebiet wirklich gut artikulieren konnte, naja. Der mußte wohl verhungern, weil er keinen Job bekam und die Nahrungswürfel und Infusionen nur an diejenigen verabreicht wurden, die sie auch bezahlen konnten.

Die Arbeitslosenrate näherte sich somit praktisch dem Wert Null. Trotz dieses dadurch doch existierenden Konfliktpotentials kam es niemanden in den Sinn, den Aufstand zu proben, geschweige denn, ihn durchzuführen. Denn so ein Versuch mußte unweigerlich scheitern und dann bekam er auch das Resultat des Produktionsprozesses des vierten Konzernes zu spüren. Oder besser ausgedrückt, eigentlich nicht mehr. Ihm wurde das Recht entzogen, die Plastikmäntel zu tragen, oder besser formuliert: Er bekam eigentlich keine mehr ausgehändigt. An und für sich wäre das nicht so schlimm, wenn diese künstliche Haut nicht aufgrund der agressiven Strahlung, die im Freien oft vorherrschte, im Laufe der Zeit durchlässig für dieselbe werden würde und durch ein gleichwertiges Produkt ersetzt werden müßte. Das nicht Austauschen der unbrauchbar gewordenen ‚zweiten Haut' in eine neue hätte natürlich altbekannte Folgen. Der oder die Arme könnte nicht mehr aus dem Haus, um sich zumindest Nahrungswürfel zu besorgen, bzw. um Euros zu verdienen, um diese oder die tägliche Konsumation einer Infusion dann kaufen zu können, was einen altbekannten Effekt zur Folge hatte. Richtig, er verhungerte. Und das wollte dann doch keiner.

Der fünfte Konzern. Ja was erzeugte dieser eigentlich. Keiner wußte es wirklich (oder wollte es wissen). Stacheldrahtverhaue. Schwerbewaffnete Roboter als Wachtposten schützten das Innere dieser speziellen Produktionsstätten. Hier durfte wohl kein rein organisches Wesen hinein.

Ja, einer ist da noch zu erwähnen. Der sechste Konzern, war eigentlich gar keiner. Von diesem aus wurden nämlich die Geschicke des Landes bestimmt. Hier hatte die allmächtige Zentraleinheit ihren Sitz, der Computer, der alle Geschicke des Globus leitete: LEDA = Leuchtender Erhabener Druiden Androide. Ein Computer bestehend aus 1287 auf Nanotechnologie basierenden Mikroprozessoren, mit einer Taktfrequenz von ungefähr 10300 MHz.

Ja so war das also. Ein Elektronengehirn mit 83572 Terabyte Speicherkapazität – hier wurde das Wissen der gesamten Welt aufgezeichnet und noch ein wenig mehr - bestimmte die Geschicke dieses Planeten. Auf jeden Fall ein perfekter Computer, der von Menschenhand geschaffen, genial konstruiert, schier meisterhaft entwickelt und realisiert wurde. Zum Wohle der Menschheit. Zur Erleichterung aller Beteiligten. Und sie tat es.

Die Welt hatte sich offensichtlich im Gegensatz zu ein paar Jahrhunderten früher radikal geändert. Eine umfangreiche Wandlung war eingetreten. Wie Tag und Nacht.

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