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Jürgen Heimlich

Robo lebt!

"Der schaut deppert aus", sagt Siggi.
Wie ist sein Papa auf diese Idee gekommen? Schenkt ihm einen Roboter, der nur im Kreis herumfährt. Dort, wo sein Bauch sein sollte, befindet sich ein kleiner Bildschirm, auf dem ständig lächerlich aussehende Raketen im "Weltraum" herumfliegen. Siggi findet das nur deppert, aber sein Papa ist anderer Meinung.
"Was hast du dir erwartet, Siggi? Schaut doch super aus, der kleine Robo. So einen ähnlichen hatte ich als Kind auch."
"Eben, Papa. Eben. Als du vor tausend Jahren ein Kind warst, hat´s den Dreck auch schon gegeben. Ich möchte so einen ganz modernen. Der alles kann. Dreck aufheben zum Bleistift. Oder mit mir Schach spielen. Nur deppert herumgehen, und nur Grunzlaute von sich geben ... Was soll ich damit?"
"Also du bist der Meinung, dass ich das Ding umtauschen soll? Weißt du; es hat ganz schön lang gedauert, bis ich das Ding hatte. Es ist auch nicht so altmodisch, wie du denkst. Das Display ist gestochen scharf. Und er kann sogar "Guten Tag" sagen!"
"Zu meinem zehnten Geburtstag hab´ ich mir was Spannendes vorgestellt. Bald kommen meine Freunde, und wenn die den depperten Roboter sehen, werden sie mich auslachen."
"Ach, so. Du willst Eindruck bei deinen Freunden schinden. Das kannst du haben."

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"War total cool, der Film", sagt Siggi. "Und mein Papa hat mir den modernsten Roboter gekauft, den es derzeit am Markt gibt."
Ben, Helmi und Roman essen den Geburtstagskuchen, und hören Siggi gar nicht zu. Erst nach der Mahlzeit meldet sich Helmi zu Wort: "War schon geil, I robot. Und so realistisch!"
"Red´ doch nicht so deppert daher", sagt Siggi.
"Mußt du dauernd deppert sagen", sagt Papa, und zeigt zur Tür. "Passt auf!"
Ein Ding wie aus einer anderen Welt kommt ins Zimmer. Es grunzt vorlaut, und setzt sich dann an den Tisch.
"Wer ist denn das?", fragt Ben.
"Siehst du doch, du Trottel. Das ist ein megamoderner Roboter", informiert ihn Siggi.
"Aber ..."
"Halt die Goschen, und schau´ mal, was der für Kunststücke kann!"
Der Robo tut, wie ihm geheißen. Er legt eine flotte Sohle aufs Parkett. Tanzt mit Mama, die gerade aus der Küche gekommen ist, und grunzt dabei zufrieden.
"Der Depp kann ja net amal reden", flüstert Roman Helmi ins Ohr.
"Ich hab´ dich gehört", sagt Siggi. "Der Robo ist super drauf."

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Stundenlang unterhält der Roboter die Kinder. Er singt Karaoke (hört sich freilich sehr komisch an; aber immer noch besser als ständig grunzen!), tanzt immer wieder mit der Mama von Siggi, und kann sogar essen. Der Kerl kann fast mehr, als ein Roboter können soll. Und damit ihr alle wisst, wie das Ding aussieht: Eine Unmenge Aludosen hängen an ihm dran. Auf beide Schultern sind so winzige Fernseher angeklebt, und da gibt´s allerlei Weltraumfilme zu sehen. Außerdem trägt der Robo einen Ritterhelm.
"I-c-h m-a-c-h d-a-n-n d-e-i-n Z-i-m-m-e-r s-a-u-b-e-r", sagt der Robo jetzt.
"Super" Siggi ist fassungslos. Das Ding könnte sein Leben auf den Kopf stellen!

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Am nächsten Tag wacht Siggi früher auf als sonst. In der Küche sitzt Onkel Herbert und trinkt ein Glas Milch.
"Hast du super gemacht, Herbie. Ein bisserl deppert hast du schon ausgeschaut in dem Kostüm, aber danke für den Super-Geburtstag!"
"Hat mir großen Spaß gemacht, Siggi. Sag´ aber nimmt immer "deppert". Du weißt, dass das mein Bruder net gern hört."
"Wer ma schauen, Herbie. Auf jeden Fall musst du das nächstes Jahr wieder machen. Oder noch besser: Jede Woche. Mein Zimmer ist ja immer schnell verwüstet."
"Des wär´ zuviel für deinen Onkel! Aber wenn du magst, schauen wir uns ein zweites Mal "I robot" an."
"Ist ein ganz guter Kompromiß", sagt Siggi. "Ich hab´ übrigens gehört, dass es in Japan ganz super Robos gibt. Die können sauber machen und so."
"Von den 3000-Euro-Monstern hab´ ich auch schon gelesen. Wenn du mal groß bist, ist es wahrscheinlich eh normal, dass du mit den Blechdingern anschaffst. Vorerst geb´ ich dir mal "I robot" von Asimov zu lesen. Das ist völlig anders als der Film. Aber da kannst du eine Menge lernen. Unter anderem von den drei Gesetzen der Robotik. Die Robos sind die besseren Menschen, Siggi. Darum sind sie auch so deppert ..."
"Sag´ net "deppert", Herbie. Du weißt schon! Wow, super. Ich hoffe nur, dass die Robos dann besser mein Zimmer aufräumen können als du. Na ja, is´ aber klar. Du bist ja nur ein Mensch..."
Und in zwanzig oder dreißig Jahren ist es vielleicht endlich soweit mit den depperten Robotern, die sich jeder "moderne" Mensch anschaffen kann, um sein Leben zu erleichtern. Bloß: Ist es so ratsam, für jeden Handgriff einen kleinen Sklaven zu haben, der die Sache im Handumdrehen erledigt, und sich dann sogar dafür bedankt, geholfen zu haben?
Das ist aber eine andere Geschichte ...

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