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Michael Köhn

Sonnenblume in Absinth

Ein Posten, der steht vor dem Tor, groß und dunkel.
Als ich um die Ecke in den Innenhof biege, zappelt der Kerl aufgeregt mit seiner Pistole, die hat er in der Rechten. Sein linker Arm pendelt leer, winkt mir.
Soll ich?
Der erwartet mich. Langsam gehe ich auf ihn zu.
An allen möglichen und unmöglichen Orten sind wir uns schon begegnet. In Parks, in Restaurants, oder auf Toiletten in Bahnhöfen. Doch nie war ich ihm so nahe wie jetzt.
Da, er stürzt zu Boden, mitten aufs Gesicht, dreht sich spiralig. Nun liegt der Körper im Halbdunkel, Augen leuchten dort heraus.
Je näher ich komme, desto heller und deutlicher wird das Bild. Ähnlichkeiten wie immer, beim Blick in einen Spiegel. Ich verspüre einen Schock, denn das, das bin ich, betrunken und nicht, und ich, bin ich, doch nicht.
Der Jemand grinst, und ich erkenne im Grinsen Fremdheit, und prüfe gerade deswegen Übereinstimmungen im Aussehen. Ein Witz, das eine helle Auge, die zerschürfte Nase; ist das nicht meine? Das Gesicht, das um die Nase rankt. Die Augen, die mir im Spiegel entgegenschauen; die Schädelkontur birnenförmig. Wulstige Lippen; nichts als Lippen. Die kleben förmlich auf diesem Gesicht. Ist das nicht doch meine Visage?
Zweifel. Warum? Eines Steines Vertrautheit könnte nicht größer sein.
Augenblicke, und das ist merkwürdig, packen mich wie böse. Überraschend, wie es mir zu Wut und plötzlichem Zorn kommt. Dann wieder Lächeln, das dann stockt in Traurigkeiten.
Es ist seltsam, mein Körper schwankt im Atmen wie ein Röhricht. Ein Blick und ich sehe, anstatt Schuhe, meine Füße barfuss zittern; dann klatscht ein Kopf, das eine Bein, die Arme zu Boden. Und die Hand in meiner, die schüttelt mich durch bis zur Verlegenheit.
Schwankende Waage der Mund; und der weint, schreit Schmerz und Angst heraus. Rufe und Würgen. Ich bücke mich in die heruntergefallenen kleinen Schritte, in die Vorhalle hinein, in die Kantine, in einen Stuhl, in Betten in anderen Räumen. In eine Anstalt im Inneren eines Flughafens.
Da, der Trabant in dunkelblauer Uniform mit leuchtendem Kopfe. Glühend wie Sonnen, Hitze, und kein Wort. Diese Botschaften gefallen mir, in welchem Zustand ich auch immer bin.
Ja, ich schilderte diese Begebenheiten; - da staunten meine Freunde um sich herum. Denn Leben in dieser Kraft - und dieser natürliche Willen, meiner, das brachte nie Vorwürfe ein, einzig neue Erkenntnisse: - ein fehlendes Ohr und Blumenfelder im satten Gelb.
Die saßen am Tisch, die kannte ich, die Ohren eines van Gogh, Wermutkraut und das Gelb von Sonnenblumen; - in der Hand des Meisters das Werkzeug, und Einsamkeit als Kreis in der Mitte des Papiers.
...Steine und Pflanzen, ein Geschöpf, ich, und Urmassen Leben in Bezugnahme: ständiges Knattern von Maschinengewehren, das Menschen tötet; und Blut, und Krankheit, Tod und Schmerz. Witwen. Waisen. Und es verwest, bildet neues Leben, gebiert Sterblichkeit und frisches Leid, - Betäubung bleibt, auch mir. Absinth.

2002 by michy

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