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Sigrid Steiner

L e b e n - "smitte"

"Smitte" ist da! Zugegeben, so ganz unerwartet kam sie ja nicht, weil ich mich in letzter Zeit immer wieder - sogar ganz eingehend - mit ihr befasst habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich meine Perspektiven verändert haben und ich begonnen habe Prioritäten neu zu setzen. Und das Auffälligste dabei war, dass mich inmitten des größten Trubels plötzlich Gelassenheit überkam. In diesem Zusammenhang, ein für mich völlig neues Gefühl. Stets auf der Überholspur, immer im Gerangel mit der Zeit…und dann das.
Jetzt wo "Smitte" da ist - sagt man mir von allen Seiten - ist Veränderung angesagt, sozusagen Programmwechsel. Zeit Bilanz zu ziehen. Neuorientierung und Umbruchphase, tituliert es meine neue Bekanntschaft.
"Smitte" hat recht. Es juckt mich schon seit längerer Zeit, verschiedenen Dingen in meinem Leben eine neue Laufrichtung zu geben. Alles schon viel zu sehr eingefahren. Vielleicht ist ja jetzt der mittige Zeitpunkt dafür?! Orientierungslosigkeit? Nein, das passt nicht zu mir!
Der Weg ist schließlich das Ziel, das schon… aber gehen muss ich ihn halt, gibt mir "Smitte" zu verstehen. Allmählich mausert sie sich zur brauchbaren Gefährtin. Die Ressourcen, ja, ja, sie sind halt auch nicht unerschöpflich. Damit haushalten muss ich anfangen, dann klappt es. Vorbei die Zeit des permanenten Auspowerns. Das war gestern. Ab heute wird alles anders, sage ich mir und grinse dabei, hoch erhobenen Hauptes, meinem Spiegelbild frech zu. Kritisch mustere ich mich von Kopf bis Fuß und das Ergebnis ist mehr als zufrieden stellend. Ok, die kleinen Speckröllchen um die Leibesmitte und vielleicht ist der Busen nicht mehr so straff wie vor 20 Jahren, aber immerhin was ich sehe gefällt mir. Hungerkünstler waren mir schon immer unsympathisch. Bringen sich doch um zweierlei. Erst um den Genuss guten Essens und danach auch noch um die eigene Weiblichkeit. Oder ist es wirklich erotisch und anziehend, wenn man beim Gehen tscheppert. Mag sein, aber ich bin stolz auf meine Kurven. Da ist wenigstens etwas da - zum Anhalten, wie mein Paul immer so schön sagt, wenn er wieder mal besonders anlehnungsbedürftig ist. Ja, es ist wahr, ich sehe mich mit neuen Augen und die Welt auch. Kampfgeist gegen Gelassenheit, ein guter Deal. Konfliktbereitschaft? Muss sein, sonst wäre ich`s nicht - aber in erster Linie zur Lösung meiner eigenen. Aber….hab` ich denn jetzt, wo ich dabei bin mein Leben aufzuräumen, überhaupt noch welche? Sicher, werden schon kommen, da bin ich voller Zuversicht. Anders wäre es auch langweilig, da fehlt dann einfach der Kick und ich müsste wieder in mein altes Leben zurückkehren und mir wie bisher, die Probleme meiner Mitmenschen aufladen. Da bin ich Profi. Also lieber öfters kritisch in den Spiegel gucken und "Smitte" um Rat fragen.
Die Pillen, die mir mein ärztlicher Beistand letzte Woche, mit wissendem Lächeln, in die Hand gedrückt hat - ein Ärztemuster - liegen längst im Müll. Wer braucht das denn? Ich jedenfalls nicht. Ich kann gut mit "Smitte", jeden Tag ein bisschen besser. Oft sitze ich nur da und spüre mich. Das ist ein tolles Gefühl und eben völlig neu. Aber auch aus jeder Auseinandersetzung mit meinem Ego, gehe ich gestärkt und mit einer kräftigen Portion Energie heraus. Selbstvertrauen, nun ein gewichtiger Aspekt in meinem mittigen Leben.
Gestern habe ich es getan. Bin vor meine Familie getreten und habe meine Zukunftsvisionen vor ihnen ausgebreitet. Melanie, meine Tochter, hat sofort "Smitte" dafür verantwortlich gemacht, dass ihre Mutter jetzt so plötzlich aus dem Rahmen kippt. Mein LAP, Paul, bekam immer größere Augen und sein Kinn entwickelte eine seltsame Eigendynamik. Er nickte immerzu. Ich hatte Mühe nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Die Situation war aber auch zu komisch. Wie erwartungsvoll mich beide angesehen haben - was denn da nun kommen würde? Gut, Fakt ist, ich habe mich neu organisiert. Das dieser Um- oder Zustand auch Veränderungen in meinem direkten Umfeld mit sich bringt, ist nicht zu verhindern. Und ich ahne es bereits. Kein Stein wird mehr am anderen bleiben. Man wird sich darauf einstellen müssen.
Eine Frage der Zeit? Ja, auch. Zeit für mich! Jedes Wochenende Babysitten ist abgesagt. Drei Mal die Woche für Pauls Freunde die tolle Gastgeberin zu mimen? Ebenfalls ersatzlos gestrichen. Dafür gibt es Caterings, lache ich in sein staunendes Gesicht. Außerdem werde ich reisen, mir die Welt einmal außerhalb meiner vier Wände ansehen. Ja meine Lieben, mit mir ist also in nächster Zeit nicht zu rechnen. Kaum habe ich meine Vorstellung beendet, tun mir die Beiden auch schon wieder leid. Betreten, so als wüssten sie nicht wie ihnen gerade geschieht, sehen sie sich schweigend an. Trotzdem ich bleibe dabei, verspreche aber einmal im Monat nur für sie da zu sein.
Später höre ich Paul und Melanie etwas von "Midlife-Krisis" tuscheln. Ich sehe es anders. Nur weil ich beschlossen habe künftig die Punkte anders zu vergeben, habe ich noch lange keine, wie auch immer geartete, Krise. Eine Sache der Wertigkeit die ich Dank "Smitte" nun endlich erkannt habe. Ach ja, "Smitte", die Gute, die habe ich trotz ihrer ständigen Anwesenheit, schon ganz vergessen. Ihr allein, gebührt der Platz in meiner Mitte. Sie, als der Spiegel meiner Seele.

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