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Anthologie der Autoren 3 - FRIEDEN
44 Kurzgeschichten zum Thema Frieden
Herausgeber: Frohberger/Herbig
Hardcover
ISBN: 3-935982-37-2
290 Seiten
Preis: 13,50
Bestellen: http://web-site-verlag.de/index.php?func=books&sub=show&id=34
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Robert Herbig

Wie viele Schuhe braucht die Frau?

Es ist ja nicht so, dass ich mit meiner Frau nicht gerne einkaufen gehe.
Lebensmittel, Getränke oder auch mal ein Auto, okay.
Aber wart Ihr schon mal mit eurer Frau oder eurer Freundin Schuhe kaufen?
Da wird der normale Mitteleuropäer zwangsläufig zum Masochisten!
So viele Schuhe gibt es ja eigentlich nicht, denkt ein Mann, wenn seine Frau ganz beiläufig fragt, ob man denn nach dem Aldi-Besuch nicht gemeinsam kurz ins angrenzende Schuhgeschäft gehen möge.
Kann also so schlimm nicht sein.
Ich kenn das von mir. Gut, ich habe Schuhgröße 46, es ist nicht immer leicht, da was passendes zu finden.
Ich gehe in einen Schuhladen, schnurstracks zu den Herrenschuhen, ganz nach rechts die letzte Reihe, das sind meine vier Paar.
Davon nehme ich mir einen Schuh weg, probier ihn an, lauf drei Schritte, zieh ihn wieder aus, nehme den zweiten aus dem Regal, geh zur Kasse und schon bin ich wieder zu Hause.

Tja, und dann geh ich vor ein paar Tagen mit meiner Frau in ein Schuhgeschäft.
Und hier ging dann aber die Lucy ab!!
Als wir den Laden betraten, veränderte sich meine Frau. Sie mutierte innerhalb von zwei Sekunden von einer Frau zu einer Schuh-Amazone.
Sie wurde sofort um mindestens drei Zentimeter größer, ihre Augen funkelten, und glaubt es mir oder nicht, ihre Nippel wurden hart!
Beim Anblick der Schuhe hatte sie diesen verschleierten Blick, den sie normalerweise nur hat, wenn sie kurz davor, also ich meine, na ja, Ihr wisst schon, oder?
Katzengleich machte sie sich sofort auf zu den Pumps, die ganze Zeit hatte sie ihre weiblichen Konkurrentinnen fest im Blick. Und ich?
Ich trottete einfach demütig hinter ihr her.
Meine Frau hatte mit einem wahren Adlerblick sofort erkannt, welche Schuhe zu ihr und ihrer Garderobe passen und schwups, hatte sie alle vierzehn Paar schon in der Hand.
Okay, dachte ich, da wird bestimmt was dabei sein und freute mich auf die Sportsendung zu Hause!
Pustekuchen!
Denn auch etwa zwei Stunden später, als sich vor ihren Füßen ein Berg von Kartons stapelte, war ihre Gier nicht gestillt.
Es hat schließlich doch nur knapp drei Stunden gedauert, bis sie freudestrahlend passende Pumps gefunden hatte.
Obwohl, ich könnte schwören, genau das gleiche Paar hat sie schon zu Hause im Schrank stehen.
Als ich dummerweise eine entsprechende Bemerkung machte, schlugen förmlich Blitze aus ihren Augen.
"Die Pumps, die ich zu Hause habe, mein Schatz, die sind Pfirsichfarben und das hier ist ja wohl eindeutig Apricot!"

Da gibt's wirklich Unterschiede? Wo leb ich denn?

Dann stand sie bei den Sandaletten.
Eine junge, wohl relativ unerfahrene Amazone musste sie nur scharf ansehen, schon ließ die ein paar ... hm ... grüne(?) Schuhe wieder fallen. Bei einer etwa gleichaltrigen Konkurrentin wurde es dann doch etwas schwieriger.
Erst taxierten sich die beiden Megären mit Blicken, keine von den beiden wollte klein beigeben.
Und dann hörte ich nach mehr als 25 Jahre Ehe meine Frau zum ersten mal animalisch knurren, etwa so wie eine hungrige Wölfin, die ihre Jungen verteidigt!
Sie zog ihre Lefzen leicht nach oben, man sah ganz dünne Speichelfäden, zwischen ihren schneeweißen Zähnen.
Ihre Gegnerin hatte natürlich verloren, dem konnte sie wahrlich nicht standhalten, mir und allen anderen im Laden war das sofort klar.
Die "Andere" zog sich, den schlanken Hals zum Biss anbietend, langsam und mit niedergeschlagenen Augen zurück.

Mich beschlich jetzt doch so ein leises Gefühl des Stolzes, beifallheischend sah ich mich um, meine Frau war eindeutig die ungekrönte Königin des Schuhladens.
Ich hörte anerkennendes Murmeln von den anderen Amazonen ringsum, denn auch den anderen Schuhjägerinnen und eingeschüchterten Verkäufern beiderlei Geschlechts war das überlegene Verhalten meiner Frau aufgefallen.
Man beneidete mich!
Mich!
Zum ersten Mal in meinem Leben!
Erstaunt sah ich, dass meine Frau die Schuhe, um die sie gekämpft hatte, gar nicht beachtete, sondern einfach daran vorbeilief, ohne sie überhaupt eines weiteren Blickes zu würdigen.
Als ich ganz dezent nachfragte, warum sie die umkämpften Schühchen denn nicht mitnehme, meinte sie nur ganz lapidar:
"Dummerle, das war doch Größe 38, ich hab Größe 39! Und Umbra steht mir sowieso nicht!", und schüttelte nachsichtig lächelnd den Kopf.

Irgendwann war das Ganze dann doch überstanden, der Laden schloss, wir mussten mit nur sieben Paar Schuhen nach Hause gehen.
Dort erschöpft angekommen, erstaunte mich unser Sohn dann vehement, als ihm meine Frau stolz ihre Beute präsentierte und er mit nur einem einzigen Blick sagte: "Die Apricotfarbenen sind echt Klasse, Mutti!"

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