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Holger Blauhut

Die Elchjagd

Im schwedischen Vänersborg, an der Südspitze des Vänersees trifft sich jedes Jahr die Trophäenjägerelite aus aller Welt. Unter dem Namen ‚Elch-Safari' werden die Jäger mit dem Bus in die Gemeinde Varigön gebracht. Hier befinden sich der Halle- und der Hunnenberg. In diesem Gebiet leben ca. 200 Elche.
Die Vorbereitung auf die Safari beginnt Tage vorher. Alles wird noch mal geölt und geputzt, die Muskeln werden gelockert und natürlich herrscht striktes Alkoholverbot. Glücklicherweise findet dieses Jahr die schwedische Meisterschaft im Radrennen in Vänersborg statt, so können sich die Jäger schon mal im Zielen auf vorbeihuschende Objekte üben.
Stunden bevor der Bus eintrifft ist die Meute versammelt und kämpft um erste Plätze in der Schlange. Sehr international geht es dieses Jahr nicht zu. Neben zwei dänischen Familien können wir nur noch die deutsche Nationalmannschaft ausmachen.
Dann kommt der Bus und in Sekundenschnelle sind die Plätze verteilt. Die Anzahl der blauen Flecken hält sich in Grenzen. Ein letztes Mal wird liebevoll die Kamera gestreichelt, die Linse geputzt und das Kind angeschnautzt. Einige lassen sich noch schnell im Bus fotografieren. Natürlich in Siegerpose, schließlich haben sie einen Fensterplatz.
Ein Musterbeispiel guter Kindererziehung hören wir hinter uns. Das Kind hat Hunger.
Vater: „Bei der Armee gibt es gar nichts zu essen, höchstens Sand.“ Das ist ebenso naheliegend wie die Reaktion des Kindes. Kind: „Und wo wird man erschossen?“
Dann fahren wir endlich in die fast unberührte Natur. An dieser hätte der berühmte schwedische Botaniker Carl von Linne´ seine Freude gehabt. Gibt es hier doch neue Pflanzen zu katalogisieren. So z.B. einen Nadelbaum an dem Tetrapacks wachsen.
Ohne auch nur die Fährte eines Elches gesehen zu haben, gelangen wir zu unserem Picknickort. Eine schwedische Sängerin treibt die Jäger zu Beifallsstürmen und die Elche in andere Wälder.
Wieder am Bus angekommen, wird uns berichtet, dass einen halben Kilometer voraus zwei Elche gesichtet wurden. Ein Däne macht sich sofort joggend auf den Weg. Das alarmiert die Deutschen und sie treiben sofort den Busfahrer an. Nach 350 Metern ist der Däne wieder eingefangen.
Ein anderer Däne nutzt die elchfreie Zeit zu einem Deutschkurs. Wir erfahren, dass war Vergangenheit, sein Gegenwart und haben das Wichtigste ist.
Dann ist es endlich soweit. Ein Schrei jagt von Sitz zu Sitz. Weit weg zwischen den Bäumen entdecke auch ich das Elchhinterteil. Da es keine Fotomöglichkeit gibt, fahren wir weiter. Die Familie hinter uns diskutiert noch, wer den Elch zuerst gesehen hat. Nach längerem hin und her entscheidet die Mutter, dass es der Papa war. Er lehnt sich stolz zurück.
Gegen 22.00 Uhr halten wir noch einmal an und spazieren an einer Schafkoppel vorbei zu einem Ausblick über den Vänersee. Alle bestaunen andächtig die Mischung aus See, Horizont, Dunst und Dunkelheit. Auf dem Rückweg wird dann eine Elchkuh in voller Größe sichtbar. Zum Glück für sie, ist sie hinter der Schafkoppel. Trotzdem flammt sofort ein Blitzlichtgewitter auf. Mit viel Glück können es Schafbilder geworden sein, denn die Elchkuh ist zu weit weg. Erstaunlicherweise lässt sie sich von dem Triumphgeheul der Meute nicht stören und äst ruhig weiter.
Einige Jäger hetzen zum Bus und fluchen auf die Zurückgebliebenen. Diese verschießen gerade - ohne Erfolg - den zweiten Film auf die Elchkuh und fluchen auf die bereits im Bus Sitzenden.
Dann werden alle müde. Sogar die deutschen Stimmen hören auf, die Stille der Nacht zu beleidigen und gehen in ein Schnarchen über. Warum Elchscheiße in Marmeladengläsern zum Verkaufsschlager geworden ist, haben wir jetzt begriffen.

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