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Das Zwirnband
ich kaue an dem ledernen uhrband. jemand hatte mir diese entsetzliche uhr geschickt; schwarz,
dünnes armband, schlichte form mit einem zerbrechlich aussehenden goldenen rahmen. sie hatten
sie mir geschickt als ein werbegeschenk. ich zerkaue nach und nach dieses uhrarmband also. der
zarte zwirn, der die geschmacklosen schwarzen bläschen, besser kann man die wucherungen am
glänzenden leder nicht beschreiben, zusammenhält, kommt zum vorschein, ich zerreisse ihn
spielend mit einem unt-obigen mahlen meiner schneidezähne. selbst verständlich.
schon ein ganzes stück ist es geschrumpft, das uhrband. jetzt hängt mir ein 10 zentimeter langes
zwirnstück aus dem mund. an dessen ende baumelt ein fetzen malträtiertes ( franz., mal traître)
leder. ein lot, das den schwerpunkt in gerader linie verlängert in meinen geschlechtsteilen finden
würde.
die orale phase. mündlich fixiert, rauchen gehört natürlich auch dazu. ich ertappe mich dabei, fast
ständig etwas im mund haben zu wollen. der wille zieht jedoch angenehme taktile gefühle nach sich.
es tut gut, die zunge um das hilflose ende des schwarzen zwirns tänzeln zu lassen, ihn nach oben
und unten zu biegen, ihn an der inneren wölbung der vorderzähne entlangrollen zu lassen. der
wille, die willkür des zungenschlags. ob der zungenschlag auf das widerstreben des zwirns
abgestimmt ist, oder umgekehrt, bleibe denselben experten überlassen, dir das rätsel des huhns
und des eis lösen wollen.
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