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Anthologie der Autoren 3 - FRIEDEN
44 Kurzgeschichten zum Thema Frieden
Herausgeber: Frohberger/Herbig
Hardcover
ISBN: 3-935982-37-2
290 Seiten
Preis: 13,50
Bestellen: http://web-site-verlag.de/index.php?func=books&sub=show&id=34
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Robert Herbig

Spaghetti literate

"Sie schreiben doch so Geschichten, oder?"

Ein Herr, etwa in meinem Alter, gut gekleidet, distinguiert nennt man so was wohl. Die Gabel bleibt auf halbem Weg hängen und bewegt sich langsam wieder nach unten.
"Äh, ja ... warum?" Meine Spaghetti sind gerade gekommen, ich bin ziemlich hungrig.
"Ist so was denn teuer?" Er sieht mich fragend an.
"Na ja, es kommt ganz darauf an, was sie denn genau möchten. Einen Roman ...?"
"Nein, nein, keinen Roman. Den könnte ich mir gar nicht leisten." Er erklärt es lachend.
"Also eine Kurzgeschichte?" Man ist ja als freier Autor dankbar für jede Einnahme.
"Eine Kurzgeschichte? Hm, wie kurz ist die denn?"

"Das liegt ganz an Ihnen. Wenn sie eine Kurzgeschichte von zwanzig Seiten wollen, bekommen Sie eine von zwanzig Seiten." Mit den Augen suche ich den Ober, damit er mir die Pasta noch einmal warm stellt.
Der Herr schüttelt den Kopf.

"Nein, zwanzig Seiten ist viel zu viel."
Mittlerweile habe ich die erhofften Einnahmen deutlich zurückgeschraubt. Der neue Porsche muss noch warten und ein Umzug ins eigene Heim wird mit diesem Herrn nicht zu realisieren sein.
"Zehn Seiten?", frage ich zweifelnd.
"Was schreiben Sie denn da so?"
Aha, ich hab ihn. Zehn Seiten also. Jetzt nur nichts verkehrt machen, dann ist zumindest die nächste Rate für das Mofa der Tochter gesichert.
"Na, was sie wollen!" Ich gebe jetzt den großen Schriftsteller und fühle mich wohl in der Rolle.

"Aber keine Schweinereien, dass wir uns da klar verstehen! Ich will keine Schweinereien, hören Sie?"
"Aber ich schreibe doch keine Schweinereien, ich bitte Sie! So was würde ich doch nie machen!" Ich verspreche es hoch und heilig.
Sein Misstrauen ist noch nicht so ganz verflogen.
"Das können Sie wohl gar nicht, Schweinereien schreiben?"
Jetzt bin ich in der Zwickmühle.
"Ich schreibe so etwas einfach nicht! Generell nicht." Jetzt gebe ich mich entrüstet. "Na, dann hab ich sie ja doch richtig eingeschätzt." Sein Gesichtsausdruck wird sofort freundlicher.

"Wissen Sie, ich will was mit Herz ...", erklärt er, wobei er wie ein Professor wirkt, der vor seinen Studenten doziert, "... etwas mit richtig tiefem Gefühl." Dabei sieht er schräg zur Decke hinauf.
Ich hingegen schaue durchs Lokal, um endlich einen Blick von diesem dämlichen Ober zu erhaschen.
Meine Spaghetti kleben schon zusammen, meine Magen macht mir deutliche Zeichen der Anwesenheit. Es wird irgendwie schwer, sich wegen zehn Seiten voller Herzschmerz zu konzentrieren. Um endlich zum Schluss zu kommen frage ich: "Und wo und wann soll die Geschichte erscheinen?"

"Erscheinen?"
"Na, in welcher Anthologie, welcher Zeitschrift, welcher Zeitung steht die Geschichte, wenn ich sie geschrieben habe?"

Er lacht.
"Aber nicht doch! Sie sollen das doch für mich schreiben, doch nicht für eine Zeitschrift!" Dieses Ansinnen ist mir zwar neu, aber was tut man nicht alles für den Fahrspaß der Tochter.

Grübelnd schüttelt er den Kopf.
"Zehn Seiten sind zuviel, soviel Platz haben Sie gar nicht."
"Keine zehn Seiten ...", frage ich verblüfft, gerade als der Ober mal in meine Nähe kommt. "... vielleicht fünf?"
Wieder schüttelt er den Kopf.
"Nein, keine fünf."
"Wofür brauchen Sie überhaupt eine Kurzgeschichte?" "Kurzgeschichte ist vielleicht nicht so das richtige Wort ..." Jetzt druckst er herum.
"Wissen Sie, ich werde nächsten Monat fünfzig!"
"Herzlichen Glückwunsch!"
"Danke! Ja, fünfzig Jahre alt. Und da brauche ich für meine Einladungskarte einen ... äh ... kleinen Text. Aber fünf Seiten? Nein, fünf Seiten sind einfach zuviel. Kriegen Sie das hin mit, sagen wir, hundert Worten? Und was würde mich das kosten?"
"Ober, zahlen!"

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