Literarisches / GästeFür Zugestiegene: Startseite 
[Absurdistan - Der Wochenrückblick] [Zeit für ein Gedicht?] [LiteraturWettbewerbe] [Veranstaltungen] [LiteraturChat] [Buchwelt] [Allerlei & Tipps]


 Alle Gast-Autoren

 zurück zur Auswahl dieser Künstlerin

 HITLISTE - Stimm mit!

zurück zu: Gäste
Werbung:
Bist Du Single? Suchst Du einen netten Partner? Hier warten über 390.000 aktive Mitglieder auf Dich. Melde Dich jetzt an!
Auftragsgedichte:
Du möchtest Deine/n
Liebste/n überraschen?
Jeder Euro rettet Kinderleben!
Dagmar Garbe

Lina

ES greinte. ES wimmerte. Lina hörte ES schon vor der Wohnungstür. Sie kannte das. Kaum kam sie fünf Minuten später als gewöhnlich nach Hause, greinte ES. Lina regte das nicht sonderlich auf. Sicher war das Futter alle. Sie ging zum Käfig, streichelte den wuscheligen Kopf. "Ist gut, ich bin ja schon wieder da. Frischen Fisch habe ich Dir mitgebracht. Den magst du doch besonders gerne. Und Wasser hast du auch kei-nes mehr. Warte einen Moment, ich hole neues." Sie füllte den Wassernapf, schob ihn durch die Eisenstäbe. ES fauchte, schlug nach ihr. "Laß das," zischte Lina. "du hast keinen Grund, so giftig zu mir zu sein. Klar, der Auslauf fehlt dir. Das hast du dir selbst verdorben. Mich beißt man nur einmal. Also, halt die Klappe!" Sie ging in die Küche, packte die Einkaufstüten aus. ES jaulte. Durchdringend jaulte ES. Lina hastete in das Zimmer zurück. Gab IHM mit der Holzstange einen heftigen Schlag. ES rollte aufjaulend in die Ecke. Blieb regungslos liegen. "So! Müssen erst die Nach-barn etwas erfahren? Die helfen dir auch nicht. Finde dich damit ab. Hättest du dich mir gegenüber besser benommen, bräuchte ich dich nicht einzusperren. Na ja, viel-leicht begreifst du das irgendwann." ES wimmerte leise. Lina setzte in der Küche die Pfanne auf den Herd, legte den Fisch in das heiße Fett. Sie starrte auf die springenden Fettbläschen.

Ganz am Anfang hatte sie ES über alles geliebt. Mit IHM gekuschelt, jede Stunde mit IHM verbracht. Dann fühlte Lina sich immer mehr eingeschränkt. Sie konnte nicht mehr tun, was sie wollte, mußte Rücksicht nehmen, sich nach IHM richten. Lina hörte auf, sich intensiv um ES zu kümmern. Lebte, soweit es ging, ihr eigenes Leben. Aber ES beanspruchte sie immer mehr, Lina fühlte sich bevormundet. Als sie sich heftig wehrte, trat ES nach ihr, biß sie. In den Arm. Bis auf den Knochen. Lina mußte die Wunde nähen lassen. Ihr Arzt machte den Vorschlag, ES in einen Käfig zu stec-ken. Besser noch, ES einschläfern zu lassen. Zum Selbstschutz. Lina wollte ES nicht einschläfern lassen. Lina wollte ES nicht einsperren. Als ES aber immer mehr in ihr Leben eingriff, entschloß sie sich für den Käfig. Einschläfern brachte sie nicht über das Herz. Schließlich lebte ES mit ihr zusammen, seit sie denken konnte. Sie ließ ei-nen großen Käfig anfertigen. Fast zimmergroß. Auslauf sollte ES schon haben. ES wehrte sich, versuchte zu beißen. Aber mit dem großen Holzprügel gelang es ihr doch, ES in den Käfig zu treiben. Anfänglich schrie ES tagelang. Lina wußte, daß sie sich nicht beeindrucken lassen durfte. Überhörte ES. Fütterte und tränkte ES gut. Das Schreien ging ins Greinen und Wimmern über. Damit konnte Lina leben. Ihr Leben leben. Endlich! Es war für beide die beste Lösung.

Im Nebenzimmer war es inzwischen ruhiger geworden. Lina wendete den Fisch. Lauschte nach nebenan. Es war ruhig. Zu ruhig. Irgendetwas stimmte nicht. Sie schob die Pfanne neben die Kochplatte, wollte nachsehen. Der Käfig war leer. Lina überfiel Panik. Rannte in die Küche zurück. Dort stand ES vor ihr. Wirrer Blick im verzerrten Gesicht. Mit dem großen Messer. Lina blieb nur noch Zeit, "Mutter!" zu flüstern.

Falls er Dir gefallen hat, dann stimm' für diesen Beitrag.

zurück

Werbung:

Mitarbeit...
Du willst diese Online-Zeitung mitgestalten? Schick mir Deine Gedichte, Kurzgeschichten, CD-Kritiken, Buchbesprechungen - oder vielleicht ganz was Neues? Erlaubt ist, was Spaß macht und keinen kränkt oder geschmacklos ist.

Schreib', was Dich bewegt: leitner@wiend.at


http://www.wiend.at
E-Mail:leitner@wiend.at