Vertraute Einsamkeit
(Eine kurze, schwüle Geschichte übers Sterben)
Auf dem roten Himmel sammeln sich große Felder an. Und ein Donnergeräusch. Die Landschaft ist
fast gänzlich in der Wolkendecke verschluckt worden. Schwüle Luft, schwer und träge. Es wird bald
zu regnen beginnen. Aber vielleicht wird’s auch ein Hagelschauer, wer weiß das schon, bei solchen
bevorstehenden Sommergewittern wie diesem? Alles bewegt sich ums Wetter an diesem Tag, denkt
er. Schaut sich die Formen genau an, es ist ein Halbkreis über ihn. Wie er aussieht? Wie ein
Croissant. Oder ein Sichelkreuz? So genau kann er es nicht sagen, schließlich scheint die Form sich
mit jedem Augenaufschlag zu verändern.
Er liegt schwitzend auf dem Bett. Sein Mund ist geöffnet. Ein rötlich angeschwollenes Gesicht
schaut mich an. Warme Zugluft streift ihm durchs Haar, getragen vom offenen Fenster bis zur Tür.
Schau rauf zum Tisch. Staub hat sich wieder überall angesammelt. Und draußen ist dieser Lärm,
eine Baustelle. Man kann sich nicht konzentrieren. Seit einem ganzen Jahr. Er wird nicht daran
denken aufzustehen und jemanden zu rufen. Wenn das Motorengeräusch kommt, und die Maschine
anhält, dann ist alles in Ordnung. Und es wird bald kommen.
Es wäre eine Möglichkeit, hinaus zu gehen, sich einfach hinzulegen ins Gras. Und der Sonne die
Chance zu geben, deine Haut mit Krebs zu bedecken. Zu allem Zeit. So schnell wird es noch nicht
regnen.
Er dreht sich zur Seite, zieht das dunkelblaue Nachthemd vom Körper. Und er wirft es über den
Bettrand.
Unerträglich, die Schwüle. Er versinkt unters Betttuch, und außerhalb bewegt sich die Natur zum
Wind. Und die Wolkendecke. Schwarz hängt sie herab. Schwarz will er nicht sehen. Auf und Ab zieht
der Balken immer, mit der Maschine, mit dem Körper.
Mit seinen Fingern klammert er sich an die Bettdecke. Er zieht sie zusammen. Mit starren Augen
blickt er zu mir.
Er wartete auf das Sommergewitter. Jetzt ist es da, und seine Augen sind geschlossen.
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