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Christoph Aistleitner

Warten

Sie will mich noch einmal treffen. Sie will mit mir reden. Darüber. Warum es schief gegangen ist. Warum? Ich weiß es nicht. Nicht genau. Es ist ein schöner Tag. Es regnet. Man sieht die Menschen nicht. Sie sind so grau. Unbeholfen stolpern sie übers Pflaster. Stoßen aneinander. Mit ihren Regenschirmen. Ich mag die Menschen heute. Sie sind so hilflos. Es ist zu warm hier. Es ist immer zu warm in der Straßenbahn. Die Dame gegenüber friert. In ihrem Pelzmantel. Sie schweigt. Erst seit der Erfindung der Straßenbahn sitzen sich die Menschen so gegenüber. Ohne zu sprechen. Ohne sich anzusehen.
Sie will mich noch einmal treffen. Wir haben einander nicht mehr gesehen seit – zwei? drei? – Wochen. Ob es ihr gut geht? Was sollte schon groß passiert sein inzwischen? Es ist ja noch nicht so lange her. Ich hatte sie anrufen wollen. Ich war zu – feig? ängstlich? apathisch? Ich weiß nicht mehr. Und dann diese Nachricht von ihr. “Halb sieben. Station Reumannplatz. Müssen reden”. Wir müssen reden. Oft sind wir stundenlang schweigend nebeneinander gesessen. Früher. Stunden. Ohne zu atmen. Nur die Wärme des Anderen fühlen. Wohlfühlen. Mit geschlossenen Augen. Und irgendwann wurde das dann langweilig.
Die Dame steigt aus. Sie hat keinen Regenschirm. Sie wird nass werden. Der Pelzmantel. Sie läuft. Ungeübt. Mit den hohen Schuhen. Wie ein kranker Vogel. Wird nass werden. Es ist zu warm in der Straßenbahn. Es wird dunkel. Ich bin müde. Habe schlecht geschlafen. Es wird früh dunkel. November. Ich möchte schlafen. Ich möchte nach Hause. Ich muss mit ihr reden. Ich fühle mich unwohl. Was soll ich ihr sagen? Was will ich? Mit ihr reden. Wir haben nie miteinander geredet. Wir haben geplappert. Geplaudert. Getratscht. Nie geredet. Ich bin müde. Meine Füße sind nass. Ich habe einen Kieselstein im Schuh. Einen Stein im Schuh. Störend. Darf man vor anderen Leute seine Schuhe ausleeren? Ist vermutlich unhöflich. Unfein. Ich muss reden mit ihr. Es ist kalt draussen. Mit ihr reden. In einem Kaffeehaus. Auf neutralem Boden sozusagen. Zu viele Erinnerungen. Haltestelle. Aussteigen.
Ich steige aus. Es ist kalt. Sie ist nicht da.

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