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Miroslav Puncochar

Der Weg

"Zenon von Elea, der im fünften Jahrhundert vor Christi lebende Philosoph, überließ uns ein Paar Paradoxien in Form von widersprüchlichen Überlegungen, die wir Aporien nennen. Der Philosoph wollte mit seinen Betrachtungen zeigen, inwieweit es schwierig ist, die Bewegung eines Körpers im Raum zu erfassen, wenn wir uns seine Bewegungsspur als Gesamtheit von unendlich vielen Punkten vorstellen, die alle der betreffende Körper bei seinem Fortgang zu passieren hat." Herleiert der Student etwas zögernd die Passage aus dem gymnasialen Lehrbuch Philosophie.

"Na gut, Kafka, nun könntet Ihr uns noch ein Beispiel für eine Aporie nennen." Der geprüfte, am Katheder stehende Bursche verblaßte ein bißchen, jedoch setzte tapfer fort. "Eine der bekanntesten Aporien ist die sogenannte Dichotomie. Sie besteht darin, daß der Mensch, der entlang der Gerade von A nach B gelangen will, muß zuerst die Hälfte der Länge zwischen A und B zurücklegen. Das heißt, daß er den Punkt C passieren muß, der in der Mitte der Gerade AB liegt, allerdings muß er davor noch die Hälfte der Länge zwischen A und C überwinden, also zum Punkt D zwischen A und C liegend kommen, und so geht es bis ins Unendliche weiter. Nach Zenon kann also die Bewegung eigentlich nie beginnen."

Der Professor schnalzte erfreulich, anscheinend zufrieden mit der Antwort. Dessen ungeachtet setzte er jedoch das Verhör fort: "Und könntet Ihr uns eigentlich klarbringen, warum einer von einem zu anderem Dorf kommen kann, obwohl es der Zenon anficht?" Diesmal herrschte Stille im Raum, und es schien, als ob der Student nicht wahrnehmen würde. "Also, Kafka, Ihr habt mich enttäuscht, so schön habt Ihr begonnen, und jetzt scheint wiederum nur ein Genügend drauszukommen. Der Grund liegt doch darin, daß die Bewegung in einer Zeit beginnt, für die das kontinuierliche Vergehen vom Wesen ist, und nicht das Bestehen aus einer Reihe von Augenblicken….". Seine Stimme floß in realer Zeit weiter, doch der Franz hörte nicht weiter zu. In seinem Sinn begann sich eine völlig andere Geschichte abwickeln.

Epilog: "…zum Beispiel kaum begreife, wie ein junger Mensch sich entschließen kann, ins nächste Dorf zu reiten, ohne zu fürchten, daß - von unglücklichen Zufällen ganz abgesehen - schon die Zeit des gewöhnlichen, glücklich ablaufenden Lebens für einen solchen Ritt bei weitem nicht hinreicht."
F. Kafka, Das nächste Dorf

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