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Birgit Oldenburg

Kismet-Hand ums Herz

Theoderich Bock hasste seinen Namen. Zum Zeitpunkt seiner Geburt hatte sein Vater gerade eine Doktorarbeit über die Ostgoten abgeschlossen, und vor Erleichterung darüber nannte er seinen Erstgeborenen nach dem damaligen König Theoderich der Große.
Obwohl der Sohn von klein auf Theo gerufen wurde, hatte er seinen Eltern diesen egoistischen Taufakt bis heute nicht verzeihen können!

Weit draußen auf dem Mittelmeer, vor den Küsten Zyperns, räkelte sich Franca nackt auf dem Deck eines gemieteten Motorbootes. Sie sah immer noch blass und überanstrengt aus. Wieder einmal meldete sich Theos schlechtes Gewissen: Warum hatte er nur darauf bestanden, mit dem Auto durch das ehemalige Jugoslawien nach Zypern zu fahren? In Kroatien war zwar Frieden - aber als sie durch Serbien fuhren, nur hundert Kilometer am kriegsgebeutelten Kosovo vorbei - wurde ihm doch etwas mulmig zumute. Als sie am sechsten Tag endlich auf die Fähre nach Famagusta stiegen, sah Franca dort schon aus, als litte sie an einer schweren Krankheit. In diesem Moment hatte er sich geschworen, ihr nie wieder so etwas zuzumuten.

Träge hob sie die Augenlider, sah seinen besorgten Blick und lächelte ihn entschuldigend an. Franca ärgerte sich, dass sie nicht belastbarer war; außerdem hatte sie schon seit Tagen Bauchweh. Durchfall... natürlich!
Theo beugte sich über sie und gab ihr einen Kuss auf die sonnengewärmte Brust.
Franca sprang auf. "Kommst du mit schwimmen?"
”Nein, ich hab keine Lust. Ich pass auf, dass dich kein Hai verschlingt."
”Ach was, die kommen hier doch nur ganz selten vor”, versuchte sie sich Mut zu machen, kletterte die Bootsleiter hinunter, beträufelte sich mit dem salzigen Wasser und bekam sogleich eine Gänsehaut. Kurz entschlossen stieß sie sich von der Leiter ab - und schnappte nach Luft. Das Wasser war eiskalt! Viel kälter als im seichten Küstengewässer.
Dafür war es hier sauberer!
Ihr Körper gewöhnte sich an den Schock und Franca fühlte sich bald wohler in ihrer Haut.
Theo suchte mit zusammengekniffenen Augen die Wasseroberfläche nach verdächtigen Dreiecksflossen ab. Weit und breit nur blankes Geflimmer.
Meer wurde Gestalt...
Aphrodite!?
Er blinzelte...
Franca.
Wie eine Bronzestatue stand sie am Bug. Statt Gänsehaut perlten jetzt kristallklare Tropfen auf ihrem weichen Körper. Theo bekam Plüschaugen, und seine Badehose wurde plötzlich eng. ”Ich könnte dich auf der Stelle vernaschen ”, flüsterte er ihr lüstern ins Ohr und zog sie auf das Badelaken.

Schonungslos brannte die Mittagssonne vom strahlend blauen Himmel als sie aneinandergeschmiegt erwachten. Theo streichelte über Francas Hüfte, bevor er aufstand.
”Ich geh Schnorcheln...!” Er zerrte die Taucherbrille unter einer Taurolle hervor, zog Schwimmflossen an und sprang in die See. Er kühlte sich nie vorher ab. Meerwasser floss dumpf plätschernd in seine Ohren.

Weit unter sich sah er lebhaft gefärbte Seeanemonen. Sardellen schwammen flink zwischen langen roten Korallenarmen hindurch. Über den Sandboden huschten Gespensterkrabben und Garnelen. Als ihm eine rötliche, braun gefleckte Meersau entgegen schwamm, machte er lieber einen großen Bogen darum: Der Stich der Rückenflossenstrahlen war giftig!

Schattenwolken zogen über den Meeresboden. Gab es Wolken, die sich im Zickzackkurs bewegten? Theos Muskeln verhärteten sich. Als er vorsichtig den Kopf aus dem Wasser streckte, sah er den Blauhai!
Und Franca, die wild gestikulierend auf dem Deck herumhüpfte.
Angst schoss in seinen Bauch und verwandelte sich in fühllose Panik. Mit einer unheimlichen Ruhe schwamm er fast lautlos zum Boot zurück. Als er nach der Leiter griff, krachte das untere Ende gegen die Wand.
Ein lauter Knall erschütterte das Boot.
Der Hai schoss heran.
Mit einem Ruck zog Theo sich hoch, hechtete über die Bordkante und prallte auf den glatten Boden. Sofort schnellte er wieder hoch und beobachtete keuchend, wie der spitzschnäuzige, drei Meter lange Hai gegen die Leiter stieß - und wieder ins aufgewühlte Wasser glitt.
Einige Male kreiste er noch um das Boot. Als er endlich davon schwamm, sackte Theo zusammen und wurde leichenblass. Sein ganzer Körper zitterte. Schnell holte Franca das Badelaken, wickelte ihn darin ein und wiegte ihn beruhigend in ihren Armen.

Lazarus, der von Jesus wieder zum Leben erweckt wurde, fand seine letzte Ruhestätte angeblich in Larnaca, der größten Stadt im Südosten Zyperns. Arm in Arm standen Theo und Franca in der Kirche A`yios Lazaros vor dem leeren Sarkophag und zündeten zwei Kerzen an.
Mit immer noch weichen Knien besichtigten sie anschließend das Bezirksmuseum für Archäologie: Funde aus den Ruinen des antiken Kition waren hier ausgestellt.

”Komm Schatz, ich lade dich zu einem Eis ein”, sagte Theo. Auf dem Bistro-Tisch schrieb er eine Postkarte an seine Eltern:
Über Langeweile konnten wir uns bisher nicht beklagen: Auf der Hinfahrt wurden wir fast abgeknallt, ein Hai wollte mich fressen und Franca hatte Durchfall... Wir haben euch viel zu erzählen, wenn wir wieder zu Hause sind.
Und – danke, dass ihr mir das Leben geschenkt habt...

T h e o d e r i c h

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