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Michael Feichtinger

das geheimnis des pickels

ich hatte glück! meine pubertät zeichnete sich durch konsequente pickellosigkeit aus. akne war für mich ein spanischer bahnhof aus dem aufklärungsbuch des sitznachbarn. während meine mitstreiter auf dem weg ins erwachsenenleben wahre hügel- bzw. kraterlandschaften spazierentrugen, erfreute sich mein gesicht, mal abgesehen von der krummen nase, den riesigen ohren, dem kreuzblick usw., penetranter makellosigkeit. pointilismus in rot-gelb war meine kunstrichtung nicht. die mädchen wußten das zu schätzen und ich erst recht, denn während meine freunde ihre abende damit verbrachten, eiterpatzen auf den alibert zu schießen oder sich mit porenreinigern das gesicht wegzuätzen, erkundete ich das ach so andere geschlecht des ach so anderen geschlechts. irgendwer mußte es ja tun. jeder, der selbst mal jung war, und das waren ja gar nicht so wenige von uns, wird sich erinnern, daß es da einiges zu erkunden gab. ich will ja nicht protzen, aber ich möchte schon erwähnen, daß ich sämtliches zubehör ohne gröbere umschweife gefunden habe. das ganze verwendbare zeug. von dieser jugendlichen navigationssicherheit zehre ich heute noch. fast ohne hinzuschauen könnte ich sagen, wo bei einer frau was ist. eine tugend, auf die ich bestimt nicht zurückgreifen könnte, wenn ich mit dreizehn ein gesicht wie ein krisengebiet gehabt hätte. aber pünktlich zur ablegung der knabenhaftigkeit, als scham- und achselbehaarung längst ausgewachsen waren und ich auch den bartwuchs mit schärfe im zaum zu halten wußte, erblühte ein riesenhafter pickel auf meiner nase. dick und rot wie ein reifer zwergapfel. er war allein, aber imposant, als gelte es, all das nachzuholen, was mir an schmach bis zu diesem tag erspart geblieben war. er war so groß, daß er sogar einen schatten warf. allerdings hieß seine adresse: zwei, drei poren über dem nasenflügel, eine ahnung links der mitte, aber der mensch ist eben nicht perfekt. er war "der pickel, den ich nie hatte", wies oft ähnlich in schlechten filmen heißt, wenn der geschäftmann fast zärtlich über seinen jugendlichen protege spricht. und seit dem kommt er in unregelmäßigen aber geringen abständen wieder. ich erkenne ihn jedesmal. es ist immer derselbe. wenn er wenigstens einmal im jahr, zum geburtstag, oder sommerbeginn oder weiß der kuckuck, käme, dann könnte ich mich darauf einstellen. aber er taucht unangemeldet auf, bleibt dann zwei wochen und verschwindet wieder. was will er mir damit sagen? daß ich gottesfürchtiger sein soll? daß ich auf meine nase achten soll, als wär sie mein johannes? daß alles, so beschissen es auch ist, immer noch viel schlimmer werden kann? nein, ich glaube, dieser kleine störenfried ist mein ganz persönlicher schutzpickel, den ich bisher nur nicht richtig zu schätzen wußte, was daran liegen mag, daß er eben kein schätzpickel ist. aber nachträglich fällt mir ein: niemals, wenn er erschien, wurde ich vom blitz getroffen, nie von irgendwas überfahren und schon gar nicht erschossen. also sind die viele menschen, die mich zur pickelblütezeit auf der straße spontan auslachen, wohl nur neidisch.

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