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Sigrid Steiner

Den Teufel im Leib

Der schwache Schein der Kerze verlieh dem winzigen mit Götzen vollgestopftem Raum etwas Unwirkliches, beinahe unheimlich An-mutendes. Der weißhaarige Macumbero kniete vor dem wuchtigen mit Tüchern verhängten Altar und murmelte Unverständliches. Durch seine Hände ließ er ein mit Perlen, Steinen und Federn bestücktes Band gleiten. Dieses Ritual wiederholte sich immer und immer wieder, ehe ein markerschütternder Schrei die Stille durchbrach...


Pedro, der Macumbero von Ypacarai, so wird er genannt. Sein richtiger Name ist schon vor vielen Jahren in Vergessenheit geraten. Diesmal war es ein kleiner Junge von geschätzt 5 Jahren der seiner Hilfe bedurfte. Exorzismus. Auf diesem Gebiet gilt er als absolute Koryphäe. Weit über die Landesgrenzen Paraguays hinaus weiß man von seinen Fähigkeiten. Unterscheiden sich seine Praktiken doch so explizit von denen seiner Konsorten. Ein wildes Aufbäumen ging durch den schmächtigen Körper des Knaben, der unbkleidet und an Händen und Füßen festgebunden, vor ihm am Altar lag um gleich darauf in einem Schluchzen sein Ende zu finden. Etwa seit einem Jahr hatte ein Dämon, wie es Pedro ausdrückte, Besitz von der leiblichen Hülle des Jungen ergriffen und nun galt es das Böse zu bekämpfen und zu besiegen. Es war nicht die Stimme des Buben, die nun unartikulierte Laute aus seinem Mund dringen ließ. Tief und rauchig, klang sie und ich konnte es nicht verhindern das mir kleine Schauer über den Rücken liefen. Obwohl ich kein Wort verstanden hatte, ging plötzlich etwas Bedrohliches von dem Kind aus. Etwas das allen Umstehenden sichtlich Unbehagen bereitete. Das Licht der Kerze begann wild zu flackern ehe ein kalter Luftzug an uns vorbei durch den Raum zog und das Licht gänzlich erlosch. Ich drückte mich an die Wand, so als böte sie mir Schutz. Nun geriet Pedro in Ekstase, beugte sich tief über den Körper des Kindes und wurde gleich darauf mit immenser Wucht zurück geschleudert. Und wieder stieß der Junge kehlige Laute aus, die einem das Blut in den Adern zum Gefrieren bringen konnten. Im Raum war es nun stockdunkel und eisig kalt. Niemand wagte es die Kerze neu zu entflammen. Pedro schien tiefer und tiefer in Trance zu fallen, er hatte den Kampf mit dem Bösen aufgenommen. Der Junge wurde immer öfter von Krämpfen geschüttelt um bald darauf wieder kraftlos in sich zusammenzufallen.
Plötzlich ein markerschütternder Schrei, der nichts mehr menschliches an sich hatte. Ich suchte krampfhaft nach einem Streichholz um zu sehen was passiert war. Jemand entfachte die Kerze neu und dann sahen wir es alle. Pedro lag mit weit aufgerissenen Augen zusammengekrümmt vor dem Altar. Aus seinem Mund quoll weißer Schaum und es sah aus als wäre er tot. Einer der umstehenden Männer näherte sich ihm, konnte jedoch etwa einen Schritt vor ihm nicht mehr weiter. Eine unsichtbare Wand hielt auch die anderen davon ab sich Pedro anzunehmen. Ratlosigkeit machte sich breit und nackte Angst stand allen Anwesenden ins Gesicht geschrieben. Alle hatten wir uns so auf Pedro konzentriert und darüber den Jungen vergessen. Der aber sah uns nun mit großen Augen völlig desorientiert an. Jedenfalls schien es ihm so weit wieder gut zu gehen und wie es aussah war er wieder völlig ruhig und unterschied sich äußerlich durch nichts im Benehmen eines normalen 5jährigen.
Nun kam auch wieder Leben in Pedro. Ausgelaugt und völlig entkräftet zog er sich am Altar hoch. Als er den Jungen sah, trat ein merkwürdiger Glanz in seine Augen. Er nahm eine Flasche und beträufelte das Kind vom Scheitel bis zur Sohle mit einer übel riechenden Flüssigkeit. Damit schien der Bann gebrochen. Der Junge begann zu weinen und Pedro hatte wieder einmal seine Pflicht getan, wie er es selbst nannte. Er fühlt sich dazu berufen das Böse zu besiegen...

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