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Sigrid Steiner: Bye, bye Deutschland ! Auswandern um jeden Preis

Sigrid Steiner

Bauer Xaver

Bauer Xaver N. (54) aus Niederbayern hat eines Tages die Schnauze voll von Deutschland, verkauft seinen Hof mit allem Vieh und Gerät, denn er hatte von der Dominikanischen Republik nur "Gutes" gehört. Er macht alles zu Geld, um hier in seiner neuen Wahlheimat solide neu beginnen zu können. Er bringt alle Papiere, viel Geld und die echte Schaffenskraft des Pioniers mit. Er steht auch mit einer soliden eingesessenen Beraterfirma in Kontakt und so scheint alles gut anzulaufen - bis zu jenem "schwarzen Freitag"!
Xaver ist berauscht von den schönen dunklen Landestöchtern mit den verführerischen Samtaugen unter den dichten dunklen Wimpern. Unter dem Vorwand, er wolle sich noch etwas "die Füße vertreten und etwas für den Kreislauf tun", verdrückt er sich geheimnisvoll und landet auch prompt in einem deutschen "Lokal"! Ein Taxifahrer bringt ihn gegen viel zu viel Geld mit den Worten, "tu aleman, du deutsch?", dorthin. Hier ist er ein willkommenes Fressen zur fortgeschrittenen Abendstunde - für die herumlungernden und chronisch leeren deutschen Nichtstuer.
Zu allererst wird nach dem bekannten Strickmuster die ihn betreuende Firma schlecht gemacht. Es ist die Rede von Banditen, Gaunern, Halunken u. Betrügern. So die neidische Suffgemeinde. Der "Wirt", ein in Deutschland gesuchter Ganove, überbietet sich "uneigennützig" und der Alkohol fließt reichlich auf des Xavers Kosten. Das ganze Lokal säuft "natürlich" mit, denn so nette Leute, so was von hilfsbereit, hätte der Xaver nie und nimmer in der Dom. Rep. vermutet. Nach Überwindung der Hemmschwelle kommt Xaver dann bei 2 Promille zur Sache und fragt, wo er denn bloß so eine junge Frau kennen lernen könne? Aber ja, das ist doch gar kein Problem versichert man ihm hilfsbereit. Eine willige Dame ist schnell herbei geschafft, ein Anruf genügt. Ein verschwiegenes Kämmerlein bereitet der uneigennützige Wirt ebenfalls kostenlos und freundlich. Und während unser Freund so richtig "die aufgestaute Sau rausläßt", wie er später berichtet, säuft unten im Lokal die ganze Bande fleißig weiter. Auf Xavers Kosten, versteht sich!
Nach Mitternacht kommt Xaver dann endlich zurück in seine Unterkunft. Sternhagelvoll!
Am nächsten Morgen zahlt er dann ohne ein Wort der Erklärung seine Verbindlichkeiten in der Pension und verschwindet mit samt allen Koffern in einem vor der Tür wartenden Auto. Aus! Weg ist er! Keine Spur!
Er lässt sich von seinen neuen Freunden anderswo unterbringen und beraten. Da ist doch im Osten des Landes diese besonders günstige Rinderfarm mit Haus, allem Gerät und den 5.000 Rindern nebst Fleischabnahmeverträgen etc. Von einer Erbstreitigkeit und einem tragischen Tod sei die Rede und alles sei in Betrieb und mustergültig! Nur, bei dieser Größenordnung, da müsse schon ein echter Fachmann ans Werk!
Xaver, der Fachmann, wird immer heißer, sieht sich schon als Großgrundbesitzer! Da werden die Nachbarn drüben in der Heimat aber staunen. Soviel Land hat ja nicht mal der Fürst von Thurn & Taxis in Regensburg!
Bauer Xaver soll sich alles selbst anschauen und prüfen. Nur im Moment ginge das nicht, die Erben müssen erst in den Staaten benachrichtigt werden und anreisen! Aber natürlich werde man sich entsprechend bemühen. Bereits am nächsten Morgen sind die Erben zur Stelle! Nur das es sich dabei um ein altersschwaches Ehepaar handelt, dem man die stundenlange und anstrengende Fahrt von der Nord- an die Ostküste nicht zumuten könne. Aber das sei kein Problem. Uneigennützige Freunde werden gegen Erstattung der Treibstoffkosten bestimmt ihr Flugzeug zur Verfügung stellen.
Also fliegt man gemeinsam von Puerto Plata nach Osten. Nach etwa 35 Minuten Flugzeit deutete der Pilot plötzlich nach vorn! Aus dem grünen Busch tauchen saftig grüne Weiden mit vielen Rindern, ein schönes Wohnhaus im Kolonialstil, mit einem Schwimmbecken in leuchtendem Türkis, auf und der Pilot geht gekonnt etwas tiefer.
Nein, landen ist nicht möglich, die vielen Rinder erschrecken sonst, aber man könne ja auch aus der Vogelperspektive alles ohnehin viel besser anschauen. Mehrmals wird das Anwesen gekonnt umflogen. Xaver ist begeistert und sieht sich schon - wie in Dallas - auf der erhöhten Terrasse im Schaukelstuhl wippen.
Später steuert man nach Norden. Weiden, Rinder, Buschgruppen. Dann nach 10 Minuten Kurve nach Ost - Weiden, Vieh überall! Schwenk nach Süd. Überall dasselbe, Rinder und Weiden und so schön grün alles! Der Bauer ist verzückt! Das gibt`s doch nicht! Wahnsinn! Und das alles für nur 1.5 Mio. " Des is scho kauft !" Noch ehe das Flugzeug wieder in Puerto Plata landet ist man sich handelseinig.
Nun will der "freundliche Wirt" sein Eisen schmieden, so lange es glüht und die Funken sprühen! Bevor Xaver wieder einen klaren Gedanken fassen kann, sitzt er schon bei jener schönen Notarin, die ja auch noch so verführerisch auf Xaver blinzelt und ihn ganz "meschugge" macht. Und dieses eindrucksvolle Schild an der Tür! Der biedere Bauer kann sein Glück noch gar nicht so richtig fassen.
Auf einer klapprigen Schreibmaschine ist der Besitz schnell umgeschrieben. Es wird unterschrieben und Xaver N. zahlt! Cash, aus seinem Koffer auf den Tisch. 1.5 Mio.! Danach wird das Geschäft noch im Lokal vom "netten Wirt" tüchtig begossen!
So schnell hat man sich den Kauf nicht vorstellen können. Und die schöne große Finca zu diesem Preis! Xaverle hat es nun eilig und will schnell zurück nach Deutschland und der restliche Besitz daheim soll jetzt auch noch verkauft werden - im Hektarrausch!
Abschied von Xavers neuen Freunden auf dem Flugplatz. Feuchte Augen und ein fester Händedruck. Also dann, bis in drei Wochen. Die neuen Freunde und der "nette Wirt" schluchzen fast bühnenreif um die Wette und im Chor. In knapp einem Monat sind wir alle ja wieder beisammen! Dann hebt das Flugzeug ab und Bauer Xaver entschwindet zwischen den Wolken.
Es vergehen exakt 34 Tage, da klingelt bei dem zuvor verschmähten und grob beschimpften Makler die Türglocke. Xaver N., total verstört, steht vor der Tür. Er ist furchtbar betrogen worden! Kurz: Den "freundlichen Wirt" gibt`s nicht mehr! In dem Lokal baut man gerade um. Wo der Vorgänger geblieben ist, weiß niemand. Der Name ist ja wohl auch falsch!
Die glutäugige Notarin? Ebenfalls verschwunden. Nur vor der Eingangstür zeugen noch vier frische Löcher in der Hauswand von der Existenz der juristischen Lolita und ihrem imposant glänzenden Firmenschild.
Die nun einsetzenden Ermittlungen ergeben, dass nie eine Gaststätte an jenem Ort angemeldet war. Dass nie eine Notarin mit Namen F. im Notariatsregister geführt wurde. Dass das bezeichnete Grundstück überhaupt nicht existiert und die besichtigte Finca einem Anderen gehörtů.
Irgendwo an der Grenze zu Haiti, so erzählen die Leute, hausen einige wüste Alemanes (Deutsche). Sie sind den ganzen Tag "boracho" (betrunken) und rufen immer "Prosit Xaver"!
Näheres war jedoch nie zu erfahren! Und unser kluger Bauer bewirtschaftet heute im neudeutschen Osten einen Pachthof mit dem Geld seiner verkauften Häuser. Wenn er auf seine Karibik-Erlebnisse und Abenteuer angesprochen wird, dann schweigt er beharrlich!!!

Nun ist diese Begebenheit zwar nicht charakteristisch für die Dominikanische Republik und Land und Leute, aber es ist bezeichnend, was so alles passieren kann, wenn die Küken schlauer sind, als die Hennen!

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