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Robert Novotny

Peterchens Reise ins Wunderland

Gedankenversunken hockte Peter unter der alten Linde, vor seines Vaters Hof. Stumpf, ja fast traurig wanderte sein Blick über die Felder und Wiesen hinab ins Tal, bis hin zur Silhouette, der von dunklen Wäldern gesäumten Gebirgskette an der gegenüberliegenden Seite.

„Dort muss es sein“ dachte er. Ja, hinter diesen Bergen vermutete er jenes Wunderland, von dem Großmutter ihm so oft erzählt hatte. Eigentlich wollte er gar nicht weggehen – vom vertrauten Hof - mit all den Tieren, die ihm so sehr ans Herz gewachsen waren. Doch die Angst vor dem, was sein Vater ihm vorhergesagt hatte, war stärker. Wie waren doch seine Worte?
„Du wirst schon sehen, wenn du zur Schule kommst. Dort wird man dir deine kindischen Faxen schnell austreiben! Dort herrscht Zucht und Ordnung!“
Peter hob seinen Ranzen auf, blickte sich noch einmal um, holte tief Luft und schlenderte die staubige Landstraße hinab, dem Wunderland entgegen.

Nach gut einer halben Stunde, beschloss er zu rasten. Er holte ein Stück Speck aus seinem Ranzen, das er vorsorglich aus Mutters Speisekammer gestibitzt hatte, und setzte sich auf einen Stein. Während er so dahinkaute, hörte er aus der Ferne den Ruf eines Kuckuck´s. Obwohl ihm dieser Klang sehr vertraut war, hatte er noch nie so einen Vogel gesehen. Das Gefühl, etwas für immer versäumt zu haben, befiel ihn. Der Speck schmeckte plötzlich seltsam bitter.

Da passierte etwas Unerwartetes. Eine merkwürdige Staubwolke quälte sich rumorend den Hügel herauf. Sie kam näher und aus ihr schälte sich ein mit Sonnenblumen bemaltes Auto. Es hielt vor ihm und eine junge Frau sprang heraus. Sie steckte in einem knallroten Shirt, ausgewaschenen Jeans und Sandalen, aus denen bunt lackierte Zehennägel hervorblitzten. Jeder Zehennagel trug eine andere Farbe.

„Hallo du – kleiner Wanderer!“, rief die Fremde und ihre sanften Augen lächelten Peter warmherzig entgegen „ wohin des Weges?“
„Ins… ins Wunderland“ platzte der Junge heraus.
„Ins Wunderland?“ wiederholte sie überrascht - und beim nächsten Atemzug „ cool, echt cool von dort komme ich gerade. Ja, ich arbeite dort.“
„Du arbeitest dort und bist jetzt da? Darfst du das?“ staunte Peter.
„Aber natürlich“ schmunzelte sie „ niemand wird dort festgehalten “und weiter „hast Lust mit mir ein Lied zu singen?“
„Ja“ rief Peter erleichtert aus und klatschte vor Freude in die Hände.

Sie holte ihre Gitarre und ein kleines Buch aus dem Auto.
„Hier“ sagte sie; drückte ihm das aufgeschlagene Buch in die Hand und klopfte mit ihrem Zeigefinger bedeutungsvoll auf gedruckte Zeilen „der Text zu dem Lied.“
Peter nahm das Buch und senkte seinen Blick. „ Ich, ich kann aber nicht lesen “ murmelte er betroffen.
„Das ist aber schade“ antwortete sie; setzte sich neben ihm ins Gras und zupfte auf ihrer Gitarre „das kannst du sicher auch im Wunderland lernen – wenn du willst. “
„Im Wunderland? Glaubst du das geht?“ wollte Peter wissen.
„Klaro“ erwiderte sie überzeugt. „Und sogar viel mehr - soviel ich gehört habe“
„Cool“ sagte nun auch Peter und seine Augen begannen zu leuchten.

„Was hältst du davon“ meinte sie nachdenklich „wenn wir uns morgen früh hier treffen und du fährst einfach mit mir? Ich bring dich auch wieder zurück – wenn du möchtest.“
„Oh ja“ jauchzte Peter „ich fahre gerne mit.“
„OK, dann bis morgen früh“ lachte sie; stand auf, wuschelte mit ihrer Hand durch seine kurzen dunklen Locken, stieg in ihr lustig bemaltes Auto und verschwand ebenso rasch in einer Staubwolke, wie sie gekommen war.

Peter war glücklich. Er hüpfte, übermütig ein Lied summend, von einem Bein auf das andere, nach Hause. Dort überraschte er seinen kopfschüttelnden Vater mit besonders eifriger Mithilfe bei der Stallarbeit. Selbst der große Eierkorb, war Peter diesmal nicht zu schwer.

Am nächsten Morgen stand er sehr zeitig auf. Er wollte auf keinem Fall das vereinbarte Treffen verpassen. Doch ehe er sich davonmachen konnte, schnappte ihn Vater beim Kragen.
„Hier geblieben“ polterte dieser und hob ihn auf den bereitgestellten Pferdewagen. „Heut ist dein erster Schultag. Heut wird´s ernst!“ Und rumpelnd ging die Fahrt hinab ins Tal, geradewegs zur Schule.

Dort angekommen wurde Peter in ein Klassenzimmer gesetzt. Es waren viele Kinder da; etliche lustig, einige ängstlich, wenige aber auch traurig und zu ihnen zählte Peter. Er dachte wehmütig an sein gestriges Erlebnis und die Gelegenheit, die er verpasst hatte.

Die Tür des Klassenzimmers öffnete sich und ein würdevoll blickender Herr trat ein.
„Liebe Kinder“ verkündete er feierlich „heut ist euer erster Schultag und ich bin der Direktor hier. Ich möchte euch jetzt……“

Peter hörte seine Worte nicht mehr. Sein Blick hing an der eben eingetretenen Lehrerin, deren sanften Augen ihm warmherzig entgegenlächelten…

***

Gewidmet Vera Schmidt und Claudia Denk.
Volksschullehrerinnen an der Dr. Bruno Kreisky- Schule 1110 Wien.
Die besten und einfühlsamsten Lehrkräfte, welche bislang meinen Weg gekreuzt haben. Mögen noch vielen Kindern die Früchte ihres Wirkens zuteil werden.

Robert Novotny
Wien, am 15.06.2003

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