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Jürgen Heimlich

Austrian Werewolf: The comeback

Ich bin wieder da, ganz ungeniert. Berlin war eine Reise wert. Doch in Wien kann ich mich so richtig austoben, und meine Beißerchen herzeigen. Der Kerl jault die ganze Zeit, dabei ist er gar kein Wolf. Brabbelt irgendwelchen Unsinn. Dabei ist er selbst schuld. Musste er mir meinen Job wegnehmen? Ich meine; ich weiß, dass ich als Kommunikationsexperte mehr zu bieten habe als er. Und dann rufe ich in der Personalabteilung der Werbeagentur an, und mir wird gesagt, dass ein anderer Kandidat genommen worden wäre. Da habe ich meine Ohren angelegt! Konnte ja nur Rudi Schimmelpfennig sein. Ein ehemaliger Schulkollege, der diesen komischen Test gemeinsam mit mir gemacht hat. Blöde Fragen sind da gestellt worden.

"Wie lang willst du mich noch hier behalten?" Rudi plärrt so laut, dass ich es bis in die Küche höre. Ich mach“ mir grad ein paar Palatschinken. Muß auf meine Linie aufpassen. In Berlin in der Psychiatrie hab“ ich innerhalb von nur wenigen Wochen ganz schön zugenommen. Es war ein wenig langweilig, auf den nächsten Vollmond zu warten. Dann ging“s aber ganz einfach. Die Zwangsjacke biß ich in null komma nichts durch. Und bald war ich eine Wolke, und schwebte Wien entgegen. Ich haue mir die Palatschinken auf den Teller, und gehe mit einem Teller voll Grießpudding nach unten.
"Für euch zwei", sage ich, und brülle leise. "Morgen ist Vollmond. Das nur zur Vorwarnung. Wenn ihr bis dahin nicht meine Forderungen erfüllt habt, schaut“s schlecht aus. Da wird man von euch nur mehr Haut und Knochen finden; irgendwo im Stadtpark."

Die Tante vom Arbeitsamt hat mir versprochen, mich in ein Eingliederungsprogramm aufzunehmen. Damit wurde es nichts. Sie hat einfach ihr Versprechen gebrochen, und mich stattdessen für einen Kurs angemeldet, den ich so notwendig brauche wie einen Kropf. In der Nacht habe ich sie heulen gehört, und den Bismarckhering hat sie auch nicht angerührt.
"Den Grießpudding eß“ ich nicht", sagt die Tante jetzt.
"Ganz wie du willst", sage ich und lächle sie an. "Vielleicht brauchst du morgen gar nichts mehr zu essen; aber ich werde dich essen! Und ich werd“ dich nicht so runterschlingen wie der Wolf die sieben Geißlein! Das kann ich schon mal verraten..."
Rudi frißt alles in sich rein. Auch den grauenhaften Grießpudding.

Am nächsten Morgen stehe ich spät auf, und gehe einkaufen. Ich kaufe ein paar Packungen Milchreis. Für mich besorge ich Thunfischaufstrich und zwölf Liter Mineralwasser.
Rudi ist kleinlaut. Er schaut ein wenig geknickt aus in seinem Boss-Anzug.
"Ich weiß nicht, warum die mich genommen haben, Tommy! Was kann ich dafür, dass die mich bevorzugen? Vielleicht liegt“s auch daran, dass ich die Tochter vom Chef persönlich kenne..."
"Sowas hatte ich mir gedacht, Freundchen. Ist ja doch immer das Selbe. Protektion an allen Ecken und Enden. Da kannst du ruhig was an der Waffel haben. Beim Bundesheer hast du dich ja besonders stark gefühlt, und wolltest mich in die Mangel nehmen. Wegen dir bin ich sogar zwei Tage im Bunker gesessen..."
"Du kannst den Job haben! Ich brauch“ ihn nicht. Kenne genug andere Leute. Wenn du magst, ruf“ ich noch heute an, und sage dem Typen ab. Dann muss er auf dich zurückgreifen..."
Ich zeige ihm kurz meine Beißerchen.
"Alles klar, Rudi. Gehen wir gleich nach oben."
Der Lady in blue stelle ich eine Portion Milchreis hin. Sie rührt das Essen nicht an. "Heben Sie meine Arbeitslosengeldsperre auf, Madame, und Sie sind frei! Ist ja nicht so schwer zu kapieren, oder?"

Rudi sagt ganz großkotzig in die Sprechmuschel, dass er einen anderen Job gekriegt hat, und drum absagen muß. Ich höre natürlich mit; möchte mich ja nicht von meinem ehemaligen Schulkollegen verarschen lassen.
"Du kannst gehen", sage ich. "Und ich rate dir nicht, mich anzuzeigen. Du weisst, dass ich dich jederzeit in Stücke reißen kann!"
Er nickt und geht von dannen.

Fünf Tage später findet ein uraltes Ehepaar Rudi tot im Donaukanal. Die Tante liegt zerfetzt in einem Löwenkäfig. Ich war“s nicht.
Die Geschichte mit Rudi ist schnell erzählt. Er hat einen anderen Job gekriegt, und mich deswegen sogar angerufen. Der andere Job soll viel besser sein als der, den ich erst recht nicht antreten konnte. Ich hab“ dort nämlich nochmals angerufen, und die haben mir erzählt, dass der andere Kandidat ermordet worden sei. Und der Bedarf an neuem Personal wäre somit gedeckt. "Aber Sie haben doch einen Kommunikationsexperten gesucht?" Ich schnalzte lautstark mit der Zunge.
"Ja, aber das hat sich jetzt erledigt. Wir haben den Job intern vergeben. Ist auch besser so nach dieser Geschichte..."

Angeblich hatte die Tante etwas mit Rudi, habe ich in der Zeitung gelesen. Rudi war ja selbst lange Zeit arbeitslos, und hat illegal seine Dienste als Call-Boy angeboten. Es war Zufall, dass die beiden in meinem Keller zusammentrafen. Freilich haben sie sich sofort erkannt. Die Tante soll absichtlich in den Löwenkäfig gestiegen sein. Ihr Mann ist Wärter im Zoo, und so konnte sie sich Zugang verschaffen. Als Selbstmordmethode nicht unbedingt zu empfehlen. Doch sie wurde vielleicht vom "in der Luft zerreißen" animiert, das ich ihr versprochen hatte, wenn sie nicht das tut, was ich von ihr erwarte.

Gestern tauchte dann die Kriminalpolizei bei mir auf. Stellte mir Fragen, die noch blöder waren als die in dem absurden Fragebogen. Sie wollen mich in Untersuchungshaft stecken, weil die Tante dem Löwenwärter erzählt hat, wo sie eingesperrt worden war, ehe sie sich umbrachte.
"Wahrscheinlich war“s gar kein Selbstmord, sondern brutaler Mord", sagt der Inspektor. "Und Ihre Karten sind nicht die Besten. Sie sollen ihr gedroht haben, sie in Stücke zu reißen."
"Ach klar, es war gar nicht der Löwe, sondern der Austrian Werewolf", brülle ich und zeige meine Beißerchen. "Wir werden sehen, was unsere Recherchen ergeben. Jedenfalls können Sie zunächst mal mit Untersuchungshaft rechnen. Auf freiem Fuß lassen wir sie nicht!"

Ich stecke schon wieder in so einer Zelle. Diesmal ohne Zwangsjacke. Ich warte auf den nächsten Vollmond, um mich wieder befreien zu können. Ich werde keine Gnade walten lassen wie bei Rudi und der Lady in blue. Ich war“s nämlich nicht. Sie wollen mir nur was in die Schuhe schieben. Der wahre Täter läuft noch frei herum; davon bin ich überzeugt ...

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