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Sigrid Steiner

Michael und der Himmel

Michael blickt nachdenklich zum Himmel hoch. Dann rückt er etwas umständlich seine Brille zurecht und schaut mir unvermittelt direkt in die Augen.
"Ich wüsste so gerne wie es im Himmel ist!" Keine Frage. Vielmehr klingt aus seinen Worten etwas wie Sehnsucht. Betroffen setze ich mich im Liegestuhl auf und versuche seinem klaren und offenen Blick Stand zu halten. Ich bin doch überrascht, dass er mich einfach so angesprochen hat und weiß nicht, was ich ihm antworten soll.
Da redet Michael schon weiter und deutet mit ausgestreckter Hand zum Himmel. Seine Mama sei schon seit einiger Zeit da oben. "Die wohnt jetzt da." Und wieder geht Michaels Blick, in dem eine Mischung aus Neugier und freudiger Erwartung liegt, hoch zum Firmament. Etwas an der Art dieses Mannes rührt mich tief drinnen. Ich schätze ihn auf Ende Dreißig, er könnte aber auch einige Jahre jünger oder älter sein. Langsam dreht er sich um und diesmal ist es seine Badehose deren Sitz er korrigiert.
Ich sitze noch immer schweigend da und lächle Michael nur an. Umständlich beginnt er an seinem Liegestuhl zu rücken - etwas näher an meinen, fast unmerklich, immer in Bewegung. Dabei schaut er mich fragend an. Fast so, als erwarte er nun doch eine Antwort auf seine nie gestellte Frage. Mir fällt einfach nichts ein, was ich diesem besonderen Geschöpf sagen könnte. Es wäre alles viel zu trivial, das spüre ich genau. Lange sehen wir uns nur schweigend an. Es bedarf keiner Worte mehr. Unsere Kommunikation findet längst auf einer anderen Ebene statt. Gemeinsam schauen wir zum tiefblauen Himmel, eins in unseren Gedanken.
"Michael, Mama passt auf dich auf, das weißt du doch." Es ist der Vater, der sich anschickt Michaels Rücken, mit Sonnencreme zu bearbeiten. Langsam neigt Michael seinen Kopf. Dann nickt er. "Ja Papa, ich weiß, Mama ist immer für mich da. Sie ist ja nur umgezogen in ein größeres Haus." Und wieder scheint sich sein Blick in der Endlosigkeit des Himmels zu verlieren. Dann auf einmal leuchten seine Augen auf. "Ich habe Mama gesehen, sie sagt, sie wird mich bald holen kommen. In ihrer Wohnung ist viel Platz, auch für mich." Michael strahlt. Zufrieden breitet er sein Handtuch auf der Liege aus, zupft es ordentlich zurecht und rückt, wie unabsichtlich, wieder ein Stück näher.
Dann nimmt er seinen großen Schwimmreifen und macht sich auf den Weg zum Pool. Das glasklare Wasser spiegelt sich in seinen schönen blauen Augen wieder. Im Wasser, da fühlt er sich gut. Es ist so weich und streichelt ihn sanft. So wie Mama das früher immer gemacht hat. Auch seine Glieder schmerzen weniger im Wasser. Alles geht ganz leicht. Er braucht weder den Stock, noch die klobigen Schuhe, die ihm an Land das Gehen erleichtern sollen. Michael genießt es sich nur schwerelos treiben zu lassen. Der Wind kräuselt sanft die Oberfläche des Wassers.
Wenn niemand herschaut, lässt er heimlich etwas Luft aus seinem Reifen. Dabei zwinkert er verschwörerisch zum Himmel hoch.
Bald, denkt er, bald schon werde ich wissen wie es da oben aussieht.

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