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Marta Bern

Das Foto

Die untergehende Abendsonne überstrahlte die öde Landschaft mit einem fast schon kitschig wirkenden Orange.
Mein Entschluß, zu gehen, stand unwiderruflich fest.
Erleichtert und viel zu schnell fuhr ich gen Süden, um hoffentlich nie wieder hierher zurückzukehren.
Ich schaute aus dem Wagenfenster auf das weite, flache Land und verspürte dessen eigenartigen Reiz, dem ich mich nicht einmal jetzt, völlig zu entziehen vermochte.

Ab und an sauste ein einsames, menschenleeres Gehöft am Autofenster vorüber, um für immer in der Ferne zu verschwinden. In dieser Gegend, wo Fasanen und Katzen friedlich miteinander das Revier teilten, schienen Menschen ausgestorben zu sein.
Gräben mit dunklem Moorwasser durchzogen den schwarzen Ackerboden und das schier endlose grüne Weideland. Nur vereinzelt ragten kahle, verkrüppelte Bäume in den farbenprächtigen Abendhimmel.

Ich starrte auf die lange schnurgerade Straße vor mir und sagte mir immer wieder, daß es richtig war aufzubrechen, bevor diese äußere Ödnis auch noch den letzten Rest Lebensfreude in mir zerfraß. Trotz alledem beschlich mich ein Gefühl von Wehmut und leiser Trauer.

Die Dämmerung brach schneller als erwartet herein. Es war höchste Zeit wenigstens fotografisch, einige letzte Augenblicke festzuhalten.
Warum? Ich wußte es nicht. Vielleicht wollte ich etwas mit mir nehmen, etwas Schönes, Typisches oder zumindest Originelles.
Die Kamera lag schon geraume Zeit aufnahmebereit auf dem leeren Beifahrersitz. Ich sah mich nervös um und betrachtete fasziniert die untergehende Sonne, die sich im dunklen Moorwasser links und rechts der schmalen Straße spiegelte. Ich drosselte die Geschwindigkeit, setzte mich kerzengerade in den Polstern des Wagens zurecht und sah durch das nicht ganz saubere Seitenfenster aufmerksam nach draußen.
Vielleicht sollte ich den großen Baum mit den weit ausladenden, kahlen Ästen und dem Abendrot im Hintergrund aufnehmen. Der Anblick beeindruckte mich, genau so wie der alte zerbrochene Weidenzaun und die verwitterte Viehtränke. Meine Hand griff unschlüssig nach dem Fotoapparat. Zu spät. Der weite Horizont hatte bereits alles verschluckt.
Meine Unrast ärgerte mich. Dennoch könnte mich nichts und niemand dazu bewegen, anzuhalten oder gar umzukehren. Langsam kurbelte ich die schmutzige Scheibe herunter, um besser Abschied nehmen zu können.
Kühler Wind wehte den Geruch mooriger Erde herein. Wunderschöne Bilder einer stillen und friedvollen Landschaft zogen an mir vorüber und ich fragte mich allmählich, ob ich dies nicht eines Tages vermissen würde.
Beklommen fuhr ich weiter. Irgend etwas zog mich unaufhaltsam vorwärts. Mein Fuß schwebte über der Bremse, um schließlich doch immer wieder auf dem Gaspedal zu landen. Ich hängte mir die Kamera um den Hals und legte den Finger auf den Auslöser.

Plötzlich rissen mich quietschende Bremsen aus meinen trübsinnigen Gedanken. Grelles Scheinwerferlicht blendete mich. Erschrocken und viel zu heftig gab ich Gas. Ich wollte heraus aus dem grellen Lichtkegel.
Als ich wieder zu mir kam, waren das Kreischen der Bremsen und die Schreie, meine Schreie, verstummt.
Ich spürte weichen Ackerboden unter mir. Angenehm kühl und feucht drang es durch meine Kleidung. Erde knirschte zwischen meinen Zähnen. Es roch und schmeckte nach Moder. Die zurückgekehrte Stille um mich her wurde nur durch ein leises, monotones Geräusch gestört. Es klang fast wie das Summen von Bienen. Was mochte solch sonderbare Laute verursachen?

Mühsam wendete ich den Kopf und öffnete mit großer Anstrengung meine verklebten Augen. Durch einen schmalen Spalt erkannte ich mein auf dem Dach liegendes Auto. Die sich drehenden Räder schleuderten Gras und Erdteilchen in den blutroten Abendhimmel.

Was für ein Foto!

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