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Brigitta Mathes

Canyons of my mind

Kommen Sie doch herein. Ja, SIE! Natürlich meine ich Sie!
Ich kann Sie zwar nicht sehen, aber ich spüre, daß Sie da in der Tür stehen. Unschlüssig.
Sie haben gerade einen Fuß in die Tür gesetzt, die Hand noch auf der Klinke, ebenso unschlüssig.
Ich frage mich, ob Sie rein zufällig an meine Tür geraten sind. Schauen Sie aus Neugier hier herein? Oder hat man mich Ihnen empfohlen? Schau doch bei dem einmal vorbei, ein heißer Tip. Nein, nein: Tip, nicht Typ. Ich bin kein heißer Typ, vielleicht war ich einmal einer.
Das werden Sie ja auch bestätigen können, wenn Sie mich so ansehen.
Ah ja, richtig, beinahe hätte ich es vergessen: Sie können mich ja gar nicht sehen.
Ein bißchen Ironie liegt schon drin: ein Voyeur, der nichts sieht.
Sie können mir also nur zuhören. Falls Sie noch wollen. Oder gehen. Auf alle Fälle schließen Sie doch bitte diese Tür, egal ob von innen oder von außen.
Gut. ich weiß jetzt, daß Sie dageblieben sind. Sie lehen dort im Halbdunkel, ich höre Ihren Atem, ein bißchen unruhig. Sind Sie die Treppen heraufgelaufen, oder ist es Ihre Neugier, die Ihren Puls beschleunigt? Egal, Sie wollen es also wissen.
Natürlich hätten Sie mich nicht so eingeschätzt, so wie ich hier an diesem Fenster lehne. Es ist dieselbe graue Designerhose von heute Früh, nur das Sakko habe ich ausgezogen. Zugegeben, das Hemd habe ich gewechselt, nur noch nicht zugeknöpft. Die Krawatte baumelt um den Kragen, ich bin barfuß. Ein halber Manager also.
Wollen Sie was trinken? Whisky? Bourbon? Leider alles lau.
Ich stehe schon seit einiger Zeit hier am Fenster. Hotels sind mein zweites Zuhause. Dieses Fenster unterscheidet sich etwas von den anderen, hohe Flügel, der Lack blättert ab. Obwohl es eine der feinsten Adressen in dieser Stadt ist. Die Atmosphäre ist faszinierend.
Lichter blinken in der Dämmerung, der Südwind trägt die rush-hour bis zu mir hoch...und dann dieser Geruch.....Sie wissen schon, er ist schwer zu beschreiben. Sie nehmen ihn auf, saugen ihn ein, und er läßt es in Ihrem Bauch kribbeln.
In meinem Bauch kribbelt es schon länger und Sie wollten eigentlich wissen warum, stimmts?
Sehen Sie jetzt einmal genau hin, es liegt auf dem Fensterbrett.
Ultraklein, ultraleicht, schwarz, still.
Sein apfelgrünes Display lacht mich frech an. Am liebsten würde ich es jetzt ermorden.
Es wäre ganz einfach. Ich bräuchte es nur aus dem 3. Stock zu werfen. Es würde auf dem Gehsteig aufschlagen und in seine verdammten Einzelteile zerspringen.
Aber es würde auch ihre Nummer in sein elektronisches Grab mitnehmen.
Ja, Sie hören richtig: es ist meine einzige Verbindung zu ihr.
Vorhin habe ich sie aus ihren Träumen geholt, am anderen Ende der Welt sozusagen.
Sie, die ihr "hallo?" schlaftrunken in mein Ohr haucht. Ein einziges "hallo?" und mein Schwanz bezieht Stellung.
Habī ich dich geweckt? Das wollte ich nicht! (Gelogen. Was gäbe ich darum dich zu wecken, an deinem Ohr, ohne meinen kleinen, schwarzen Mittelsmann) Du hast nicht mehr geschlafen, versicherst du mir. Aber du liegst noch im Bett, kuschelig, warm, träge und geil.
Du hast gerade an mich gedacht, versicherst du mir. Dein leichter Seufzer fährt wie ein Stromstoß in meine Lenden.
Du hast Sehnsucht nach meinem Ständer, versicherst du mir. Ich befreie ihn für dich aus seinem Gefängnis.
Was machst du mit deiner freien Hand? (Auch ich bin ein blinder Voyeur, wie Sie!)
Du lachst, und es klingt wie das freche Lachen meines Handys, wenn es still ist.
Lach nicht, bettelt mein strammer Freund, sag mir was du tust.
Sprichst du jetzt absichtlich so leise? Komm, sag es mir! Erzähl mir alles. Wonach du riechst, wie du schmeckst, wie sich deine Haut anfühlt.
Du riechst noch nach Issey Miyake sagst du. (Was gäbe ich jetzt darum, dein kleiner Japaner zu sein, ich würde dich von Kopf bis Fuß einhüllen, wie er.)
Du schmeckst nach dir, sagst du. (Was gäbe ich jetzt darum, mit meiner Zunge jeden Zentimeter deines Körpers zu erschmecken.)
Nimm meine Hand, sagst du.
Sie fährt über dein Gesicht, zeichnet die Kontur deines Mundes. Du küßt meine Fingerspitzen, lädst sie ein, ein wenig zu bleiben. Aber sie wollen weiter deinen Körper erforschen, den Hals entlang, über das Schlüsselbein. Du schnurrst wie eine kleine Katze, räkelst dich, während ich die Hand zwischen deinen kleinen Hügeln abwärts gleiten lasse. Die steifen Nippel drängen sich mir entgegen, dein leise Stöhnen schießt ungestüm in meinen Schwanz.
Du windest dich unter der Hand, die sich weiter abwärts tastet. Aber sie wählt noch den Umweg über deine Schenkel. Dein Atem ist heiß und unruhig. Du ziehst meine Hand ungeduldig in dein feuchtes Paradies. Ich kann mein Stöhnen nicht unterdrücken und will es auch nicht. Du machst mich so heiß, baby!
Hör nicht auf, mach weiter so, flüstert deine Stimme.
Keine Sorge, ich kann sowieso nicht anders.
Ich spüre deine Hand unter mein offenes Hemd gleiten, sie ist kühl wie der Abendwind, der stoßweise beim Fenster hereinweht. Deine Zunge an meinem Hals. Die kühlen Finger massieren meine Brustwarzen. Ich dränge mich an dich, drücke dich gegen die Fensterbank, mein harter Freund würde dich am liebsten gleich aufspießen. Die kühlen Hände wandern abwärts, öffnen Gürtel und Reißverschluß.
Er drängt sich vor wie ein ungehobelter Kunde an der Supermarktkasse.
Du lachst nur, aber am Klang erkenne ich, daß du gleich kommst. Ich sehe es auch am verräterischen Glitzern in deinen Augen.
Ich hebe dich aufs Fensterbrett.
Ja, komm endlich, komm! flüsterst du an meinem Ohr.
Ich spüre dein Vibrieren, dein Zucken. Dein Seufzer jagt mir die Gänsehaut über den Rücken. Du mußt dich am Fensterrahmen abstützen, damit ich dich nicht aus dem 3. Stock bumse.
Du bäumst dich auf, dein Stöhnen an meinem Ohr bringt mich fast um dem Verstand und ich komme gleichzeitig mit dir.
Noch ein kleiner Seufzer, ein kleines Nachbeben in deiner Stimme.
Denk noch ein bißchen an mich, ich wünsch dir einen schönen Abend! sagst du.
Ich wünsch dir einen schönen Tag, baby! Auf bald!

Sehen Sie, und jetzt ist da diese undefinierbare Sehnsucht, diese verdammte Leere.
Ich kenne sie nicht.
Ich kenne nicht einmal ihren Namen.
Ich kenne nur ihre Stimme, und sie ist die vertrauteste und geilste, die ich jemals gehört habe. Der Zufall hat mir ihre Nummer in mein Handy gespielt. Das war vor ungefähr einem halben Jahr.
Und jetzt werde ich mich anziehen, hinunter gehen und mich mit dieser netten, kleinen Blonden zum Abendessen treffen. Ich werde sie mit auf mein Zimmer nehmen, sie gepflegt bumsen und vor dem Frühstück verabschieden.
Und ich werde wieder einmal feststellen, daß keine so spricht, seufzt und stöhnt wie sie.
Ich habe ihre Nummer nirgends notiert, sie ist nur in meinem Handy gespeichert.
Ich bräuchte es nur aus dem 3. Stock zu werfen, und der lächerliche Spuk hätte ein Ende.

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