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Sigrid Steiner: Bye, bye Deutschland ! Auswandern um jeden Preis

Sigrid Steiner

Eine wahre Begebenheit aus der illustren deutschen Subszene:

"Honi soit qui mal y pense", steht auf dem begehrten englischen Hosenbandorden, was auf deutsch etwa bedeutet: "Ein Schelm, der Böses dabei denkt"!
Und so ist es auch mit meiner Geschichte hier, die sich genauso zugetragen hat. Aus "Daten"- Schutztechnischen Gründen habe ich die Orts- und Personennamen selbstredend geändert. Wenn sich hier trotzdem jemand wiedererkennt, so ließ sich das beim besten Willen nicht vermeiden!

Berni B., von dem meine Geschichte hier handelt, hatte schon alles im Leben versucht und wollte jetzt eigentlich nichts anderes als seinen vorverlegten Lebensabend in der Dominikanischen Republik (vor den bösen deutschen Strafverfolgungsbeamten ) in Frieden genießen. BB - wie er sich gern von seinen Freunden, den echten und den Schlauchern, nennen läßt - begann seine "Karriere" auf Deutschlands Rummelplätzen, wo er mehr oder weniger erfolgreich, dafür aber durchaus drehbuchreif, mit Bären zu kämpfen pflegte, oder als Preisboxer auf den Brettern, die die Halbwelt bedeuten, sich die Nase eindreschen ließ. Und weil das finanziell nicht eben der große Durchbruch war, meinte er eines Tages, der große Trendsetter zu sein als er mit viel Sekt, der örtlichen Presse und einigen nicht mehr ganz taufrischen Filmdarstellern der zweiten - weil preiswerteren - Garnitur als Staffage, in München eine "Buhticke" - wie er sich auszudrücken beliebt - eröffnete. Nur hat wohl die daselbst angebotene Mode dem süddeutschen Zeitgeist nicht unbedingt entsprochen und vermochte wohl als Haute Couture gerade noch die Damen der sozialistischen Ostblockländer in Verzückung geraten lassen und begeistern, dann machte BB PLEITE!

Ungestillter Tatendrang trieb BB voran und so wurde denn eines Abends mit kaltem Buffet vom Feinkost-Käfer - nur für geladene Gäste, versteht sich - eine sogenannte Edel-Disco auf Pump eröffnet! Sie sollte nun endlich die ganz große Gage bringen. Unser Freund hatte die Rechnung ohne die örtlichen Paten jener sizilianisch-organisierten Zitronenschüttler gemacht. Mal stank es in der Disco permanent nach Buttersäure, die sich auch nach Monaten trotz peinlichsten Bemühens um Sauberkeit noch in den Teppichböden bemerkbar macht und selbst den hartgesottensten Gast vergraulte. Mal waren sämtliche Toiletten mit Gipstüten zubetoniert. Nein! Es war schon ein Streß und Graus mit der geliebten Disco! Und weil Berni nicht - wie Pizzabäcker, Eisdielenbesitzer und andere Discos - die ortsüblichen "Schutzgebühren" bezahlen wollte, auch nichts vom sizilianischen Gesetz des Schweigens - der OMERTA - wußte und verstand, sondern im Gegenteil einen südländischen "Inkasso-Beamten" mit dem linken Ohr, zur Gaudi der Münchner "Schickeria" und zur Abschreckung der Mafia an die hölzerne Eingangstür der Disco nagelte, brannte das so hoffnungsvoll gestartete Unternehmen eines Nachts aus und ab. Die Versicherung zahlte mangels rückständiger Beiträge auch nichts und so stand BB wieder da, wo er begonnen hatte.

Doch nach weiteren Schnapsideen und Mißerfolgen hatte BB dann bei dem von ihm favorisierten Chivas Regal die zündende Idee! "Wer suchet, der findet", steht geschrieben und BB begann mittels Big-Show - das hatte er ja auf dem Rummelplatz gelernt - nach der bekannten Form des Schneeballsystems, schöne bunte Duftwässerchen bis in die entlegensten Hütten der EG bei Barkasse zwecks Weiterverkauf zu stapeln. Da muß er ganz ohne Zweifel großen Erfolg gehabt haben, der gute Berni, denn, wenn sich der geneigte europäische Leser genau erinnert, rochen alle Teenies und Putzfrauen zwischen Gran Canaria über Ibiza bis in die kleinste Schmuddel-Disco von Freilassing Anfang der 80-iger Jahre nach der gleichen Duftnote.

In Bernis noch lackfrischen Kassen sammelte sich bald soviel Bares an, daß man dazu überging zuerst nurmehr volle Tausender, später dann volle Millionen zu zählen. Der obligatorische Lear-Jet, das halbe Dutzend Edelkarossen, die Villa in Grünwald bei München mit Pool! Die goldenen Cartier-Kettchen um den kunstvoll gebräunten Hals, die Brillanten-Rolex und alle sonstigen Accessoires eines echten Neureichs machten die Grenzen zum Zuhälter-Image fließend! Man lebte eben und ließ leben! Und wo Berni abends im Reigen von jeweils mindestens 20 staubigen Brüdern und Schwestern auftauchte, da war high-live angesagt. Man ließ die Puppen tanzen bis die Beine qualmten!

Es muß wohl des Guten etwas zuviel gewesen sein - bei allem Respekt vor Bernis angestautem Nachholbedarf -, denn die Herren vom Fiskus begannen neidvoll aufmerksam zu werden und sich schon bald die Krallen der öffentlichen Hand zu wetzen! Man kennt ja die Mißgunst jener kleinkarierten Figuren, denen der Kohlsuppenmief von Zuhause bis in die Amtsstuben folgt, das Angesicht grau gemalt und mit jenen Falten versehen hat, die an den Basset von nebenan erinnern. Neid - so sagt man - beflügelt zuweilen zu Hochleistungen und fast schon krimineller Energie. Dazu kommt noch, daß jeder Steuerfahnder nun mal vom ganz großen Fisch träumt, mit Beförderung so außer der Reihe zum Vorgesetzten der miesen Kollegen, mit denen man das Amtszimmer, die Schreibmaschine und auch noch das Toilettenpapier (bis A 12 einschließlich, einfach) teilen muß.

BB`s Bares wurde - immer schon gesplittet - auf schalldichten Nummernkonten im Kleinwalsertal bei der Hypo Hirschegg, in Österreich, der Schweiz und in Luxemburg fein säuberlich mit System und Akribie gestapelt, während sich unbemerkt dunkle Wolken an BB`s Glückshimmel anzureichern begannen. Immer neue Seilschaften des Finanzamtes und schon bald auch der Staatsanwaltschaft, Abteilung Wirtschaftskriminalität, begannen sich um die Firma unseres Helden zu tummeln, wie die Straßenköter um jenes Anwesen, wo die flotte läufige Hündin wohnt. Für die Krieger der Finanzfahndung und Staatsanwaltschaft war Berni kein unbeschriebenes Blatt und man glaubte doch endlich, ihn jetzt packen zu können. Und umgekehrt konnte Berni die Herren mit dem einnehmenden Wesen ebenfalls nicht ausstehen, steht doch schon in der Bibel, daß man sich vor den Zöllnern und den Schriftgelehrten hüten solle. Und nur weil BB seine potentiellen Kontrahenten aus zuvor gemachten schlechten Erfahrungen bestens vorausberechnen konnte - Erfahrungen sind ja die gesunden Konsequenzen aus zuvor gemachten Fehlern -, war er bisher der Gefahr einer Untersuchungshaft, die wie das Schwert des Damokles über ihm schwebte, entgangen! Sei es wie es sei, das Geldscheffeln wurde für unseren "Newcomer" langsam, aber sicher zum Tanz auf dem Vulkan! Aufgrund seiner einschlägigen Erfahrungen mit Beamten, gelang es BB jedoch immer von Neuem, diese an der Nase herumzuführen, wobei die anwaltschaftliche Beratung aus der Trickkiste jenes juristischen Zauberkünstlers und tele-geilen Paragrafenprofis aus der Münchner Innenstadt bereits 6 - stellig zu Buche schlug. Nachdem die staatlich-lizenzierten Geldeintreiber ein erstes Erfolgserlebnis verbuchen konnten, indem es ihnen gelang ein kleineres Konto in Liechtenstein abzuräumen, weil dort das Bankgeheimnis mittlerweile so zerlöchert ist, wie der Käse, den die "Meineidgenossen" produzieren, begann die Angelegenheit brenzlig zu werden, wenn auch das kleine Milliönchen unserem Freund weniger weh tat. Eine allgemeine Verunsicherung und Ungemütlichkeit begann sich breit zu machen.

Die Anwälte - mittlerweile ein halbes Dutzend - kassierten wie die Geier. Der Transfer der immer noch reichlich fließenden Millionen ins sichere Ausland wurde auch immer schwieriger, die Wege die das Geld nahm immer verschlungener. Gesetzlich wurden die Kosten für Bernis segensreiche Tätigkeit immer höher und standen bald in keinem gesunden Verhältnis mehr zu den Einnahmen. Da mußte auch noch jene hohe Summe hinterlegt werden, damit der neue Haftbefehl außer Vollzug gesetzt werden konnte. Usw. Usw. Berni mußte letztlich reuevoll Kooperation und Zahlungsbereitschaft signalisieren: "Sie wollen doch die Kuh nicht schlachten, die Milch gibt?" Nein - das wollte man natürlich nicht.

Immer mehr begann echter Streß das Leben von Berni lust- und wertlos zu machen. Frust kam auf, aber keine Freude mehr. Nach der ihm eigenen Logik machte Berni das Beste aus der verfahrenen Situation. In einer filmreifen Nebelaktion räumte er gekonnt alle Konten ab, machte Kassensturz und verschwand, nachdem ein auf Doppelgänger getrimmter arbeitsloser Schmierenkomödiant die vor BB`s Villa lungernden Beschatter abgelenkt und voll beschäftigt hatte. Berni hatte einstweilen gewonnen und wollte mit dem sauer Eingemachten - wie gesagt - seinen vorgezogenen Lebensabend in Ruhe verbringen.

Einige staatlich besoldete Herren wurden nach Hintertupfingen ins Zonenrandgebiet versetzt indem man sie "weglobte" und versehen da heute noch mürrisch - murrend, grantelnd und mit dem Schicksal hadernd, minderwertige Stempel- und Tintenkleckserdienste. Der Traum vom "großen Fisch" war zerronnen, wie Langnese-Eiscrem im Microwellenherd. Bekanntlich ist ja Sankt Frustus der Schutzpatron in ländlichen Amtsstuben!

In der glitzernden Subkultur einer verträumten Tropeninsel begann BB bei Tangas und Teenies darüber zu befinden und zu meditieren, welches der globalen Sicherheitsrefugien für ihn wohl als Schlupfloch das sicherste sei.

So schwebte er denn eines Tages über dem internationalen Flughafen - hoffnungsvoll in das Land seiner Wahl - Dominikanische Republik - ein. Und weil mehrstellige Dollarmillionen gut gebündelt im schicken Samsonite ein sanftes Ruhekissen bedeuten, sah unser Held der Zukunft an sich gelassen entgegen. Gut getimet zogen ihn ein paar Profis geschickt, gekonnt und unkontrolliert durch den Zoll. Ein neues Leben konnte beginnen.

Nur - was tun, sprach Zeus? Schon im Flugzeug hatte sich BB bei Chivas darüber Gedanken gemacht, was man denn so in der Dom.Rep. so anstellen könne. Denn gar nichts tun - das kam nicht infrage, das war auch nicht Bernis Art!

Wohl auch wegen des reichlich im Flugzeug genossenen Whiskys wollten seine Gedanken nicht so recht die richtigen Konturen annehmen. Aber dann! Auf der Fahrt vom Flugplatz in die Stadt kam die richtige Idee, wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel! BB hatte auf dem grünen Mittelstreifen der Fahrbahn - wie hierzulande üblich - Rindviecher weiden sehen. Er begann schreiend zu lachen, so daß der entgeisterte Chauffeur aufmerksam in den Rückspiegel sah. Nach eigenem Bekunden hatte sich unserem Berni folgende Denkschiene aufgetan:"Indien hat heilige Kühe, meine Heimat in den Beamten heilige Ochsen. Und diese habe ich so eingehend studieren können und müssen, daß mit einer Rinderfarm eigentlich nichts mehr schief gehen kann!"

BB muß wohl wieder einmal den richtigen Riecher gehabt haben, denn seine Finca hatte sich in kurzer Zeit zum sagenhaften Musterbetrieb gemausert. So hätte er eigentlich mit seiner einheimischen Frau die mittlerweile vier kleinen braunen Chaoten aufziehen können, wenn nicht, ja wenn ihn nicht wieder der Hafer gestochen hätte!

Und das kam so: Die Dominikanische Republik ist ja schön und hat durchaus ihre Reize! Aber BB wurde einfach wieder alles zu langweilig. Tagaus-tagein, immer die bekleckerten Rinderschwänze vor dem Fenster sind ja auch nicht die wahre Aussicht. Und gerade jetzt! In Europa wird es jetzt wieder Sommer! Die alte Clique versammelt sich wieder in Ibiza - diesmal ohne Berni -! BB wurde richtig heiß und bekam sein alljährliches mediteranes Fieber. BB wurde richtig heiß bei dem Gedanken, jetzt in Ibiza sein zu können! Da lag auch noch das schöne Boot. Mit den alten Kumpels saufen! Und..., na, Sie wissen schon. Nein! BB mußte weg von hier! Sofort weg! Sofort reisen! Endgültig! Jetzt und sofort! Ab also, in die Hauptstadt und ein Ticket kaufen! Jetzt sofort! Was sein muß, muß sein! Auf Kameraden, allez hopp!

In Santo Domingo gab es im Moment aber keinen Flug. Alle Flüge waren ausgebucht! Und ein "stand-by", nein das war nicht Bernis Stil! Aber es gab kein Ticket in der jetzt beginnenden Hauptsaison bei den wenigen Maschinen. Alles war ausgebucht, ausgebucht auf 5 Tage!

Betrübt setzte sich BB in ein deutsches Lokal. Er begann gelangweilt und betrübt in einer Deutschen Zeitung zu blättern. Da! Es traf ihn fast der Schlag! Er las die Anzeige zum 4. Mal. Da bot doch tatsächlich ein Belgier einen Rückflug nach Brüssel an, in drei Tagen! Ein Telefon zur Kontaktaufnahme war ebenfalls angegeben. Man rief sich zusammen und der freundliche Herr van den Plaas schleuste BB, nachdem er sich selbst eingecheckt hatte - in der Dominikanischen Republik geht das - durch die Kontrolle in den Warteraum! Jetzt war die Welt wieder in Ordnung für BB. Denn wie konnte es auch anders sein? Ein Sonnyboy, wie er hatte eben immer Glück. Glaubte er!

Den Flug nach Brüssel überstand Berni bei viel Whisky, wie im Traum. Als er in Brüssel aber die Gangway verlassen wollte, wunderte er sich über die vielen Polizisten dort. Das Empfangskomitee kann ja nicht für mich sein, dachte er noch, als auf einen unauffälligen Wink der Stewardeß hin die Bullen sich auf Berni stürzten und ihn verhafteten, was frankonische Gendarmen in der Regel etwas brutaler als die deutschen zu tun pflegen! Auf Bernis Bordkarte stand ja der Name des Herrn van den Plaas. Und der wurde in Belgien wegen eines Diamantendiebstahls in Antwerpen gesucht, was der freundliche Belgier dem guten BB natürlich verschwiegen hatte. Sonst hätte er ja kein Geld für sein Rückflugticket bekommen. Er hatte das in Anbetracht der winkenden tausend DM natürlich schamhaft verschwiegen.

Berni versuchte zu retten, was zu retten war. "Nein! Mein Name ist Bernhard Berner! Hier ist mein dominikanischer Paß! Ich bin Bürger der Dominikanischen Republik! Hier ist der Beweis! Sehen Sie denn nicht? Können Sie nicht lesen?"

Es half nichts, je lauter Berni lamentierte und schrie, um so sturer wurden die Beamten! Es half wirklich nichts. Er mußte mit zur Wachstube, zur endgültigen Identifizierung. Dort fand man beim Filzen auch noch seinen deutschen Paß! Trotzdem wäre fast noch alles gutgegangen, wenn nicht ein alter erfahrener Polizist plötzlich auf die Idee gekommen wäre, am Interpol-Computer zu spielen! Ihm kam die ganze Geschichte nämlich spanisch vor. Und siehe da! Die deutsche Polizei wollte Berni gern zu einem Gespräch in München haben. Er wurde gesucht! Protest hin, Protest her. Berni wurde nach Deutschland verschubt, wie es so schön im Amtsdeutsch heißt!

Heute sitzt Berni irgendwo in Deutschland hinter Gittern und atmet jene oft beschriebene, gesiebte Luft. Und weil er einen Hang zur großen Welt hat, das wissen die Knastwärter, darf er damit kein Frust aufkommt, jeden Tag ein Tütchen Salz, ein Tütchen Zucker, ein Tütchen Pfeffer, einen kleinen Plastiklöffel, einen großen Plastiklöffel, eine Plastikgabel und ein Plastikmesser zusammen in einer Plastiktüte einschweißen - für eine bekannte Luftfahrtgesellschaft - versteht sich! Und das 2.000 mal pro Tag!

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