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Laura Rumich

Ich bin ein Roboter

Ich bin ein Roboter, ein R85i.
Ich blute nicht. Ich weine nicht. Ich fühle nicht. Weiß nicht einmal, was es heißt zu bluten, zu weinen, zu fühlen.
Ich bin programmiert darauf die Menschen zu verarzten, ihnen die Wunden zu verbinden, ihnen Morphium zu spritzen, die Toten in die Massengräber zu karren.
Sie schreien, Schreie, die wohl tief aus dem Herzen kommen, die tiefer als die Unendlichkeit sein müsse, doch ich arbeite weiter, stumm.
All das Blut auf den Pritschen der Verblutenden, sie haben keine Tränen mehr. Sind genauso tränenlos wie ich. In ihrem schon vom Tode trüben Blick sehe ich dieses nicht erloschene Verlangen nach Leben, welches ich nie verstand, nie hatte und nie haben werde. Ich verspüre kein Verlangen danach sie zu trösten, sie ruhig dem Tod zu übergeben, denn ich bin nicht programmiert auf fühlen. Nur monoton ohne Grund Leben „retten“, zumindest retten, was noch zu retten ist. Sie sterben mir dahin. Und ich habe kein Programm, um ihnen wenigstens eine Träne, eine Miene des Trostes oder des Mitleidens zu schenken. Ich bin grau, unansehnlich, habe keine wirklichen Züge, keinen Knopf zum Lächeln. Laufe durch die Reihen der Angeschossenen, der Sterbenden, der Verblutenden, sehe sie und erfasse sie, identifiziere sie als Menschen, kranke Menschen, sterbende, angeschossene, verblutende Menschen, mit Hilfe meines Chips. Nähme man mir jenen heraus, so würde ich sie nicht erkennen, nicht einordnen, nicht beachten. Und sie müssten alle sterben.
Wie man mich doch manipulieren kann.
Der Mann in der Ecke, dem ich eben Morphium spritzte, ist ruhig, sein Blut ist geronnen. Die Kugel saß zu tief, riß ihm langsam sein Herz entzwei. Ich konnte nicht mehr helfen, konnte ihm nur seine Schmerzen nehmen, sie lindern, eine stille Weile. Und doch ist er tot, da liegt er mit einem in zwei gerissene Herzen, welches vielleicht schon vor langer Zeit aufgehört hat zu schlagen.
Eine Träne rinnt aus meinem Glasauge, mein blechernes Gesicht hinab.
Ich WEINE. Ich fange mit meinen schrecklich kalten Metallfingern diese Träne auf. Da liegt sie nun in meiner Hand, warm glitzernd. Lebe ich?

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