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Dagmar Garbe

Nahima

Entfernt spürte Nahima, dass sie aus ihrem Bett gehoben wurde.
„Psst! Leise!“, flüsterte Amir.
„Papa? Bist du wieder da?“ Nahima war erstaunt.
„Still! Wir werden auf eine wundervolle Reise gehen!“
„Wo ist Mama?“
„Wir werden sie überraschen!“
Amir trug Nahima ins Dunkel. Im Wagen gab er ihr zu trinken. Nahima schüttelte sich. Es schmeckte bitter.

Die Stimme eines Muezzin ließ Nahima erwachen.
„Mama?“
Eine fremde Frau erhob sich vom Fußende an Nahimas Bett. Dunkelhäutig, um die fünfzig. Ihr Haar von einem langen schwarzen Schleier bedeckt.
„Wo ist Mama?“, fragte Nahima. Die Frau lächelte, reichte ihr ein Glas Wasser. Nahima schlug es ihr aus der Hand.
„Wo ist Mama?“
Die Frau verließ den Raum, Amir trat ein.
„Papa!“ Freudig sprang Nahima ihrem Vater entgegen. „Wo bin ich?“
Amir antwortete ihr in seiner Sprache. Nahima verstand ihn nicht.
„Wo bin ich? Wo ist Mama? Warum bin ich hier?“
Amir antwortete geduldig. In seiner Sprache. Nahima verstand ihn nicht. Er nahm sie an die Hand, führte sie durch einen Garten mit Palmen, Blumen und Springbrunnen in ein größeres Haus. Alles war umgeben mit einer hohen Mauer. Sie betraten ein weißes Zimmer. Amir deutete auf die Frau, die schon gewartet hatte, sagte: „Yuma!“
Nahima trat nach ihr, Amir verließ den Raum.
Vorsichtig näherte sich die Yuma Nahima. Diese begann zu weinen.
„Wo ist Mama?“, rief sie.
Die Frau zeigte auf sich, sagte: „Yuma!“
Nahima wandte sich ab, dachte an Mama, an Mamas blitzende Goldpünktchen in den Augen, und hörte, wie sie zärtlich „Prinzessin“ sagte. Die Yuma zog Nahima die Kleider aus. Sie wehrte sich nicht, lauschte nur dem Wort „Prinzessin“ in ihrem Kopf. Die Yuma kleidete Nahima wieder an, schob sie vor einen großen Spiegel.

Keine Nahima – keine Prinzessin schaute aus dem Spiegel zurück. Nur ein kleines Gespenst, dessen weißes Gesicht versuchte, sich hinter einem schwarzen Schleier zu verstecken. Der Rest umhüllt von luftiger Seide, der Abaya. Nahima drehte sich zur Yuma, ging langsam auf sie zu und spuckte ihr ins Gesicht.
„Prinzessin!“, schrie sie, „Prinzessin!“, rannte aus dem Zimmer.
Amir fing sie auf. Sprach liebevoll auf sie ein. Nahima verstand ihn nicht. Nur ihren Namen. Doch den wollte sie nicht mehr. Sie wollte Goldpünktchen und Prinzessin.

Jahre waren vergangen. Nahima weinte nicht mehr. Sie hatte sich an die am Fußende schlafende Yuma gewöhnt, die rituelle Waschung vor dem Gebet, der Tahara. Auch an neue Düfte, fremde Musik, die Sprache. Und an die neue Nahima. Verschwunden waren Goldpünktchen und Prinzessin.

Irgendwann sprach Amir zu Nahima: „Morgen tanzt du für Muhammad!
Dein Spiel mit den Schleiern soll ihn so beeindrucken, dass er in Liebe zu dir entbrennt.
Dein Blick soll so ausdrucksvoll sein, dass er seinen nicht abwenden kann.
Denn hinter den Schleiern verbirgt sich dein Geheimnis. Die Begierde, es zu lüften, soll ihm den Schlaf rauben. Ich, Amir, habe euch füreinander bestimmt.“

Wie Amir es gewollt, geschah es.

Der Tag war gekommen. Nahima und Muhammad wurden Mann und Frau. Glücklich nahmen sie die Wünsche und Geschenke der zahlreichen Gäste entgegen. Vor Nahima stand eine leicht gebeugte Frau, die ihr lange in die Augen schaute. Nahima schien, als erinnere sie dieser Blick an etwas. Im gleichen Moment flüsterte die Frau:
„Prinzessin!“

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