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Weiße Weihnacht

„Verdammter Mist!“

Warum mußte mir das ausgerechnet hier passieren; hier in dieser gottverlassenen Gegend; am Weihnachtsabend; in Frost und Schnee? Warum mußte mein Auto ausgerechnet hier liegenbleiben?

Ich sah mich um. Das war wirklich ein einsamer Flecken hier. Daß es so etwas in Deutschland überhaupt noch gab. Normalerweise fuhr man hier nur mit dem Auto durch und bemerkte gar nicht, wie abgelegen die Gegend sein mußte. Nun ja. Ich seufzte tief auf und griff nach meiner Jacke auf dem Rücksitz. Hier drin hatte mich die Heizung vor der Kälte geschützt, aber draußen würde sie über mich herfallen wie ein wildes Tier. Besser, ich war vorbereitet. Ich warf noch einmal einen sehnsüchtigen Blick auf die warmen Sitze. Aber es hatte keinen Sinn. Ich mußte mich in die wilde Natur hinausbegeben und jemand finden, der mir helfen konnte. Als Automechanikerin war ich keine Leuchte. Das würde mir hier im Nirgendwo nichts nützen.

Am liebsten hätte ich am laufenden Band geflucht. Ausgerechnet heute hatte ich vergessen, mein Handy aufzuladen. Die Akkus waren leer, und das Gerät baumelte nutzlos an meinem Gürtel. Wo in dieser Einöde würde ich ein Telefon finden oder auch nur ein Haus? Wieder ließ ich meinen Blick über die Umgebung schweifen. Sah nicht so aus, als ob die nächste Behausung gleich um die Ecke wäre. Nicht mal ein Licht in der Ferne zu erkennen. Die Märchen hatten wohl nicht recht, in denen immer ein Flackern zwischen den Bäumen die Anwesenheit von Menschen verriet.

Ich tastete nach der großen Taschenlampe, die ich für Notfälle unter dem Sitz aufbewahrte. Dies war unzweifelhaft einer. Der lange Metallstab in meiner Faust gab mir zudem ein sichereres Gefühl. Er würde auch als Waffe dienen können, so schwer, wie er war. Falls das nötig sein sollte.

So ausgerüstet verließ ich den Wagen, schloß ihn ab und sah noch einmal zurück. Es gab kaum Orientierungspunkte an der Straße. Ich hoffte, ich würde das Auto wiederfinden, wenn ich erst einmal eine Richtung eingeschlagen hatte, die davon wegführte.

Am besten, ich blieb erst einmal auf der Straße. Der Schnee ließ zwar den Himmel leuchten, aber dennoch schimmerte der Asphalt pechschwarz. Ich folgte der dunklen Schlange, die sich durch die hell gepuderten Wiesen wand. Es dauerte eine ganze Weile, bis ein kleines grünes Ortsschild auftauchte. Mit dem Auto wären es wahrscheinlich nur ein paar Minuten gewesen. Mittlerweile hatte sich die Kälte selbst durch meine wattierte Jacke gefressen, und ich war froh, daß sich endlich ein Zeichen von Besiedlung zeigte. Ein grünes Schild bedeutete allerdings kein Dorf. Meist wurden nur einzelne Häuser so gekennzeichnet.

So war es auch hier. In einiger Entfernung von der Straße nahm ich so etwas wie den schwachen Schimmer eines Lichts wahr. Als ich genauer hinsah, entdeckte ich, daß ein Weg von der Straße abging, der vermutlich zu diesem Haus führte. Aber niemand hatte ihn benutzt, seit der Schnee gefallen war. Die Oberfläche der weißen Schicht schien unverletzt. Nur die Ungleichmäßigkeit unterschied sie von der sie umgebenden glatteren Fläche.

Vielleicht war gar niemand im Haus? Sollte ich es versuchen? Na ja, konnte nicht schaden. Ein weiteres Haus war nicht in Sicht. Wer wußte, wie weit ich bis zum nächsten laufen mußte?

Ich zerstörte mit jedem Schritt die Unschuld der jungfräulichen Schneedecke. Es knirschte. Meine Füße sanken nicht sehr tief ein, hinterließen jedoch eine deutliche Spur zusammengepreßten Schnees in meiner Schuhgröße. Hoffentlich war jemand zu Hause. Alles sah so verlassen aus.

Der Lichtschein, den ich geglaubt hatte wahrzunehmen, konnte auch von einer Reflexion stammen. Einer Reflexion des halbseidenen Mondes auf der hellen Schneefläche. Oder auf einer Fensterscheibe. Von innen schien jedenfalls nichts herauszudringen. Kein Licht, kein Geräusch.

Ich wollte schon umdrehen, aber dann entschloß ich mich doch zu klingeln. Es konnte ja nichts schaden. Ich versprach mir jedoch auch nichts davon. Das Haus war zu klein, als daß es noch große Hintergebäude geben konnte, in denen die Bewohner sich hätten aufhalten können.

Wie erwartet, tat sich nach dem Klingeln nichts. Als ich jedoch schon auf dem Weg zurückgehen wollte, den ich gekommen war, drehte ich mich aus irgendeinem, mir selbst unerfindlichen Grunde noch einmal um. Da sah ich eine Bewegung am Fenster. Wie eine Gardine, die wieder in ihre ursprüngliche Position zurückglitt. Also war doch jemand zu Hause. Aber wer? Wer ließ eine Frierende bei diesem Wetter vor der Tür stehen, ohne sich auch nur zu melden?

Ich ging noch einmal auf das Haus zu. Vielleicht hatte ich ja beim zweiten Mal Glück. Diesmal klingelte ich nicht, sondern klopfte. „Ich brauche ein Telefon“, sagte ich laut genug, damit man mich drinnen hören konnte. „Ich bin mit meinem Wagen auf der Landstraße liegengeblieben. Mein Handy tut es auch nicht. Könnte ich bei Ihnen telefonieren?“ Keine Antwort. „Oder könnten Sie vielleicht für mich telefonieren und mir einen Abschleppwagen rufen oder so was?“ Ich konnte mir vorstellen, daß die Dunkelheit und die Situation nicht gerade vertrauenerweckend wirkten. Jedenfalls nicht vertrauenerweckend genug, um eine wildfremde Person ins Haus zu lassen.

Aber auch meine harmlose Bitte brachte keinen Erfolg. Ich zuckte die Schultern. So unangenehm es war, aber dann würde ich es wohl woanders versuchen müssen. „Ist es noch weit bis zum nächsten Haus?“ fragte ich noch einmal durch die Tür. Auch diesmal wurde ich keiner Antwort gewürdigt. Na ja, war vielleicht nicht so verwunderlich hier draußen in der Pampa. Ich hoffte, die nächsten Hausbewohner würden freundlicher sein.

Meine knirschenden Schritte entfernten sich vom Haus, und plötzlich hörte ich hinter mir noch ein anderes Geräusch. Die Tür öffnete sich. Licht fiel auf den Weg.

„Ich kann Ihnen einen Abschleppwagen rufen“, sagte eine Frauenstimme.

Sie war nur schwach im Schein der Lampe zu erkennen, die ihre Diele erleuchtete. Halblange Haare, eine schlanke Silhouette und – eine unglaubliche Stimme. Ich mußte daran denken, als ich mich umdrehte, daß ich noch nie so eine Stimme gehört hatte. So eine erotische Stimme.

„Danke“, sagte ich und nickte. „Das ist sehr nett von Ihnen.“

Ich blieb stehen, wo ich war, und wartete darauf, daß sie die Tür wieder schließen würde. Es schien, als ob sie mich musterte, aber ich konnte ihre Augen im Gegenlicht nicht erkennen. Sie zog sich zurück, und der schmale Streifen Licht auf dem Weg wurde noch schmaler, bis er nur noch der Abbildung eines Getreidehalms glich. Der gelbe Strich verhielt einen Moment, dann wurde er wieder breiter. Ein Finger, ein Pflasterstreifen, eine aufgehende Sonne – mitten in der Nacht.

„Kommen Sie herein“, sagte sie mit dieser verführerischen Stimme, die zugleich jedoch vollkommen unbeteiligt klang. „Es ist zu kalt, um draußen zu warten.“

„Danke“, wiederholte ich und fragte mich gleichzeitig, warum sie so lange gebraucht hatte, um überhaupt aufzumachen. Waren Überfälle hier draußen an der Tagesordnung, so daß sie sich von jedem Besuch erst einmal bedroht fühlte? Ein Szenario wie im Wilden Westen tat sich vor mir auf. Sie, die Besitzerin dieses Hauses, als wehrhafte Farmersfrau mit der Winchester im Anschlag, sobald sie die Tür öffnete. Ich mußte lächeln und schüttelte den Kopf. Wie kam ich denn auf so was? Sie hatte sich bereits umgedreht und die Tür offenstehen lassen. Ich folgte ihr ins Haus und schloß die Tür hinter mir. Einen Moment sah ich sie noch durch eine weitere Tür verschwinden. Vermutlich das Wohnzimmer, in dem das Telefon stand. Ich wartete.

Einen Augenblick später erklang ihre Stimme erneut, diese wundervolle Stimme, selbst wenn sie nur die Worte sprach: „Können Sie einen Abschleppwagen schicken, bitte?“ So banal der Inhalt auch klang, ihre Stimme machte ihn zu einem engelsgleichen Wispern. Anscheinend erging sich der Teilnehmer am anderen Ende in langwierigen Erklärungen, denn es dauerte eine Weile, bis sie in einem etwas ärgerlichen Tonfall erwiderte: „Dann eben, sobald es geht.“ Sie legte auf, ohne sich zu verabschieden.

Ich hörte ihre Schritte auf weichem Flor näherkommen. Dann erschien sie in der Tür. „Es dauert etwas länger. Sie haben mehrere Einsätze, und zur Zeit ist kein Abschleppwagen verfügbar. Die Hälfte der Belegschaft hat zudem frei, weil ja Weihnachten ist.“ Fast abschätzig klang diese letzte Bemerkung. Als ob die Arbeiter kein Recht auf Weihnachten hätten, oder zumindest kein Recht darauf, ihr dadurch Unannehmlichkeiten zu bereiten.

„Es tut mir leid, daß ich Sie gestört habe“, sagte ich. Denn den Eindruck, daß ich das hatte, vermittelte sie mir stark. „Wenn Sie mir erlauben, noch einmal zu telefonieren, werde ich dem Abschleppdienst beschreiben, wo mein Wagen steht, und dann dort auf ihn warten.“

Sie musterte mich wieder einen Moment. Diesmal konnte ich sie jedoch besser dabei beobachten, denn nun fiel das Licht von vorn auf ihr Gesicht. Es schien ungerührt, und doch spürte ich so etwas wie eine unterschwellige Spannung. Ihr Gesicht war nicht unbedingt schön zu nennen, dazu war es zu kantig und zu eigenwillig, aber es besaß eine Anziehungskraft, die über banale Schönheit hinausging.

„Das ist doch Unsinn“, sagte sie nach einer mir endlos erscheinenden Phase der Betrachtung, meiner und ihrer. Wieder hatte ihre Stimme diesen leicht ärgerlichen Unterton. Sie hätte mich am liebsten fortgeschickt, aber wahrscheinlich war sie zu gut erzogen, um das in dieser eisigen Winternacht, die zudem noch Heiligabend war, zu tun. Aber es war ihr nicht recht, daß ich blieb, auch wenn sie mich dazu einlud. „Sie können hierbleiben“, fuhr sie unbeteiligt fort. „Ich habe ohnehin meine Adresse für den Abschleppwagen angegeben.“

Immer noch fühlte ich mich so wenig willkommen, daß ich einfach in der Diele stehenblieb.

Plötzlich regte sich ein Muskel in ihrem Gesicht. Fast erschien so etwas wie ein angedeutetes Lächeln darauf. „Tee oder Kaffee?“ fragte sie, trat einen Schritt zurück und wies in das Zimmer, in dem sie zuvor telefoniert hatte und in dessen Türrahmen sie stand, ein schönes Bild. Sie paßte hinein, als ob er für sie gemacht wäre. Als ich nicht sofort reagierte, ging sie los, zurück hinein.

Ich mußte erst zu mir kommen, weil sowohl das Bild, das sie bot, als sie eingerahmt in der Tür stand, als auch ihre überraschende Einladung mich sprach- und regungslos gemacht hatten. Als ich mich wieder gefangen hatte, folgte ich ihr und blieb ebenso wie sie zuvor erst einmal im Türrahmen stehen. Es war ein außerordentlich schönes, gemütliches Zimmer, in das ich von hier blickte. Nicht besonders groß – das wäre auch nicht zu erwarten gewesen bei der geringen Ausdehnung des ganzen Hauses – aber außergewöhnlich einladend. Ganz anders als seine Besitzerin.

Eine Kanne stand auf dem Tisch und sie daneben. Sie hatte sich noch nicht gesetzt. Sie blickte zu mir herüber, mit einem schwer zu deutenden Gesichtsausdruck, und wies auf einen zweiten Sessel am Tisch, gegenüber demjenigen, vor dem sie stand. Ein Buch lag auf der Lehne, aufgeschlagen, und daneben eine Lesebrille. Ich hatte sie beim Lesen gestört; vielleicht war sie deshalb so ungehalten.

Ich ging auf den Sessel zu, den sie mir angewiesen hatte, und öffnete meine Jacke. Langsam wurde mir heiß. Die wattierte Ausstattung, die draußen so gut schützte, ließ mir hier drin den Schweiß auf die Stirn treten.

„Legen Sie sie irgendwo hin“, sagte sie. „Tee hätte ich hier noch. Oder möchten Sie lieber Kaffee?“

Obwohl ich sie allein angetroffen hatte, schien sie eine geübte Gastgeberin zu sein. Ihre Fragen klangen sehr routiniert. Wenn auch nicht unbedingt freundlich. Mehr wie das Ableisten eines notwendigen Übels.

Ich zog meine Jacke aus und legte sie über die Lehne des Sessels. „Nein, danke, machen Sie sich nur keine Umstände. Tee ist wunderbar. Lediglich etwas Heißes.“

Sie nickte. Dann drehte sie sich um und öffnete eine kleine Glasvitrine hinter sich. Ein hübsches Stück. Alt. Vermutlich antik. Wie fast alles in diesem Raum. Aus der Vitrine nahm sie eine zweite Tasse und stellte sie auf den Tisch. Aus der zierlichen Kanne, die genau zum Muster der Tassen paßte, goß sie mir ein und schob die Tasse zu mir hin. Dann setzte sie sich, nahm ihre eigene Tasse, lehnte sich in ihren Sessel zurück und schlug elegant die Beine übereinander. Sie trank und stellte ihre Tasse zurück. Dabei blickte sie wie beiläufig in meine Richtung.

Ihr Blick machte mich verlegen, und ich setzte mich ebenfalls und griff nach meiner Tasse. Als ich trank, vermied ich tunlichst, sie anzusehen. Sie machte mich nervös. Obwohl sie eigentlich gar nichts tat. Oder vielleicht gerade deshalb.

„Sind Sie fremd in dieser Gegend?“ fragte sie.

Aha, Smalltalk. Sie machte Konversation. Auch das konnte sie offensichtlich. So sah sie allerdings auch aus. Es gab heutzutage selten Frauen, denen ich auf Anhieb die Bezeichnung Dame zugeordnet hätte; sie war eine.

„Ja und nein“, entgegnete ich. „Eigentlich stamme ich aus der Gegend hier. Aber ich war schon lange nicht mehr da. Sehr, sehr lange.“

Sie nahm wieder ihre Teetasse und nippte daran. „Dann haben Sie keine Familie mehr hier?“

Ich lachte etwas unfroh. „Das kann man so auch nicht sagen.“

„Verzeihen Sie“, sagte sie zurückhaltend, „ich wollte nicht unhöflich sein.“

„Ich muß um Entschuldigung bitten.“ Ich sah sie nun nicht mehr so verlegen, dafür um so mehr interessiert an. „Ich habe sie am Weihnachtsabend gestört. Ich hoffe, der Abschleppwagen kommt bald, so daß Sie mich wieder los sind. Ich möchte Ihnen nicht unnötig zur Last fallen.“

„Das tun Sie nicht. Der Tee war schon fertig.“ Auf einmal lächelte sie leicht. Es war wunderbar. Ihr kantiges, etwas herbes Gesicht, das die ganze Zeit so abweisend gewirkt hatte, öffnete sich ein wenig und gab den Grund für seine Anziehungskraft frei. Von einer Sekunde zur anderen wirkte es schön. Immer noch nicht in der klassischen Form, aber in einer ganz eigenen, individuellen Art von Schönheit, die nur ihr gehörte und die nur sie geben konnte.

Ich war fasziniert. Eine Frau wie sie hatte ich noch nie getroffen. Und dann in dieser Einöde, in der man nicht einmal eine warme Mahlzeit vermutete.

„Trotzdem“, beharrte ich. „Ich bin froh, wenn ich wieder bei meinem Wagen bin und der an einem Abschleppwagen hängt.“ Ich lachte. „Sie haben sicher auch noch viel vorzubereiten, und ich halte Sie jetzt davon ab.“

„Nein“, sagte sie. „Ich wollte nur einen ruhigen Abend verbringen, nichts weiter. Warum ist Ihr Wagen liegengeblieben? Was ist passiert?“

Sie wechselte so auffällig das Thema, daß ich mich fragte, warum. Sie hatte mich nach meiner Familie gefragt, aber selbst schien sie ebenfalls keine zu besitzen. Das Haus war eigentlich auch zu klein dafür. Und die ganze Einrichtung deutete nicht darauf hin, daß hier außer ihr noch jemand wohnte. Kein Mann, keine Kinder. Sowohl die Utensilien des einen als auch der anderen waren normalerweise nicht zu übersehen.

Ich zuckte die Schultern, um ihre Frage zu beantworten. „Ich weiß es nicht genau. Wahrscheinlich der unvermutete Wintereinbruch. Zu kalt. Ich hatte mein Auto noch nicht zum Wintercheck gebracht, und also ...“ Ich trank meinen Tee aus. „Wollen Sie noch eine Tasse?“ fragte sie sofort.

„O nein, danke, der Abschleppwagen muß ja bald hier sein.“ Ihre Nähe machte mich immer nervöser. Sie lächelte (wissend). „Ist der Tee nicht gut?“ fragte sie. „Schmeckt er Ihnen nicht?“

Sie wußte, daß ich das schon aus Höflichkeit nicht gut behaupten konnte. Ihre Frage enthielt offensichtlich einen Hintergedanken. Wieder mußte ich mit „Nein“ antworten. „Er ist ganz hervorragend“, fügte ich hinzu.

„Dann nehmen Sie doch noch eine Tasse“, bot sie an und beugte sich gleichzeitig mit der Kanne über den Tisch. Es entrannen jedoch nur noch ein paar letzte Tropfen dem geschwungenen Hals. Sie runzelte unzufrieden die Stirn. „Da habe ich wohl zuviel versprochen“, bemerkte sie. „Ich werde neuen aufgießen.“

Es hatte wohl keinen Sinn, ihr zu widersprechen, obwohl ich dazu ansetzte. Aber auf einen Blick von ihr schloß ich meinen Mund wieder. Genauso bestimmend, wie sie am Anfang mit ihrer Ablehnung gewesen war, war sie nun mit ihrer Einladung. Sie verließ das Zimmer, und ich atmete auf, als ob ich unter einer schweren Anspannung gestanden hätte. Hatte ich wohl auch. Nach der Jacke entledigte ich mich nun noch des Pullovers. So heiß war mir schon lange nicht mehr gewesen. Sie mußte die Heizung auf dreißig Grad gestellt haben. Ich sah mich um, aber ich entdeckte nur ein leise prasselndes Feuer im Kamin; einem kleinen Kamin in der Wand, der mit einem zierlichen Vorbau und unaufdringlichen Stuckverzierungen versehen war. Wahrscheinlich hatte er schon zu diesem Haus gehört, als es noch gar keine andere Heizung gab.

Ein paar Geräusche verrieten mir, daß hier in der Nähe die Küche sein mußte, in der sie sich aufhielt, um den Tee zuzubereiten. Ich überlegte. Wie lange würde es wohl noch dauern, bis der Abschleppwagen kam? Ihre Reaktion am Telefon hatte darauf hingedeutet, daß ich mich auf eine längere Wartezeit einrichten mußte, aber ich wußte nicht, ob ich das überstehen würde. Sie zog mich an wie ein Magnet. Schon mehrmals hatte ich verstohlen ihre Lippen betrachtet, ohne es recht zu merken. Ich hoffte, sie hatte es auch nicht bemerkt, aber ich war mir nicht sicher. Ihr wissendes Lächeln konnte auch bedeuten, daß sie es bemerkt hatte, aber nicht darauf eingehen wollte. Doch warum schickte sie mich dann nicht einfach fort? Warum hielt sie mich mit dem Tee hier fest? Es war ihr Vorschlag gewesen, nicht meiner.

Was machte ich mir überhaupt Gedanken? Eine zufällige Begegnung, das war alles. Ich wußte ja nicht einmal, ob sie lesbisch war. Die Wahrscheinlichkeit und die Statistik sprachen schließlich eher dagegen. Und ich konnte sie ja wohl kaum so einfach fragen.

Ich dachte an ihren Körper. Wie er schwang, wenn sie ging. Wie beweglich er erschien und wie ... weiblich. Wie begehrenswert. Ihre Hüften und Beine waren von bequemen Hosen bedeckt, jetzt im Winter sicher unzweifelhaft die richtige Bekleidung, aber wenn mich mein Gefühl nicht trog, trug sie normalerweise Röcke, Kleider – schwingende, verführerische Kleider, die ihre Weiblichkeit betonten. Ich schloß die Augen und stellte sie mir in einem schulterfreien, kurzen Kleid vor, das ihr Dekollete ebenso hervorhob wie ihre langen, schlanken Beine, die bis zum Himmel gingen. Dem Himmel an der Stelle, wo sie sich trafen.

„Reichen Sie mir Ihre Tasse?“

Sie mußte hereingeschwebt sein wie ein Engel. Ich hatte sie nicht gehört. Vor Schreck ließ ich die Tasse, nach der ich zu schnell gegriffen hatte, fast fallen. Sie griff ebenfalls danach, und unsere Hände berührten sich. Einen Augenblick verhielten wir, sahen uns in die Augen. Ich versuchte, den elektrischen Schlag zu überleben, der mich getroffen hatte. Was sie tat, wußte ich nicht. Immer noch spürte ich das Kribbeln, als sie sich endlich zurückzog und mir die Verantwortung für die Tasse überließ.

„Es ist das Service meiner Großmutter“, bemerkte sie fast entschuldigend. „Das letzte, was ich noch von ihr habe.“

Ich lachte verlegen. „Sonst bin ich eigentlich nicht so ungeschickt. Ich werde besser darauf aufpassen.“

Sie beugte sich wieder vor und goß mir nach, ebenso sich selbst, bevor sie sich setzte.

Ich lächelte sie an, immer noch verlegen, und das nicht nur wegen der Tasse. Sie war schon fast nackt gewesen in meiner Vorstellung, und jetzt saß sie wieder vollständig bekleidet vor mir. Es war nicht nett, was ich da tat. „Wohnen Sie schon lange hier?“ nahm ich das Gespräch wieder auf.

„Ich wohne nicht ... hier“, erwiderte sie mit leichtem Zögern. „Ich komme nur hierher, wenn ich einmal abschalten will.“

„Dann ist es ja noch schlimmer, daß ich Sie gestört habe“, bemerkte ich erschrocken.

Sie verzog die Mundwinkel. „Ja, das könnte man so sagen“, erwiderte sie lächelnd, bevor sie trank.

Ich stand auf. „Ich werde sofort gehen. Vielleicht könnten Sie noch einmal so freundlich sein, mir zu sagen, wo ich das nächste Haus finde oder die nächste Telefonzelle. Dann bin ich schon weg.“ Ich schnappte fahrig nach meinem Pullover. „Damit werden Sie hier draußen nicht viel Glück haben“, erwiderte sie ruhig. „Das nächste Haus ist Kilometer entfernt, und Telefonzellen sind hier auch nicht gerade verbreitet. Ich glaube, ich habe noch nie eine in der näheren Umgebung gesehen.“ Ich zog schnell meinen Pullover über. Als ich wieder aus den Tiefen der Maschen auftauchte, erwartete mich ihr amüsiertes Gesicht. „Sie haben ihn verkehrt herum angezogen“, bemerkte sie nonchalant.

Sie stand auf und kam zu mir herüber. Mit einer anscheinend geübten Bewegung zog sie den Kragen meines Hemdes ein wenig unter dem Pullover hervor und arrangierte ihn. „Sieht gar nicht so schlecht aus“, meinte sie.

Wir standen uns so eng gegenüber, daß ich ihren Atem spüren konnte. Warum tat sie das? Ich hielt die Luft an. Ihr so nah zu sein, sie zu spüren, sie zu riechen – das war einfach zuviel für mich.

Sie blickte ein wenig von unten zu mir hoch. „Nun küß mich endlich“, sagte sie leise. „Das willst du doch schon die ganze Zeit.“ Ich war wie erstarrt. Als ich mich nicht rührte, hob sie ihre Lippen und griff mit einer Hand nach meinem Nacken. Langsam zog sie mich herunter, bis sich unsere Lippen berührten. Dann wartete sie. Allmählich erwachte ich aus meinem eisähnlichen Zustand. Ihre Lippen waren warm und berührten meine nur leicht. Vorsichtig suchte ich mit meiner Zunge nach dem kleinen Spalt. Sobald ich ihn erreicht hatte, öffnete sie die Lippen. Ich glitt in sie hinein, als ob es meine Bestimmung wäre. Es schien so natürlich, so selbstverständlich. Die Statistik konnte mir gestohlen bleiben. Und auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung. An Heiligabend wurde das Unwahrscheinlichste zur Wirklichkeit, und das Normale schien entschwunden, weit entfernt, auf einem anderen Planeten.

Ihr Kuß war sanft und dennoch glühend, als sie meinen erwiderte. Sie seufzte. Er dauerte endlos. Ich verlor jegliches Gefühl für Zeit und Raum. Nur die Weichheit ihres Körpers, der sich an mich schmiegte, die Süße ihres Kusses, der mich erzittern ließ, ihre Zunge, die meine Lippen streichelte. Erregend langsam fuhr sie an den Innenseiten entlang und suchte dann meine Zungenspitze, daß ich unverhofft aufstöhnte.

Sie beendete den Kuß und lachte leise. „Das gefällt dir, nicht wahr? Wußt' ich's doch.“

Ich ließ sie kaum ausreden, sondern senkte meinen Mund wieder auf ihren. Weniger sanft als sie zuvor drang ich in sie ein und füllte sie aus, versuchte jeden Winkel ihres Inneren zu erforschen. Sie begann heftiger zu atmen; ihr Brustkorb preßte sich an meinen, und ich spürte ihre Hände, die meinen Rücken hinauffuhren.

Sie ließ beide wieder hinabgleiten und schob damit meinen Pullover hoch. „Du hast ihn eh falsch herum an“, flüsterte sie. Ich half ihr, und sie zog mir den Pullover aus. Danach blickte ich ihr in die Augen und suchte ihre Wünsche darin. Was hatte sie veranlaßt, mich zu verführen? War sie einfach nur allein, brauchte eine Frau? Oder steckte noch mehr dahinter? War es Absicht oder Zufall? Nun ja, geplant haben konnte sie es nicht. Schließlich war ich nur wegen meiner Autopanne hier vorbeigekommen. Das war für sie wohl kaum zu erwarten gewesen.

„Was willst du?“ fragte sie plötzlich rauh. „Weshalb bist du hier?“

Ich lachte erstaunt auf. „Dasselbe könnte ich dich fragen.“

Sie versuchte, dem suchenden Blick meiner Augen auszuweichen. „Sieh mich nicht so an“, bat sie leise.

„Warum nicht?“ wisperte ich in ihr Ohr. „Du bist wunderschön. Es lohnt sich, dich anzusehen.“

Sie hob den Kopf und legte ihn leicht schräg zurück. „Schmeichlerin“, sagte sie lächelnd. „Aber es ist schön. Solche Komplimente habe ich schon lange nicht mehr gehört.“

„Das wundert mich“, sagte ich zärtlich. „Du scheinst wie dafür geschaffen zu sein. Ich dachte, du hörst so etwas jeden Tag.“

Ihr Hals zog mich magisch an. Er verließ in einem so verführerischen Bogen ihre Schulter und jetzt, wo sie ihn auch noch zurückgelegt hatte, schien er nur darauf zu warten, geküßt zu werden. Ich senkte meine Lippen auf die weiche Haut und knabberte sanft daran.

Sie seufzte tief auf und streckte sich noch mehr. Das gefiel ihr offensichtlich. Ihr Hals schien länger und länger zu werden, und die verführerische Kuhle an ihrem Schlüsselbein erschien ansatzweise unter ihrer Bluse. Ich begehrte sie schrecklich. Ich wollte sie ausziehen, sie endlich nackt sehen, ihre im Moment noch sanften Laute zum Crescendo steigern. Meine Hände suchten den Bund ihrer Hose, und während ich sie weiterküßte, öffnete ich ihn. Ich zog den Reißverschluß herunter und glitt mit einer Hand hinein.

Sie zog sich zurück, richtete sich auf und sah mich an. „Langsam“, sagte sie leise. „Das geht viel zu schnell für mich.“

„Entschuldige.“ Mir ging es fast zu langsam, so erregt, wie ich mittlerweile war, aber offenbar hatten wir da verschiedene Vorstellungen und unterschiedliche Bedürfnisse. Ich küßte sie sanft auf den Mund. „Was möchtest du?“

Sie wirkte auf einmal verlegen. Sehr süß sah sie aus. „Da unten ... das ... das ... erst ganz zum Schluß. Zuerst –“

Sie brach errötend ab. Wie lange war es her, daß ich eine Frau bei diesem Thema hatte erröten sehen? Sie schien wie aus einer anderen Zeit zu stammen, auch wenn sie jung genug aussah, um in dieser geboren zu sein.

„Okay“, flüsterte ich leise und ließ meine Hände an ihrem Körper nach oben wandern. Wenn sie es sich bis zum Schluß aufsparen wollte, hatte sie sicher ihre Gründe dafür. Das würde ich auf jeden Fall respektieren. Sie getroffen zu haben, war ohnehin (so) ein (so) unverhofftes Geschenk. Es sprach nichts dagegen, das so lange wie möglich zu genießen.

Ich spürte, wie ihr Körper unter meinen Händen weich wurde und sich erneut an mich schmiegte. Ihr Rücken sank in meine Arme, als ich sie küßte. Sie war ein zartes Geschöpf. Die weite Kleidung hatte verdeckt, wie zart. Ich konnte meine Arme so weit um sie legen, daß sie sich schon fast wieder trafen. „Darf ich dich ausziehen?“ fragte ich leise an ihrem Ohr. „Oder ist das auch noch zu früh?“

Ein leises Lachen war die Antwort. „Nein“, sagte sie, anscheinend überrascht und amüsiert, „aber es ist nett, daß du fragst.“ Ich suchte wieder ihren Mund und küßte sie, während meine Hände an ihren Seiten erneut nach oben wanderten. Ihre Lippen waren so süß, daß ich fast die Rundung ihrer Brüste verpaßte, als ich dort ankam. Sie atmete schneller, als ich sie vorsichtig abtastete, meine Daumen nach vorne gleiten ließ und die harte Mitte suchte. „Mhm“, machte sie in meinem Mund, als ich sie erreichte. Ihre Hüften drängten sich an meine, und sie schien kaum noch Luft zu bekommen. Ihr Herz pochte heftig unter meinen streichelnden Fingerspitzen.

Ich ließ meine Hände weiter nach vorne gleiten und suchte die Knöpfe ihrer Bluse. Fahrig tat sie dasselbe bei mir, während unsere Münder sich nicht voneinander lösen konnten. Als sie meine Brüste streifte, stöhnte ich auf und mußte den Kuß beenden. Schnell ließ ich mein Hemd von den Schultern rutschen. Ihre Hände legten sich wie schützend über meine Brüste. Ich biß mir auf die Lippen. Es war so schön, von ihr berührt zu werden.

Nachdem ich all ihre Knöpfe geöffnet hatte, suchte nun auch ich erneut die wundervolle Empfindung ihrer herrlichen Rundungen. Ich glitt unter ihre Bluse, fuhr hoch und spürte lediglich nackte Haut. Sie trug keinen BH. Allein zu Hause hatte sie das wohl für überflüssig gehalten, und ich dankte ihr dafür, ohne es auszusprechen. Ihre Brüste waren so weich, daß ich überwältigt die Augen schloß.

Sie zog heftig die Luft ein, als ich mich vorbeugte und eine der Brustwarzen in den Mund nahm. „Ja ...“, flüsterte sie vergehend.

Meine Zunge konnte sich gar nicht sattfühlen an der kleinen Erhebung. Sie glitt darüber, hin und her, und ich genoß die Empfindung, daß sie immer mehr anschwoll, härter und größer wurde. Über mir wurde ihr heftiges Atmen zum Keuchen. Ihr „Ja“ wiederholte sich wieder und wieder, bis ihr die Luft wegblieb. Ich spürte, wie sie zitterte, und auf einmal bemerkte ich, wie sie wegsank. Ich konnte sie gerade noch festhalten, so daß wir gemeinsam auf den weichen Flor des Teppichs niedersanken.

Sie lag halb auf dem Rücken und ich auf der Seite neben ihr, während ich sie immer noch umarmt hielt. Ihre Augen waren geschlossen. „Du machst mich verrückt“, wisperte sie endlich. „Tut mir leid, ich konnte nicht mehr stehen.“

Ich lachte zärtlich. „So ist es doch auch viel schöner.“ Meine Hand glitt von ihrem Rücken nach vorne und streichelte ihre Brust.

Sie legte sehnsüchtig den Kopf zurück und seufzte leise. Langsam ließ ich meine Hand hinuntergleiten bis an den Rand ihres Slips, beherrschte mich aber und fuhr wieder zurück. Ich wollte schon sehr gern wissen, wie es zwischen ihren Beinen aussah, aber ich respektierte ihren Wunsch, das nicht zu früh zu erfahren.

Ihre Brüste erhoben sich wunderbar weich über ihrem Körper, und immer noch standen die Spitzen hart und angeschwollen hervor. Ich küßte sie eine nach der anderen und entlockte ihr immer erregtere, sehnsuchtsvolle Seufzer, bis sie begann, sich zu bewegen. Da wanderte ich mit meinem Mund auf ihrem Körper nach unten. Sie wand sich unter jeder Berührung meiner Lippen, schrie spitz auf, als ich in ihren Bauchnabel eindrang, und konnte sich kaum mehr halten, als ich mich wieder an ihr nach oben küßte.

„Das ist wundervoll“, flüsterte sie kaum hörbar.

Als ich mich weiter über sie schob, hob sie die Hände und legte sie erneut auf meine Brüste. „Zieh das T-Shirt aus“, bat sie leise. „Ich will dich ganz spüren.“

Ich richtete mich schnell auf und zog mir das Hemd über den Kopf. Von oben blickte ich auf sie hinunter, wie sie da lag; ihre Augen glänzten erwartungsvoll, aber auch tief und dunkel. Ich konnte nicht darin lesen. Sie war eine Fremde und schien mir doch so nah. Als ob wir uns immer schon gekannt hätten.

„Wie heißt du eigentlich?“ fragte ich plötzlich.

Sie lachte. Die Frage überraschte sie offensichtlich – und nicht ganz zu unrecht. „Das ist doch nicht wichtig“, erwiderte sie. „Komm.“ Sie griff nach mir und versuchte, mich auf sich herunterzuziehen.

Ich ließ mich zu ihr hinabgleiten und hätte beinahe aufgestöhnt, als sich unsere nackten Brüste berührten. „Für mich ist es wichtig“, beharrte ich dennoch. Ich wußte auch nicht warum, aber auf einmal wollte ich es wissen. Ich küßte sie. „Sag's mir“, flüsterte ich an ihrem Mund. „Bitte.“

„Veronique.“ Sie schien sich widerwillig dazu durchzuringen. „Aber jetzt hör auf damit. Vergiß es.“

Was für ein ungewöhnlicher Name, dachte ich. Und wie schön. Genau wie sie. Er paßte zu ihr. „Das werde ich sicher nicht“, erwiderte ich lächelnd. „Niemals.“ Das alles hier würde ich niemals vergessen. Es war zu schön, zu einzigartig, zu befremdend.

„Du wirst“, sagte sie. Ihr Mund suchte meinen und öffnete sich mir, so daß ich tatsächlich alles vergaß – für den Moment. Sie war eine merkwürdige Frau. Das hatte mich ja gleich von Anfang an an ihr fasziniert. Nichts schien eine Bedeutung zu haben, wenn ich sie ansah. Es war, als schwebten wir außerhalb der Zeit dahin, völlig losgelöst von der Erde und ihren Beschwernissen, von allen Bedürfnissen außer dem einen, uns nah zu sein, uns zu berühren, zu vereinigen. In diesem Augenblick erinnerte ich mich an Die Nebel von Avalon, das Buch, das mich vor vielen Jahren so sehr beeindruckt hatte. Auch in ihm hatte so eine schwebende Atmosphäre geherrscht. Vielleicht war Veronique ja (auch) eine Hindin, eines jener Fabelwesen, die das Buch bevölkerten.

Ich mußte lachen ob meiner weit hergeholten Vermutung, und Veronique sah mich irritiert von unten an. „Was ist?“ fragte sie.

„Nichts.“ Ich beugte mich zu ihr hinunter. Wenn ich ihr erzählte, was ich für einen Moment gedacht hatte, würde sie mich auslachen. Oder für verrückt halten. Was beides im Augenblick nicht in meinem Sinne war. „Du bist nur so ... außergewöhnlich“, flüsterte ich an ihrem Hals. Ich richtete mich noch einmal auf. „Du bist einfach bezaubernd, hinreißend. Wo hast du dich versteckt?“

Sie lächelte rätselhaft. „Überall und nirgends“, sagte sie. „Wenn zwei Menschen sich treffen, ist es immer Bestimmung. Glaubst du daran?“ Sie sah mich fragend an.

„Ich glaube eigentlich an gar nichts“, erwiderte ich skeptisch. „Außer“, ich lächelte, „an dich, an uns, an diesen Augenblick, der so wunderschön ist.“

„Dann komm“, raunte sie und zog mich nun endgültig zu sich hinunter.

Ihr Duft hüllte mich ein, machte mich sanftmütig und schwindlig und erregte mich immer mehr. Ihre Hände legten sich auf meinen Rücken, streichelten mich, ließen mich aufstöhnen, bevor ich wußte, was ich tat. Es kitzelte und kribbelte so unendlich süß, so berauschend. Berauschend wie sie.

Wieder ließ ich meine Lippen von ihrem Mund tiefer wandern, wieder verwöhnte ich ihre Brüste damit, bis sie stöhnte und sich wand. Meine Zunge kribbelte von der wunderbaren Empfindung ihrer weichen, süßen, trunken machenden Haut; ihre angeschwollenen Brustwarzen füllten meinen Mund aus, riefen in mir das Bedürfnis hervor zu trinken, zu saugen, etwas aus ihr herauszuziehen und in mich übergehen zu lassen, etwas von ihr zu behalten, wenn es wieder zu Ende sein würde. Denn daß ich sie nicht halten konnte, diesen Eindruck hatte ich. Sie vermittelte etwas Flüchtiges, obwohl sie so real schien, wie sie hier unter mir lag, seufzte, ihren Körper an mich preßte.

Ich glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick. Das hatte ich noch nie getan. Aber bei ihr, bei ihr wußte ich es: ich hatte mich in sie verliebt, von jetzt auf gleich, sofort und unausweichlich. Und gleichzeitig wußte ich, daß es bei ihr nicht so war, daß ich sie nicht fragen und ihr nichts von meinen Gefühlen sagen durfte. Dann würde sie wie ein Traum entschwinden.

Was für merkwürdige Gedanken hegte ich da? Mitten in den schönsten Momenten des Lebens, die für mich sonst genug Ablenkung boten, um an gar nichts mehr zu denken. Aber mit ihr war alles so anders. Sie war anders.

Die zunehmende Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen erinnerte mich daran, daß ich noch mehr von ihr wollte als über sie nachdenken. Als ob sie es geahnt, ja gewußt hätte, wanderten ihre Hände nun zu meiner Hose hinunter, öffneten sie, schoben sie mir von den Hüften. Ich spürte ihre Finger auf meinem Po, wie sie mich leicht massierten. Ich seufzte und gab mich den Gefühlen hin, die sie damit in mir auslöste. Meine Feuchtigkeit verwandelte sich in Nässe. Ich konnte es kaum noch ertragen, nicht zu wissen, ob es bei ihr genauso war. Langsam näherte ich mich mit einer Hand ihrem Slip.

Ich zögerte. Wollte sie? Wollte sie nicht? Was hatte ihre Ablehnung am Anfang ausgelöst? Ich wußte nichts von ihrer Vergangenheit. Wer ahnte, was ihr passiert war? Vielleicht nichts Gutes. Vielleicht etwas, das sie nun vor dem letzten Schritt zurückschrecken ließ, auch wenn sie alles andere genoß.

Sie zog meine Pobacken auseinander, und ich schnappte nach Luft. Ich wollte sie. Ich wollte sie so sehr. Ich wollte sie nehmen und von ihr genommen werden. Ich wollte schreien und sie schreien hören. An diesem idealen Ort, wo niemand uns hörte. Kilometerweit.

Ich knabberte an ihrem Ohrläppchen, während meine Hand langsam, ganz langsam in ihren Slip glitt. „Bist du soweit?“ fragte ich wispernd. „Darf ich dich berühren?“

„Möchtest du das?“ fragte sie zurück, ein wenig lächelnd.

Ich lachte auf. „Das weißt du ganz genau. Schon von Anfang an. Ich glaube, die Frage erübrigt sich.“

„Deshalb möchte ich es doch gern hören“, sagte sie leise. „Bitte, sag's mir.“

Ich beugte mich zu ihr hinunter und küßte sie, zuerst auf den Mund, dann auf die Augen, ihre Wangen, ihr Ohr. „Ich will dich“, flüsterte ich so leise, daß es niemand außer ihr hätte hören können. „Ich will dich so sehr. Wahnsinnig. Bitte ...“

Sie drehte ihren Kopf zu mir und hob die Hände. Leidenschaftlich preßte sie ihren Mund auf meinen und grub gleichzeitig ihre Finger in mein Haar, drückte mich an sich, als ob sie mich nie wieder loslassen wollte. Ihre Zunge suchte meine, umspielte sie, ließ mich aufstöhnen und ihren Atem immer schneller werden. Meine Hand glitt ganz von selbst tiefer zwischen ihre Beine, noch vom Slip gestört, aber das vergaß ich sofort, als ich in ihre Nässe tauchte.

Ich riß mich los und rang verzweifelt nach Luft. Ihr Kuß hatte mir keine Zeit mehr zum Atmen gelassen. „Mein Gott“, keuchte ich, „du bist –“

„Gar nichts“, unterbrach sie mich und ließ mich wieder ihre leidenschaftliche, glühende Zunge spüren. Sie hielt mich so fest, daß ich nicht wegkonnte, aber gleichzeitig öffnete sie ihre Beine.

Eine eindeutigere Einladung konnte es nicht geben. Mein Finger glitt zwischen ihre Schamlippen, und ich spürte noch mehr von dem, was mich schon bei der ersten Berührung so überwältigt hatte. Sie war naß und groß und bereit. Mir blieb die Luft weg, die sie mir durch ihren Kuß sowieso schon fast vollständig geraubt hatte. Aber offensichtlich wollte sie ihn nicht beenden. Ich versuchte weiterzuatmen, ohne ihren Mund zu verlassen. Sie ließ mich einfach nicht. Ihre Zunge schlängelte sich erregt durch meinen Mund und erregte auch mich immer mehr. Mein Finger zwischen ihren Beinen suchte den Eingang und drang ein.

Sie keuchte heftig in meinem Mund, aber sie ließ immer noch nicht los. Sie wollte offensichtlich beides auf einmal. Langsam fuhr ich mit dem Finger in sie hinein und wieder hinaus. Ihr Kuß wurde noch wilder. Ihr Mund war eine Höhle der Wollust. Unbeschreiblich süß und heiß. Ebenso wie weiter unten. Mein Daumen suchte ihre Perle. Ein Stöhnen kam tief aus ihrer verschlossenen Kehle. Ich streichelte sie weiter, küßte sie, stieß mit meiner Zunge im gleichen Rhythmus in ihren Mund wie mit meinem Finger zwischen ihre Beine. Sie stöhnte immer lauter in meinem Mund. Ich wußte nicht, wie sie es fertigbrachte, immer noch Luft zu bekommen, den Kuß nicht zu beenden. Ich spürte die Vibrationen ihres Stöhnens vermittelt durch meine Lippen über meinen ganzen Körper wandern bis in meinen Schoß. Es war fast, als ob sie dort unten wäre. Endlich kam sie, schrie auf und konnte nun die Verbindung zu meinem Mund doch nicht mehr halten, löste sich davon und schrie noch einmal kurz und spitz. Ihr Rücken bog sich durch, als ob er eine Brücke zum Himmel bauen wollte. Sie fiel zusammen, aber es schien noch nicht beendet. Ihr Schoß drängte sich gegen meine Hand, wieder und wieder. „Mehr“, flüsterte sie, „mehr ... bitte noch einmal ...“

„Soviel du willst, Liebling“, lächelte ich ihr leise und zärtlich zu. Erneut drang ich in sie ein, aber ihr Slip störte mich. Schnell zog ich ihn ihr aus und kniete mich zwischen ihre Beine. Ich schob sie hastig drängend auseinander und senkte meinen Mund auf ihre Mitte. Sie unterdrückte einen weiteren Schrei – warum auch immer, hier war doch niemand –, als ich sie mit meiner Zunge berührte. Meine Finger fanden den Weg in sie hinein, mehrere, so viele, wie sie verkraftete, und meine Zunge spielte mit der steifen Perle, bis sie anscheinend nicht mehr wachsen konnte.

Veronique wand sich hin und her, stöhnte und schrie, ließ sich kaum mehr halten. Ich krallte meine zweite Hand in ihren Schenkel und drückte sie hinunter, soweit ich konnte. Meine Zungenspitze glitt über die Spitze ihrer harten Knospe, fast wie wenn sie sie veranlassen wollte, sich zu öffnen. Die Knospen ihrer Brüste hätte ich gerne noch gespürt, aber man konnte nicht alles haben.

Sie erstarrte plötzlich, spreizte ihre Beine noch mehr in einem unmöglich erscheinenden Winkel und stieß einen tiefen, durchdringenden Laut hervor; dann wurde sie weich, und ihre Beine sackten zusammen, schlossen sich wieder ein wenig, umschlossen mich. Ich blieb dazwischen liegen, zog meine Finger aus ihr heraus und legte eine Hand auf ihren Bauch. Er hob und senkte sich heftig. Sie rang nach Luft und konnte kaum genug bekommen. Langsam beruhigte sie sich wieder, aber es dauerte eine Weile.

„Das war schön, Veronique“, flüsterte ich und küßte ihre Schamlippen, die rot und immer noch einladend hervorstanden. Sie waren so geschwollen, daß ich am liebsten gleich wieder eingedrungen wäre. Es schien eine wundervolle, große Höhle zu sein, die mich dort erwartete und die ich gern noch weiter erforschen wollte. Aber ich wollte ihr auch ein wenig Ruhe gönnen. Sie hatte sich sehr verausgabt.

„Ja“, stieß sie kurz zwischen zwei Atemzügen hervor. Dann schwieg sie. Nach einer Weile hörte ich ihre Stimme wieder. „Kommst du zu mir rauf, bitte?“ bat sie. „Ich möchte dich so gern auf mir spüren.“

Ich glitt an ihr nach oben, und sie legte ihre Schenkel um meine Hüften. Wieder begann sie, sich zu bewegen, sich gegen mich zu drängen. Eine leidenschaftliche Frau, wirklich. Anscheinend konnte sie nicht genug bekommen. Ihre Hand glitt von hinten über meinen Po und zwischen meine Beine. Ich stöhnte auf.

„Ich möchte, daß du so auf mir kommst“, wisperte sie rauh, „mit mir zusammen. Kannst du das?“

Ich war schon mich mehr fähig zu widersprechen, denn sie drang langsam in mich ein. Meine Schamlippen umschlossen ihre Finger und verlangten nach mehr. „Ich werd's versuchen“, preßte ich mühsam hervor.

„Danke“, sagte sie.

Ich versuchte, mich ihrem Rhythmus anzupassen. Meine Nässe erleichterte es ihr, immer wieder in mich hineinzustoßen und wieder herauszufahren, ohne große Mühe. Es war wundervoll, wie sie mich ausfüllte. Gleichzeitig spürte ich die Umklammerung ihrer Schenkel immer enger werden, immer fester; ihre Muskeln spannten sich an, drückten meine Hüften zusammen. Ihre Mitte drängte sich gegen meinen Bauch, rieb sich daran, verteilte ihre Nässe auch dort.

„Ja, ja ...“, hörte ich sie flüstern, bei jedem Stoß, mit dem sie mich nahm, bei jedem Schwingen ihrer Hüften, mit dem sie sich mir hingab. Ihre zweite Hand suchte vorn zwischen meinen Schenkeln den kleinen Knopf. Es war wie ein Schmerz, der durch mich hindurchfuhr, als sie ihn berührte. Sie zwirbelte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, erst sanft, dann hart, dann wieder sanft glitt sie darüber, reizte mich so sehr, daß ich nicht mehr aufhören konnte zu stöhnen. Mein Stöhnen vereinigte sich mit ihrem und endlich, endlich spürte ich die Verkrampfung, die mich erlösen sollte. Sie überschwemmte mich; ich konnte nichts mehr sehen. Aber ich hörte noch ihren Schrei, fast gleichzeitig, ihr zufriedenes Seufzen danach.

Ich fiel erschöpft auf sie nieder und spürte, wie sich ihre harten Brustwarzen in mein weiches Fleisch bohrten. Hatte sie immer noch nicht genug? Hatte sie nicht. Sie rollte sich mit mir herum und ritt auf mir, beugte sich herunter und nahm meine Brustwarzen in den Mund, ohne mir auch nur eine Sekunde der Ruhe zu gönnen. Ich war netter zu ihr gewesen, rücksichtsvoller.

Aber meine Brüste unterstützten sie, forderten ihren Nachholbedarf ein. Als sie mit ihrer Zunge darüberglitt, die Brustwarzen reizte und mich erneut zum Stöhnen brachte, lachte sie leise. „Ja“, raunte sie, „komm. Komm noch mal.“

Ich widersprach ihr nicht und konnte ihr sowieso nicht widerstehen. Meine Brustwarzen schwollen an in ihrem Mund, und als ihre Hand erneut zwischen meine Beine glitt und ihre Finger in mich, kam ich fast ohne Verzögerung. Meine Hüften hoben sich an, ihr entgegen, und ich spürte, wie ich sie, die Zarte, Leichte, anhob. Sie mußte sich vorkommen wie auf einem richtigen Pferd. Sie klammerte sich fest. Ihre Schenkel waren stärker, als man es ihnen ansah, und ich spürte ihre Nässe, ihre Haare, sogar ihre Schamlippen, die sich an mir festsaugten. Ich wurde fast ohnmächtig. Nein, nicht fast – ich wurde es. Mir schwanden die Sinne, und alles wurde schwarz um mich herum.

Als ich aufwachte, lag sie lächelnd neben mir und hatte uns zugedeckt. Der Flor des Teppichs war so weich, das er jedes Bett ersetzte. „Nimmt dich das immer so mit?“ fragte sie schmunzelnd.

Ich lächelte etwas peinlich berührt. „Nein, ich kann mich nicht erinnern. Normalerweise –“ Ich sah sie zärtlich an und strich mit einem Finger über ihre sanft geschwungenen Lippen. „Normalerweise ist es allerdings auch nicht so toll.“

„M-hm“, sagte sie. Sie beugte sich zu mir und küßte mich sehr sanft. „Ja, das war es“, flüsterte sie dann.

Sie stand auf. Die Bluse, die sie nie ganz ausgezogen hatte, glitt weich über ihre Hüften und bedeckte sie so weit, daß ich das Dreieck in ihrem Schritt nur noch ahnen konnte. Sie war so schön. So wunderschön. Eine leidenschaftliche Frau, ein Traum. „Ich mache uns noch mal einen Tee“, sagte sie lächelnd. Ihre Augen streichelten mich zärtlich.

„Und ich müßte mal ins Bad“, erwiderte ich und erhob mich ebenfalls.

„Zweite Tür rechts“, sagte sie und drehte sich um. Als ich ins Bad ging, hörte ich in der Küche wieder die mittlerweile schon vertrauten Geräusche.

Es war immer noch mitten in der Nacht und dunkel draußen. Eine merkwürdige Begegnung, die nicht enden zu wollen schien. Aus dem Bad kommend, betrat ich kurz darauf zum ersten Mal die Küche. Sie stand am Herd und wartete darauf, daß das Wasser anfing zu kochen. Ihr nackter Po schimmerte verführerisch unter der Bluse hervor und zwang mich, ihn zärtlich zu streicheln.

Sie zuckte überrascht zusammen. Anscheinend hatte sie mich nicht gehört. „Schon wieder?“ fragte sie leise, aber nicht ablehnend.

„Immer“, erwiderte ich und schob ihre Haare ein wenig beiseite, um ihren Hals zu küssen. Dann schob ich ihr die Bluse langsam von der Schulter und wanderte mit meinen Lippen ihr nach auf ihr Schlüsselbein und ihren Rücken. Sie dehnte sich meiner Berührung entgegen. Eine Hand streckte sie noch vor und schaltete den Herd ab. „Mit dem Tee, das wird wohl jetzt nichts mehr“, meinte sie leicht lachend. Dann drehte sie sich um. Ihre Augen suchten mein Gesicht ab. „Komm“, sagte sie und nahm mich bei der Hand.

Sie führte mich in ein weiteres Zimmer. Es enthielt nichts als ein großes Bett mit Baldachin, ein Himmelbett. Es sah aus, als wäre es direkt aus Sissis Schlafzimmer hierher versetzt worden.

Ich blieb überrascht stehen. „Wo hast du das denn her?“ fragte ich.

„Wen interessiert das?“ murmelte sie an meinem Mund und zog mich auf das Bett hinunter. Der Raum war so klein, daß das Bett ihn fast vollständig ausfüllte. Ein richtiges kleines Hexenhäuschen war das hier.

Als wir im Bett lagen und uns küßten, schloß sie mit einer fast unmerklichen Bewegung die Gardine. Wie in einem Dornröschenschloß fühlte ich mich. Umgeben von weichem Tüll, der den Blick auf alles verwehrte, was draußen war, auf die Wirklichkeit; der nur das Märchenhafte bestehen ließ. Und das war sie: ein Märchen. Eine Märchenprinzessin; ein zartes Wesen, das aus einer anderen Welt herabgestiegen war. Nur meinetwegen. Nur meinetwegen? Das konnte ja wohl kaum sein. Ich mußte innerlich über mich den Kopf schütteln. Ich war doch sonst ein sehr realistischer Mensch. Märchen hatten mich noch nie besonders interessiert. Und trotzdem vermittelte sie mir das Gefühl, eins zu sein. Oder zumindest aus einem entsprungen.

Ich lachte. Ich war einfach nur verliebt. Jede Frau, in die man sich verliebte, erschien wie eine Märchenprinzessin. Sonst würde man sich ja nicht in sie verlieben. Sonst wäre sie ja nichts Besonderes. Und das war sie – eindeutig: etwas Besonderes.

Ich blickte auf sie nieder und schob eine Hand über ihren Körper. Ihre nackte Haut war wie Seide. Immer noch bedeckte die Bluse ihre Schultern. Langsam glitten meine Finger darunter und schoben den Stoff Stück für Stück nach hinten.

Ihre Augen beobachteten mich und verdunkelten sich leicht. Sie begannen allmählich zu glänzen wie Sterne in der Nacht. Ich schaute sie an, und sie schaute mich an; unsere Blicke versanken ineinander, verschlangen sich und ließen nicht mehr los. Ich versank in ihrem Blick tiefer, als ich es mir je vorgestellt hatte, tun zu können. Sie nahm mich ganz in sich auf. Es war wie ein unentdecktes, unerforschtes Land, das sich mir dort auftat. Sie war fremd und doch vertraut; ihr Körper so verführerisch nah und ihre Augen dennoch mit fragendem Blick auf Distanz. Sie war ein Rätsel.

„Ich möchte wissen, wer du bist“, flüsterte ich, während meine Hand über ihren Bauch strich, sie zum Seufzen brachte. Sie lächelte geheimnisvoll. „Ich kann mich gar nicht mehr darauf besinnen“, sagte sie schmunzelnd. Wenn sie mich auf den Arm nehmen wollte, war das nicht der richtige Zeitpunkt. Ich begehrte sie so sehr, daß ich nicht darauf eingehen konnte. Meine Haut berührte ihre und spürte das warme Pochen unter der Oberfläche, das Leben, die Liebe. Immer wieder fuhr meine Hand über ihre Taille, ihren Bauch, hinauf zu ihren Brüsten. Ich küßte ihre Schulter bis zu dem Punkt, an dem immer noch die Bluse ihre nackte Haut verbarg. Es war erregend, sie nicht ganz sehen zu können. Ich schob die Bluse noch weiter zurück und folgte dem Weg mit meinen Lippen. Sie warf den Kopf auf die andere Seite und atmete erregt.

Ich nahm eine Brust und bedeckte sie mit meiner Hand, drückte mit meinem Daumen gegen die harte Mitte. „Du wolltest nicht wirklich Tee machen, oder?“ zog ich sie auf. Ihr Zustand deutete jedenfalls nicht darauf hin.

Sie drehte ihren Kopf zu mir zurück. „Du stellst meine Absichten in Frage?“ Aber sie schien es nicht ernst zu meinen. Ihre Mundwinkel verzogen sich amüsiert.

„Du hast wunderschöne Augen, weißt du das?“ flüsterte ich, während ich sie ansah und wieder in den Tiefen der glänzenden Sterne zu versinken drohte.

„Du übertreibst“, wies sie mich zurück.

„Nein“, widersprach ich. Ich küßte sie und spürte, wie ihre Zunge mich erneut erregte. Sie wollte nicht reden, sie wollte etwas anderes.

Meine Hände glitten über ihren Körper, und sie wand sich mir entgegen. „Du machst das so gut“, flüsterte sie atemlos. Wieder küßte ich ihre Brüste, lockte ihre Brustwarzen mit meiner gleitenden Zunge noch weiter hervor, und als sie unaufhaltsam stöhnte, drang ich gleichzeitig zwischen ihren Beinen ein. Wenn sie noch nasser als beim ersten Mal sein konnte, war sie es. Sie stöhnte, sie seufzte, sie warf sich herum. Ich schob mich auf sie und drang in sie, ohne ihre Brüste zu verlassen. Immer tiefer und tiefer. Sie stöhnte immer wilder. „Ja, komm, nimm mich ...“

Ich nahm sie heftig, weil sie mich so erregte, und sie stöhnte noch einmal tief auf, als sie kam. Ich ließ ihre Brüste los und umschloß ihre Mitte mit meiner Hand, um ihre unbändig pochende Erregung noch ein wenig zu genießen. Sie klang kaum ab. Aber schon erhob sie sich und drehte sich um, senkte ihren Kopf zwischen meine Beine. Ich spürte ihre Haare mich kitzeln, dann spürte ich nur noch eins. Ihre Zunge zwischen meinen Schamlippen, die in mich eindrang, mich wieder verließ, mich maßlos erregte, bis ich nach ihrem Po griff, der vor meiner Nase wippte, und die Pobacken auseinanderzog. Ich spürte den heftigen Luftzug zwischen meinen Beinen, als sie überrascht Atem holte; dann spielte ihre Zungenspitze mit meiner Perle, und ich konnte nichts mehr tun außer stöhnen, mich ihr hingeben. Sie ließ mich warten, hörte immer wieder auf, wenn ich kurz davor war.

„O Veronique“, stöhnte ich gequält, „laß mich, bitte ... ich kann nicht mehr ...“

Sie leckte kurz über meine Mitte, und ich spürte zum wiederholten Male die Wellen kommen. Aber sie würde mich wieder aufhalten, mich quälen, mir die Erlösung nicht gönnen. Aber diesmal hatte ich mich geirrt. Ihre Zunge fuhr weiter über meine Perle, ließ sie noch mehr anschwellen, falls das möglich war, und mit ihren Fingern bohrte sie sich in meine Mitte, dehnte mich aus, drang so tief in mich ein, daß ich dachte, sie würde mich zerreißen. Da nahm sie meine Perle zwischen ihre Lippen und ließ sie nicht mehr los, reizte sie ununterbrochen und so heftig, daß ich mich nach oben warf und schrie. Wie ein warmer Fluß erfaßte es meinen ganzen Körper und hörte nicht auf, weil sie nicht aufhörte, weil sie mich nicht aus ihrem Mund entließ. „Veronique, du bringst mich um ...“, stöhnte ich gepeinigt.

Alles in mir krampfte sich zusammen; ich spürte ihre Hand in mir, krampfte mich darum, als ob ich sie zerdrücken wollte. Der Widerstand steigerte meine Erregung noch, meine Lust, meinen Genuß. Noch nie hatte ich so etwas erlebt, solch eine gewaltige Entladung, die mich erst bis ins tiefste Innere zu erschüttern und dann völlig zu überwältigen schien, mich wehrlos zurückließ.

Und dennoch dauerte es nicht lange, bis wir wieder übereinander herfielen, sie mich nahm und ich sie. Wenn ich ihre weiche Haut spürte, konnte ich mich nicht beherrschen, mußte sie streicheln, sie hochbringen, ihr den letzten Genuß verschaffen, sie seufzen hören. Ihre Laute waren so süß; ich wollte sie nie mehr missen.

Sie atmete immer noch heftig – nach dem wievielten Mal? – und sah mich mitgenommen, aber auch glücklich an. „Das war so schön“, sagte sie leise. „Ich danke dir.“

Ich küßte sie und schob mich neben sie. „Ich danke dir“, widersprach ich. „Du inspirierst mich. Ich weiß nicht, ob ich das je schon mal erlebt habe. Es ist, als ob ich unendlich viel Energie hätte. Sie verbraucht sich gar nicht.“

Sie kuschelte sich an mich. „Keine Ohnmacht mehr?“ lachte sie leise.

Ich schüttelte den Kopf und lachte auch. „Nein, anscheinend nicht. Aber langsam sollten wir vielleicht doch etwas schlafen. Der Morgen graut schon.“

Für einen Moment schien sie sich zu verspannen, als ob das keine gute Nachricht für sie wäre. Dann kuschelte sie sich noch mehr an meine Schulter. „Ja, schlafen ...“, murmelte sie leise und müde, und dem Wort schien auch sogleich die Tat zu folgen. Ihr Atem wurde gleichmäßiger und tiefer.

Ich betrachtete sie lächelnd. Wie süß sie dalag in der Entspannung, im Schlaf, im Traum vielleicht schon. Wovon sie wohl träumte? Aber ich hatte keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, denn mich ereilte das gleiche Schicksal.

An einen Traum konnte ich mich allerdings nicht erinnern, als ich erwachte. Helles, fast weißes Licht drang durch die feinmaschige Gardine des Bettes. Der Schnee draußen ließ alles leuchten, sogar bis hier hinein. Anscheinend schien die Sonne, denn auch ein Stückchen blauer Himmel schien durch die Gardine zu schimmern.

Ich reckte mich. Wie herrlich! Am Morgen zu erwachen, am Morgen nach Heiligabend, seit Jahren einmal wieder Schnee zu Weihnachten, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, und eine Frau neben mir, die ich –

Die ich ... eine Frau? Wo war sie? Meine Hand griff ins Leere oder vielmehr ins Kissen neben mir. Ich lächelte. Kochte sie schon wieder Tee? Für einen Moment schien alles wie verändert. Als ob sie gar nicht dagewesen wäre. Ich schlug die Gardine des Himmelbettes zurück und stand auf. Brrr! Es war kalt. So heiß die Nacht gewesen war, der Morgen war kühl. Hoffentlich prasselte drüben noch – oder schon wieder – das Feuer, das mich gestern abend so gut gewärmt hatte ... neben einigen anderen Dingen.

Ich verließ das kleine Schlafzimmer und suchte in der Küche nach Veronique. Aber auch hier schien alles verlassen. Tee kochte sie jedenfalls nicht. Ich bibberte. Schnell ging ich ins Wohnzimmer und warf mein Hemd über. Meine Sachen lagen noch auf dem Boden; die von Veronique waren verschwunden. Also hatte sie sich angezogen. Aber wo war sie? Die Kälte drang immer noch auf mich ein. Das Feuer im Kamin mußte ausgegangen sein. In der Tat sah es so aus, als ob nie eines darin gebrannt hätte. Schnell suchte ich all meine Sachen zusammen und verpackte mich darin, so gut ich konnte. Selbst die Jacke zog ich über. Es war kalt genug.

Vielleicht machte Veronique einen Spaziergang an diesem herrlichen Weihnachtsmorgen. Das wäre zu verstehen gewesen. Ich lächelte erneut. Veronique im Schnee, mit herrlich geröteten Wangen, wie sie mir lachend entgegenlief. Das war ein wundervolles Bild. Aber warum hatte sie mich nicht geweckt, mich nicht mitgenommen? Wäre es nicht noch viel angenehmer gewesen, zu zweit durch diese weiße Märchenlandschaft zu wandeln? Es wäre schön gewesen, wenn sie auf mich gewartet hätte.

Aber sie würde ja sicher zurückkommen. In diesem Moment fiel mir auf, daß der Abschleppwagen, den Veronique gestern gerufen hatte, gar nicht gekommen war. Wahrscheinlich hatten zu viele unangenehme Begleiterscheinungen der so überraschend eingefallenen weißen Pracht die Angestellten aufgehalten. Ich würde einfach noch einmal anrufen. Ich hob den Hörer ab und wollte schon wählen, als ich mich wunderte, daß kein Freizeichen zu hören war. Ich betätigte noch einmal die altertümliche Gabel, aber nichts. Vielleicht war auch das Telefon von den Schneemassen betroffen. Manchmal unterbrachen Schneestürme ja auch die Leitungen. Hier draußen zumindest.

Ich seufzte. Es blieb mir wohl nichts anderes übrig, als auf Veroniques Rückkehr zu warten. Vielleicht hatte sie selbst ja auch schon das nicht mehr funktionierende Telefon bemerkt und holte Hilfe. Aber merkwürdig war es doch, daß sie mich weder geweckt noch mir eine Nachricht hinterlassen hatte. Und außerdem war mir kalt. Sollte ich den Kamin anzünden? Es würde dann sicher Stunden dauern, bis das Haus warm war. Aber eine andere Heizung schien es nicht zu geben.

Vielleicht sollte ich selbst einmal nachschauen, wohin Veronique gegangen war. Schließlich lag Schnee. Da durfte es nicht so schwer sein, ihren Spuren zu folgen.

Ich öffnete die Tür, und die strahlende Pracht empfing mich draußen in eisiger Luft. Es war wirklich das herrlichste Weihnachtswetter. Warum war Veronique jetzt nicht hier? Wie gern hätte ich es mit ihr zusammen genossen.

Als ich die Zufahrt zum Haus betrachtete, blickte ich nach einer Weile verwirrt von West nach Ost, von Nord nach Süd. Nirgends fand sich ein Zeichen menschlicher Benutzung außer dem meiner eigenen Schritte von gestern abend. War Veronique zu Fuß gegangen? Aber wenn ja, wie? Oder hatte sie ihren Wagen benutzt? Doch selbst dann hätten sich Radspuren im Schnee finden müssen. Nichts davon war zu sehen. Wenn sie das Haus verlassen hatte, mußte sie geflogen sein.

Ich ging kopfschüttelnd noch einmal hinein und durchsuchte alle Zimmer. Mehr als die, die ich schon kannte, gab es nicht. Und nirgends war Veronique. Was aber noch verwunderlicher erschien, war, daß auch nirgends Sachen von ihr zu finden waren. Kein Koffer, keine Kleidung, nicht einmal eine Zahnbürste. Da sie behauptet hatte, sich nur ausnahmsweise hier aufzuhalten, hätte sie doch eigentlich zumindest ein Necessaire mitbringen müssen.

Da ich dieses Rätsel nicht lösen konnte, beschloß ich, endgültig das Haus zu verlassen und selbst nach einem Abschleppwagen zu suchen. Jetzt am Tage würde das sicher einfacher sein als in der Nacht. Und wenn dann mein Wagen wieder funktionierte, würde ich hierher zurückkommen und sicherlich auf Veronique treffen, die Tee trank. Ich lächelte, als ich an sie dachte. Wieder spürte ich die Wärme ihres Körpers, hörte ihr Seufzen; ihre Küsse brannten auf meinen Lippen, als ob sie gerade erst geschehen wären.

Einen Moment versank ich in meinen Träumen, bis mich die Kälte wieder einholte. Das Haus wirkte tatsächlich so, als ob es seit Jahren nicht beheizt worden wäre. Dabei war es gestern doch noch so warm gewesen. Als ich mich umsah, umfing mich geradezu ein kalter Hauch wie in einem alten Gemäuer, das seit Jahrzehnten keine Menschenseele mehr betreten hatte. Ich mußte verrückt sein. Meine Erinnerungen sprachen eindeutig dagegen. Dennoch wirkte das Haus etwas düster. Ich schüttelte erneut den Kopf und öffnete die Tür. Die strahlende Sonne und der gleißende Schnee vertrieben meine düsteren Eindrücke.

Frohgemut stiefelte ich los und machte mich auf den Weg, ins nächste Dorf zu gelangen. Es dauerte zwei Stunden, bis ich dort ankam. Wie Veronique gesagt hatte, fand sich auch hier nicht viel, aber zumindest ein paar Häuser. Ich erklärte meine Situation, und umgeben vom Duft einer gerade im Ofen bratenden Gans telefonierte der Bauer nach einem Wagen, der sogar innerhalb einer Viertelstunde eintraf. Ein älterer Herr im Blaumann entstieg ihm.

„Nach einem Abschleppwagen sieht das aber nicht aus“, bemerkte ich verwundert.

Er winkte ab. „Wahrscheinlich brauchen Sie auch keinen. Lassen Sie mich nur machen. Bei uns hier bleiben öfter Wagen wegen der Kälte liegen. Das kriege ich schon wieder hin.“

Ich schmunzelte. Männer waren oft so überzeugt von ihren Fähigkeiten. „Wenn Sie meinen“, sagte ich und stieg ein. Entgegen meiner Erwartung konnte er sein Versprechen jedoch tatsächlich halten. Es dauerte keine halbe Stunde, da sprang mein Auto trotz des kalten Wetters mit Hilfe eines Überbrückungskabels und seiner geschickten Hände an und ging auch nicht wieder aus. Ich dankte ihm herzlich und bat ihn um den Preis für seine Dienste.

Als er noch überlegte, fragte ich: „Kennen Sie das kleine Haus ein Stück weiter hier herunter an der Straße? Wer wohnt dort? Wem gehört es?“

Er hörte auf zu rechnen und sah mich erstaunt an. „Welches Haus?“

„Na, da unten, bei dem grünen Schild. Ich bin gestern abend sicher mindestens eine Stunde gelaufen, um es zu erreichen.“

„Ach das“, meinte er. „Das ist unbewohnt. Das steht schon seit ewigen Zeiten leer.“

„Leer?“ Jetzt sah ich ihn erstaunt an. Er mußte sich irren. Gestern war das Haus nicht leer gewesen. Mir kam eine Idee. „Sie meinen, es ist nicht ständig bewohnt. Eine Dame aus der Stadt hat es als Wochenendhäuschen gemietet oder so etwas.“ Er sah mich tadelnd an. „Junge Frau, meinen Sie, ich würde Märchen erzählen? In meinem Alter? Seit ich das Haus kenne, ist es unbewohnt. Und niemand hat es gemietet. Soviel ich weiß, gehört es immer noch der Gemeinde, weil nach dem Tod der Besitzerin keine Erben da waren.“

„Und wie lange kennen Sie das Haus schon?“ fragte ich hoffnungsvoll. Es mußte sich doch um einen Irrtum handeln. „Seit ich geboren wurde“, erwiderte er unwillig, wohl mittlerweile davon überzeugt, daß diese Touristen aus der Stadt alle verrückt waren und er vielleicht nicht seine kostbare Zeit am Weihnachtsmorgen für eine von ihnen hätte opfern sollen. „Das Haus ist zweihundert Jahre alt, und es hat allen, die darin gewohnt haben, immer nur Unglück gebracht. Vor siebzig Jahren ist die letzte Besitzerin darin an Einsamkeit gestorben. Es war nie ein glückliches Haus. Man hätte es längst abreißen sollen. Aber niemand hat sich darum gekümmert.“

Vor siebzig Jahren? Wer war jetzt verrückt? Er oder ich? Ich war noch nicht einmal die Hälfte dieser Zeitspanne alt, und Veronique war es auch nicht gewesen. Aber jetzt erinnerte ich mich wieder: ihre Marlene-Dietrich-Hosen, heute so modern wie damals. Die alte Einrichtung, das Mobiliar, die Teetassen, der altertümliche Kessel in der Küche. Das Himmelbett. Wie ich es aus Filmen der 30er Jahre kannte. War das alles original gewesen? Und nicht wirklich?

Ärgerlich schüttelte ich mich, um den Spuk zu vertreiben. Das konnte einfach nicht wahr sein! Ich hatte noch nie zu realitätsfernen Träumereien geneigt; alles Unerklärliche war mir zuwider. Es mußte eine Erklärung geben.

Der Mann nannte seinen Preis, und ich bezahlte ihn plus eines anständigen Trinkgeldes. „Schöne Weihnachten noch“, sagte er, als er sich zu seinem Wagen umdrehte, „und sehen Sie sich das Haus ruhig an, wenn Sie daran vorbeifahren. Da wohnt niemand. Aber wenn Sie es kaufen wollen: Die Gemeinde ist sicher interessiert. Und teuer wird es wohl auch nicht mehr sein, in dem Zustand, in dem es ist.“

„Danke“, sagte ich, „ich werde es mir überlegen.“

Als er fort war, stieg ich in meinen Wagen und fuhr los. Die Stunde, die ich gestern abend gebraucht hatte, schmolz mit dem Auto auf Minuten zusammen, in denen ich das Haus erreichte. Und der Mann hatte recht gehabt: Kein Haus hätte unbewohnter aussehen können. Es war alt und grau. Einige Scharniere der Fensterläden hingen lose in den Angeln. Heute morgen, als ich es verlassen hatte, hatte ich nicht darauf geachtet. War es auch dort schon so gewesen?

Ich fuhr die Zufahrt hinauf, und wieder erfaßte mich das Bild Veroniques, wie sie heute nacht im Türrahmen gestanden hatte. Das war doch keine Einbildung gewesen! Ich hatte mit ihr Tee getrunken, sie geküßt, mit ihr geschlafen! Die ganze Nacht hindurch.

Aber nun, beim Anblick dieses Hauses, konnte ich es kaum mehr glauben. Hier hatte sicher schon seit Jahren niemand mehr gewohnt, ganz wie der Mann gesagt hatte.

„Veronique, wo bist du?“ flüsterte ich.

Von einem Baum in der Nähe rieselte Schnee. Es klang fast wie Veroniques leises Lachen aus der Ferne.

Ich stieg aus und ging zur Tür. Sie war verriegelt, vernagelt wie die Fensterläden. Nicht einmal hineinschauen konnte ich. „Was hast du mir nur angetan? Was war das heute nacht?“ fragte ich in die Luft hinein.

„Du bist hartnäckig“, sagte Veroniques Stimme. Sie klang, als ob sie ebenfalls aus der Luft käme. Verwaschen, nicht ganz klar. Wie ein Echo.

Ich wirbelte herum und versuchte, etwas zu sehen. Sie mußte hier irgendwo sein. Sie hielt mich zum Narren. Vielleicht versteckte sie sich hinter einem Baum und lachte sich ins Fäustchen. Und der alte Mann steckte mit ihr unter einer Decke. Aber da war nichts. Ich drehte mich wieder um. Das Haus. Das Haus konnte mich nicht belügen. Hier war niemand. Und es war auch niemand hier gewesen, für lange, lange Zeit.

Aber ich war hier! überzeugte mich eine innere Stimme selbst. Ich weiß doch, was ich getan, was ich erlebt habe. Das war doch kein Traum.

„Vielleicht doch“, schwebte Veroniques Stimme über mir.

Ich blickte hoch. Auch dort war nichts zu sehen als strahlendblauer Himmel. Kein Wölkchen trübte ihn. Der Schnee war gefallen und würde nicht so bald wiederkommen.

„Veronique“, sagte ich leise. „Veronique, bitte, wenn du hier bist, komm heraus. Du machst mir angst.“

„Ich bin nicht hier“, schwebte es als Antwort zurück.

„Aber Veronique ... was war heute nacht? Wir haben ... ich habe dich berührt. Du mußt hier sein!“ Langsam war ich schon fast verzweifelt. Was geschah mit mir? Wer erlaubte sich solch einen bösen Scherz?

Diesmal kam keine Antwort. Ich versuchte es noch einmal. „Veronique“, sagte ich leise, „ich liebe dich, ich kann nicht mehr ohne dich leben. Bitte, zeig dich.“ Ich begann zu lachen. „Okay, du hast mich verarscht. Aber jetzt ist es genug. Komm raus!“ Schnell drehte ich mich herum und versuchte, alles im Umkreis von 480 Grad zu erfassen. So schnell konnte sie sich nicht verstecken.

Aber ich sah nichts. Nur der Schnee rieselte erneut von einem Baum. Ich ging hinüber. Vielleicht war Veronique der Grund. Aber auch der Baum konnte mir keine Antwort geben. Es gab keine Fußspuren um seinen Stamm herum außer meinen, die nun neu hinzugekommen waren.

Langsam wurde es mir mulmig. Ich ging zu meinem Wagen zurück. „Veronique, ich komme zurück. Ich lasse mich nicht so einfach veralbern“, (ver)sprach ich in die eisige Winterluft hinein. Mein Atem blieb einen kurzen Moment stehen, bevor er sich verflüchtigte. „Und wenn es bis nächste Weihnachten dauern sollte. Du solltest dann besser auch da sein. Sonst kann ich sehr böse werden.“

Sie war zwar nicht der Typ für Drohungen, aber vielleicht nützte es ja was. Ich sah mich noch einmal um. Dann stieg ich ein und fuhr rückwärts aus der Einfahrt hinaus. „Weihnachten, ja Weihnachten. Weiße Weihnacht. Komm zurück“, wisperte es in den Bäumen. Mir erschien es wie Veroniques Stimme, mit dem amüsierten Unterton. Aber es war sicherlich nur Einbildung. Als ich auf der Straße stand, blickte ich noch einmal zum Haus hinüber. War da nicht eine Bewegung am Fenster? Nein, doch nicht. Langsam spielte mir meine Phantasie schon Streiche. Kein Wunder nach diesem Erlebnis.

Der Wagen brummte leise vor sich hin, aber ich konnte mich nicht von diesem verwunschenen Ort lösen. Denn das mußte er sein: verwunschen. Nichts von dem, an das ich mich erinnerte, war passiert. Ich mußte geträumt haben. Aber wo? Wo hatte ich die Nacht verbracht?

„Hier“, wisperte es, „bei mir.“

„Veronique!“ rief ich laut, aber ich konnte sie nicht sehen.

„Komm wieder“, wisperte es, „komm wieder, wenn es schneit. Weiße Weihnacht.“

Ich lächelte. Nun wußte ich, daß es wahr war. Wahr zumindest für mich, wenn auch für keinen anderen. „Ich komme wieder“, versprach ich. „Das nächste Mal, wenn es zu Weihnachten schneit.“

Ich fuhr los, und nur ganz leise hörte ich verwehende Worte hinter mir, über mir, vergehend mit dem Wind: „Ich warte auf dich ...“

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