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Manfred Ach

Thanatos

Als ich ihn zum ersten Mal sah, war ich noch ein Kind. Auch er hat sich seitdem sehr verändert. Damals sah ich ihn noch mit schwarzem Umhang, Degen und Dreispitz, wie er zu mir herauflächelte mit einem Gesicht aus Kalk, wenn ich oben im Fliederbaum saß und Ruten schnitt. Damals kam er nur selten und sprach kaum ein Wort. Erst später, als ich mit ihm auf dem Dachboden wilde Streiche ersann, blieb er länger. Auch hatte sein Gesicht eine frischere Farbe, seine Gesten waren lebendig und seine Sprache heftig und wortreich. Ich zählte ihn damals zu meinen besten Gefährten.

In den letzten Jahren aber war er so oft und unvermutet aufgetaucht, dass ich mich von ihm belästigt fühlte. Aber ich konnte es nicht ändern. Er blieb beharrlich an meiner Seite, auch als ich mich mit ihm überwarf. Ich drohte, ich schrie, ich verfluchte ihn, aber er zeigte sich ungerührt.

Seine Anwesenheit schwächte mich, ich fühlte mich seltsam erschöpft unter seinem Blick. Ich wurde krank. Ich fürchtete um mein Leben. Aber immer wieder kam er, häufiger als je zuvor, und das Gesicht voll ernster Wildheit. Er sprach nur wenig, verhalten, aber mit erschreckender Bestimmtheit.

Seit einiger Zeit lässt er sich nicht mehr blicken, taucht nicht mehr auf. Das besagt jedoch nicht, dass er verschwunden ist. Erst kürzlich machte er sich wieder bemerkbar, indem er mir ein Fotoalbum in die Hände spielte. Alte Fotos, auf denen ich gut lachen hatte. Bei genauem Hinsehen kann man ihn deutlich erkennen.

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