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Dagmar Garbe

Louise und Marcel

Marcel fuhr zügig. Zwei Stunden noch. Dann würden sie bei den Kindern sein. „Möchtest du ein Käsebrötchen?“ fragte Louise. Er winkte ab. Dann umdunkelte es sie.

Die Kinder warteten.

Als Louise und Marcel erwachten, lagen sie nebeneinander. Beide schauten sich fragend an. „Geht es dir gut?“ hörte Louise Marcels Stimme aus der Ferne. Sie fühlte nach. „Ja, etwas eigenartig, aber gut.“ – „Ich bin auch in Ordnung.“ Langsam richteten sich beide auf. Sahen sich um. Der Wagen war zertrümmert. Louise erschrak. Griff zu Marcels Hand. „Scheiß auf das Auto!“ sagte er, „Hauptsache, uns geht es gut!“ Als sie sich umsahen, hatten sie keine Ahnung, wo sie sich befanden. Links an der Leitplanke stand der Wagen, rechts von ihnen lag ein wunderschöner Park. Ein weißblaues Haus leuchtete im Hintergrund. Hand in Hand steuerten Louise und Marcel darauf zu. Bevor sie sich bemerkbar machen konnten, öffnete sich die Tür.

„Herzlich willkommen“, begrüßte sie eine weißhaarige schöne Frau. „Nach dem Schreck sollten Sie sich erst einmal erholen. Wir alle haben den Knall gehört.“ Sie führte die beiden ins Haus. Dicke pastellfarbene Teppiche bedeckten den Boden der großzügigen Eingangshalle. Ein Streichquartett spielte zarte Vivaldiklänge. In den umliegenden Arkaden leuchteten Gesichter. Freundliche Gesichter. Louise und Marcel grüßten verhalten. Warme Lächeln strömten zurück. „Wo sind wir?“ fragte Marcel. „Dieser Ort wird Ihnen kaum bekannt sein. Später. Zuerst sollten Sie sich von dem Schreck erholen.“ Ein weißgekittelter Mann erschien. Führte die beiden in den Seitenflügel. „Der schönste Trakt für Neuankömmlinge,“ sagte er. Ging. Sie sahen sich um. Ein großes lichtdurchflutetes Zimmer. Blaues Weiß an den Wänden. Blauweiße Einrichtung. Blauweißes Schlafgewölbe. Marcel und Louise legten sich in das Bett. Vergaßen ihr Ziel, die Kinder.

Am blauweißen Betthimmel hing ein pulsierender blutroter Tropfen.

Die Kinder machten sich Sorgen.

Eine zarte Melodie holte die beiden langsam aus dem Schlaf. Sie fühlten sich wunderbar erholt. Verließen das Zimmer. Suchten die Arkadenhalle. „Guten Morgen,“ begrüßte sie die weißhaarige Frau. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen den Weg.“ Sie führte sie in einen großen Saal. Leuchtendes Blauweiß blendete sie. Die lächelnden Gesichter vom Vorabend begrüßten Louise und Marcel mit Applaus. Sie saßen an Sechsertischen. Hinten links gab es noch zwei freie Plätze. Selbstverständlich nahmen Louise und Marcel dort Platz. Niemand sprach ein Wort. Louise und Marcel vergaßen das Sprechen. Ein weißer Korb machte die Runde. Es war eine blaue Kugel darin. Nach und nach nahm jemand die Kugel heraus. Öffnete sie, entnahm ihr eine Handvoll Würfel. Würfelte. Erblickte die Augenzahl. Verschloß die Kugel, reichte sie wortlos weiter. Am Mitteltisch öffnete eine junge Frau die Kugel. Würfelte. Verschloß die Kugel. Hob die Hand. Ein Tusch. Der Weißgekittelte erschien. Nahm die Frau in den Arm. Lächelte. Führte sie hinaus. Es wurde applaudiert. Marcel und Louise vergaßen, sich zu wundern. Es ging ihnen gut. Auch sie applaudierten. Wortlos erhob man sich, verließ den Raum. Ebenso Marcel und Louise. Sie kehrten in ihr Zimmer zurück, legten sich auf das Bett.

Auf dem blutroten Tropfen pulsierten undeutliche Zeichen.

Zufrieden lächelten sie sich an. Schliefen ein. Wieder lockten die bekannten Töne. Sie standen auf. Hand in Hand schlenderten sie geradezu fröhlich in die Halle. Nach kurzer Zeit saßen alle wieder an ihren Tischen. Die junge Frau fehlte.

Die Kinder meldeten sie als vermißt.

Der weiße Korb wurde herumgereicht. Louise und Marcel nahmen die Würfel aus der blauen Kugel. Würfelten. Nichts geschah. Sie gaben weiter. Der Tusch erklang. Ein sehr alter Mann hatte die Hand gehoben. Es wurde applaudiert. Er wurde umarmt und nach draußen begleitet. Die Gesellschaft löste sich auf. Marcel und Louise kehrten auf ihr Zimmer zurück, lächelten sich an, legten sich hin.

Man benachrichtigte die Kinder. Die Eltern seien gefunden.

Beim Erwachen entdeckten Marcel und Louise Zahlen auf dem Tropfen. 63 und 58. Der Tropfen war größer geworden. Sein Pulsieren ging in schnelles Pochen über. Sie lächelten sich an, fühlten sich großartig. Sogar heiter. Sie beeilten sich, in den Saal zu kommen. Das Schauspiel begann erneut. Louise würfelte die 58. Marcel die 63. Mechanisch hoben sich ihre Hände, als der Tusch ertönte. Sie wurden umarmt. Unter Applaus hinausgeführt. Der Weißgekittelte brachte sie zurück auf ihr Zimmer.

Der blutrote Tropfen lag zerplatzt auf dem Bett.

Zwei weiße Gewänder lagen bereit. Louise und Marcel zogen sie an. Ein unbekanntes Gefühl durchzog sie. Wortlos nahm der Weißkittel die beiden an die Hand. Führte sie aus dem Haus.

An der Unfallstelle standen fassungslos die Kinder. Louise und Marcel sahen ihre Körper am Boden liegen. Lächelten sich an. Streichelten den Kindern über das Haar.

Beim Hinübergehen hörten sie Mira sagen: „Hoffentlich haben sie nichts mehr gespürt!"

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