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Jürgen Heimlich

Tommy träumt und alle anderen sind dekadent

"Seid doch nicht so blöd, Mensch! Ist doch halb so wild! Was regt ihr euch über ein Zeugnis auf, das ohnehin nichts zu bedeuten hat. Seid doch froh drüber, dass ich eine Klasse wiederholen darf. Dann bin ich ein Jahr später arbeitslos..."

"Du brauchst uns nicht beide anzusprechen, Tommy! Mutter und ich gehen jetzt getrennte Wege. Sie ist auf dem Selbstentdeckungstrip, und ich baue ein Haus für Karoline; dein hübsches Tantchen!"

"Ach, hör´ auf mit dem Quark, Väterchen. In zwei Jahren bin ich von der Bildfläche verschwunden. Da könnt ihr mich in Berlin besuchen. Ich werde ganz groß rauskommen als Regisseur. Da werdet ihr Augen machen."

"Du dummer, kleiner Junge! Glaubst du denn im Ernst, dass du die Welt erobern kannst? Hast ja doch das meiste von deinem Vater geerbt. Und der ist nur ein notorischer Schürzenjäger, sonst nichts. Der hat sein Hirn in der Hose, Sohnemann!"

"Ich lass´ mich nicht länger verarschen, Mutti. Warum habt ihr euch überhaupt getrennt? Väterchen betrügt dich schon seit zehn Jahren mit Tante Karoline. Das ist schon ein alter Hut. Ihr passt doch gut zusammen. Du kannst deine Selbstentdeckungsfahrten bei Yogi Krhamahokhruschka weiter machen, und Väterchen zwei Mal die Woche bei Tantchen..."

"Sag´ nicht das Wort, Tommy! Wir wissen, was du meinst."

"Genau so gehört sich´s, Väterchen! Ihr müsst wieder als WIR agieren. Denn ihr gehört zusammen wie zwei paar ausgetretene Schuhe. Und das ihr zusammengehört beweist sich schon damit, dass ihr mich zu erziehen versucht habt! Und schaut, wie toll ich gelungen bin. Ich bin das perfekte Produkt eurer Bemühungen! Ein totaler Gewinnertyp, der in spätestens zwei Jahren in Berlin als Regisseur voll durchstarten wird!"

Stille tritt ein. Dann betritt Tantchen die Küche. Tommy sieht sie mit großen Augen an, und denkt daran, wie sie sich damals willig neben ihn legte, als er ein Kind von höchstens zehn Jahren war, und in einer Tour seltsame Worte in sein linkes Ohr hauchte, deren Sinn er nicht verstand, und die er ganz in freudscher Hinsicht verdrängt hatte, sodass keine dekadenten Gedanken in ihm auftauchen mochten, welche seinen rebellischen Grundcharakter nur gefährden konnten, weil Wahrheit bekanntlich sehr weh tun kann, und die Symbolik der seinerzeitigen Geschichte sich später bei anderen Gelegenheiten, als er die Tante nackt gesehen hatte, noch hätte erweitern können.

"Müsst ihr euch beim Abwaschen immer so streiten? Das hör´ ich ja bis ins Wohnzimmer hinaus. Wir sind alle eine große Familie. Onkel Herbert mag ja Muttchen auch sehr..."

"Seht ihr, liebe Eltern! Und deswegen ist nichts dabei, dass ich der Taufpate meines Bruders bin. Hast ja nichts dagegen, Mama?"

"Ja, da brauchst du gar nicht so blöd zu schauen, Pseudovater! Dein angeblicher Sohn hat recht. Ich kriege ein Kind von Herbert. Und wir werden es gemeinsam erziehen so wie das andere Kind von Herbert..."

"Du meinst..."

"Ja, Tommy ist nicht dein Sohn. Oder hast du im Ernst geglaubt, ich spreche von dir, als vom notorischen Schürzenjäger die Rede war?"

Der Abwasch ist fertig. Am nächsten Tag wird alles anders.

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