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Sigrid Steiner

Das Steh-Auf-Männchen

Erich K. will seiner lästigen Unterhaltspflicht in Österreich entkommen und beschließt seinen Wohnsitz still und leise nach Paraguay zu verlegen. Er hat schon viel gehört und gelesen über das Land, wo die Mehrheit der exotischen Früchte beheimatet ist und von den wunderschönen, gepflegten Gärten in denen die buntesten Papageien umherschwirren. Die Landessprache beherrscht er dank einiger absolvierter Volkshochschulkurse und so kann doch eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Viel Bares steht ihm allerdings nicht zur Verfügung und so leiht er noch Geld von diversen Freunden, ehe er auf Nimmerwiedersehen verschwindet. In Paraguay mietet er günstig ein kleines paraguayisches Häuschen, etwas außerhalb der Hauptstadt. Anspruchslos wie er ist, macht es ihm auch nichts aus, täglich den roten Sandboden im Wohnzimmer zu kehren. Erich F. ist rundum zufrieden. Bald schon trifft er seine, wie er meint, große Liebe in Gestalt einer rassigen dunkelhaarigen Einheimischen, namens Joana und wenig später wird Hochzeit gefeiert. Nachwuchs der sich schon bald ankündigt rundet das Glück ab. Joana betreibt eine Artesania (Töpferei) in Aregua. Eifrig bemalt sie die zuvor hergestellten Blumentöpfe und andere Tonwaren, um ihre Ware Touristen anzubieten die an den Wochenenden zum nahe gelegenen Ypacaraisee pilgerten. Erich K. hat damit nichts am Hut. Er lernt ein österreichisches Ehepaar kennen, das im nächsten Ort eine Parillada betreibt und dringend nach einem spanisch sprechenden Kellner sucht. Man ist sich rasch einig und Erich F. kann nun endlich auch etwas zum Lebensunterhalt seiner Familie beitragen. Das österreichische Ehepaar aber, ist nicht zufrieden mit den Einnahmen und beschließt sich wenig später aus dem Geschäft zurück zu ziehen. Da sticht Erich F. der Hafer und er sieht seine große Chance in der Übernahme der Parillada. Mit dem Besitzer wird ein Kaufvertrag aufgesetzt der Erichs Finanzschwäche sehr entgegen kommt. Als Anzahlung verlangt der nette Österreicher nur U$ 10.000,-- und der Rest wird in einer monatlich akzeptablen Ratenzahlung geregelt. Erichs Barschaft ist nun zwar restlos aufgebraucht, aber diese Chance auf Selbständigkeit kann er nicht auslassen. Er schuftet Tag und Nacht und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Lokal wird gut besucht und auch die vereinbarten Raten des Kaufpreises, überweist er regelmäßig auf das Konto des Österreichers den er seit Vertragsunterzeichnung nicht mehr gesehen hat. Alles läuft nach Erichs Geschmack bis zu jenem Tag, als plötzlich ein Paraguayer mittleren Alters die Parillada betritt und ihn zu sprechen verlangt. Das ist dann das Ende der Karriere von Erich F. Der Paraguayer kommt gleich zur Sache und stellt sich mittels Dokument als rechtmäßiger Besitzer der Parillada vor. Das österreichische Ehepaar habe den Betrieb von ihm gepachtet, aber nachdem er gestern über deren Ausweisung aus Paraguay informiert worden war, wollte er nun nach dem Rechten sehen. Erich F. fällt aus allen Wolken, muss aber einsehen, dass er wohl zu gutgläubig gewesen war. Das Geld ist futsch und der Paraguayer nicht bereit ihm die Parillada wenigsten zu verpachten. Erich F. packt seine Sachen und zieht noch am selben Tag aus. Das österreichische Ehepaar, zuhause wegen Betrugs gesucht, wurde am Vortrag von den Behörden des Landes verwiesen und ist somit für ihn auch nicht mehr greifbar. Aber Erich F. gibt nicht auf. Der Vorgarten der Artesania wird in Windeseile zu einem Gastgarten umfunktioniert. Aus der gesamten Nachbarschaft werden Tische und Stühle zusammengetragen, recht unterschiedlich in Form und Größe, geschmückt mit bunten Tischtüchern, ob nun geblümt oder kariert spielt dabei keine Rolle. Eine ausrangierte Kühltruhe mit Motorschaden steht im Garten. Mit dem Taxi holt Erich F. täglich einen riesigen Eisblock, um so seine Getränke und Speisen zu kühlen. Hamburgeria-Aregua nennt er seine Neueröffnung stolz und neugierige Gäste bevölkern bald den bunten Gastgarten. Aber lauwarmem Bier und halbverdorbenen Hamburgern kann Niemand etwas abgewinnen und so sitzt Erich F. bald ganz alleine zwischen den im Wind flatternden karierten und geblümten Tischen und wartet vergeblich auf Gäste, die sich mit Gewalt den Magen verderben wollen. Niedergeschlagen grübelt er nach neuen Geschäftsideen. Da fällt ihm ein, dass seine Frau ja unten an der Strasse noch ein kleines Grundstück besitzt, das sich gut für Gemüseanbau nutzen ließe. Wieder sind es Freunde aus der Umgebung, die ihn tatkräftig unterstützen und wenige Zeit später entsteht ein richtiger Gemüsegarten, der nun nur noch regelmäßig gegossen werden muss, um Früchte zu tragen. Später dann, wenn die Zeit der Ernte käme, würde er seine Ware am Marktplatz feil bieten. Alles wuchs und gedieh unter Erichs grünem Händchen, wie erwartet. Nun ist es aber der permanente Geldmangel, der fast jede noch so zündende Geschäftsidee zunichte macht. Der Gemüsegarten bleibt ohne Einzäunung, wird nur von einem dünnen Strick, hundert Mal verknotet, symbolisch abgegrenzt. Wenn wundert es also, dass angesichts der saftigen Grünes, bald die Rindviecher der Umgebung eines Nachmittags, ganz ungeniert den Gemüsegarten Erichs restlos abgrasen und zertrampeln. Als Erich F. dann abends aus der Hauptstadt zurück kommt, kann er nur noch den kärglichen Rest seiner Saat betrauern. Aber wie es scheint, wirft Erich F. so leicht nichts um und er stürzt sich sofort ins nächste Abenteuer. In Asuncion hat er einen Schweinezüchter getroffen. Er sei zu alt um sich noch ausreichend um seine Schweine kümmern zu können, so erzählte er Erich F. Dieser packt die Gelegenheit sofort beim Schopf und bietet seine Hilfe an. Der Schweinezüchter, alt und gebrechlich, freut sich über Erichs Angebot und wenn nicht wieder etwas dazwischen gekommen ist, dann hütet Erich vielleicht noch immer im Süden Paraguays schwarze Schweine

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