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Chroniken des schwarzen Mondes – Scavenias Wandel (Ausschnitt)

Wütend fuhr Scavenia herum und funkelte den Weißmagier vor ihr an.
„Du hast es gewagt mich zu hintergehen Shavanon, dafür wirst du büßen!“ brüllte die Schwarzmagierin außer sich vor Wut, und riss mit einer kraftvollen Bewegung ihre große Opferaxt aus dem stabilen Eichenbalken neben ihr. Mit gelbem Glühen in ihren drachenartigen Augen, und einem Zornesschrei auf den Lippen stürzte sie trotz der Anwesenheit ihrer Schwester Orijane auf den Weißmagiermeister zu, und holte mit ihrer gewaltigen Axt aus.
Doch der Magier hatte den Angriff erwartet, und duckte sich geschickt unter der Axt weg. Scavenia konnte das drohende Unheil nicht mehr abwenden, und die messerscharfe Schneide der Waffe grub sich tief in die Schulter Orijanes, die neben Shavanon stand und keine Chance mehr hatte auszuweichen.
Orijane schrie auf, und betrachtete geschockt das Blut das aus der klaffenden Wunde aus ihrer Schulter troff. Klirrend fiel die Axt Scavenias zu Boden, und ein stöhnender Laut entrang sich der Kehle der Schwarzmagierin. Auch in ihren Blicken konnte man Erschrecken und Ungläubigkeit lesen. Ihre Blicke waren auf die heftig blutende Schulter ihrer Schwester gerichtet, und sie stand wie versteinert.
Shavanon war ebenso geschockt, doch er erholte sich schnell wieder, und gab ein Zeichen auf das ein großer Trupp Weißmagier aus seinen Verstecken brach und Scavenia einkreiste.
„Eine Falle.“ murmelte Scavenia teilnahmslos, und mit starr auf Orijane gerichtetem Blick. „Du hast mich in eine Falle gelockt Shavanon. In meinem eigenen Schloss“
Der Weißmagier nickte, und seine Lippen umspielte ein triumphierendes Lächeln. „Bindet sie, und bringt sie nach Myarail – in den Kerker.“ sagte er mit süffisantem Lächeln. Die Weißmagier stürzten sich daraufhin sofort auf die noch immer reglos stehende Schwarzmagierin, und schlugen sie in Windeseile in Fesseln aus geschmiedeten Lichtstrahlen. Scavenia wehrte sich nicht dagegen, sie starrte nur unverwandt die blutende Wunde an der Schulter ihrer Schwester an, um die Shavanon jetzt zu versorgen begann.
Sie stöhnte auf, als sich die letzte der sieben Lichtfesseln die zur Bannung eines Schwarzmagiers nötig waren, schmerzhaft um ihren Hals schloss. Schmerz raste durch ihren Körper, und lähmte sie, ähnlich wie das Entsetzen das sie empfunden hatte als sie ungewollt ihre eigene Schwester verletzt hatte. Sie war Schwarzmagierin, ihre Schwester Lichtmagierin, und somit ihre Feindin, doch die Kraft des Blutes in ihnen war immer stärker gewesen als die konträren Mächte denen sie dienten. Sie hätte ihrer Schwester niemals etwas antun können, und doch hatte sie ihr nun Schmerzen zugefügt.
Sie war noch immer unfähig sich zu wehren, und heftete den Blick weiterhin starr auf Orijane, als sie die Weißmagier aus ihrer Eichenhalle zu zerren begannen. Die Augen wurden ihr verbunden, dann zerrte man sie grob über die Stufen ihrer Burg Neceron, und warf sie anschließend auf einen Pferdesattel, auf dem sie festgezurrt wurde.
Ein harter Schlag auf den Hinterkopf ließ sie in gnädiger Schwärze versinken.

Als sich der Schleier über Scavenias Bewusstsein langsam lichtete, fühlte sie sich von tiefer Finsternis umgeben. Man hatte ihr die Augenbinde nicht abgenommen.
Sie versuchte sich zu bewegen, doch es war ihr unmöglich in den festgezurrten Fesseln auch nur kleinste Bewegungen zu vollführen. Man hatte sie aufgespannt wie einen Schmetterling den man trocknen wollte. Zudem verursachten ihr die sieben Fesseln mit denen man sie gebunden hatte furchtbare Schmerzen, und der Ring den man ihr unbarmherzig fest um die Brust gelegt hatte hinderte sie daran ordentlich zu atmen. Jeder ihrer gequälten Atemzüge wurde mit peinigenden Schmerzen gestraft. Die Zeit schien stillzustehen, und nur noch aus Schmerzen zu bestehen die in geringen Abständen durch ihren Körper zuckten.
Nach einer für sie endlosen Zeit der Pein, hörte sie endlich gedämpfte Stimmen und jemand schien ihren Kerker zu betreten. Undeutlich vernahm sie die spöttische Stimme Shavanos, dann wurde ihr die Augenbinde abgenommen, und sie blinzelte in das schwache Licht der Fackeln.
„Nun, werte Scavenia, wie fühlt man sich so wenn man selbst auf den Foltertisch geschnallt wird?“ fragte Shavanos, und im nächsten Moment zuckte schon ein furchtbarer Schmerz ihre linke Seite hinab. Der Geruch von verbranntem Stoff, und verschmortem Fleisch stieg ihr in die Nase, und erst jetzt realisierte sie was die Weißmagier im Begriff waren zu tun. Sie wurde gefoltert.
Das nächste unangenehme Zischen, und den darauffolgenden Schmerz registrierte sie noch wie in Trance, und war unfähig zu schreien. Doch mit dem dritten Mal in dem sich das Brenneisen in ihre Haut fraß, löste sich der Kloß in ihrem Hals, und sie stieß einen markerschütternden Schrei aus.
Shavanos gebot dem Weißmagier mit dem Brenneisen Einhalt, und beugte sich dann über Scavenia die mit schmerzgetrübtem Blick ins Leere starrte.
„Ein Brandmal für jedes Leben das du ausgelöscht hast.“ Sagte der Weißmagiermeister, und Scavenia fuhr zusammen als die Bedeutung dieser Worte in ihre Gedächtnis drang. „Doch dabei würdest du vermutlich zu schnell sterben. Deshalb sollst du nur, sagen wir einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen was du Anderen angetan hast. Ich will das du es am eigenen Leib verspürst!“
„Fahr zur Hölle!“ fauchte Scavenia, und bemühte sich trotz der quälenden Schmerzen der Fesseln dem Weißmagier ins Gesicht zu spucken. Unbeeindruckt wischte Shavanon die Spucke der Schwarzmagierin aus seinem Gesicht, und trat noch einmal zu der Gefangenen.
„Morgen wirst du anders denken.“ sagte er, halb drohend halb aufmunternd zu ihr.
Die schmerzerfüllten Schreie der Schwarzmagierin begleiteten ihn, als er den Kerker verließ während der Weißmagier die Gefangene wieder mit dem Brenneisen zu malträtieren begann.

„Was geschieht mit ihr Meister?“ ertönte plötzlich eine Stimme hinter Shavanon, als dieser gerade sorgfältig die Tür zu den Kerkergewölben verschloss. Er fuhr herum, und erblickte Orijane, die, ihren verletzten Arm in einer Schlinge tragend, lautlos hinter ihn getreten war.
„Deiner Schwester wird nichts geschehen.“ beruhigte er die sichtlich besorgte Novizin. „Schon Morgen werden wir sie auf den Pfad hin zur reinen Macht des Lichtes geleiten.“
„Ihr meint, sie soll eine von uns werden Meister?“ fragte Orijane.
„Ja, das wird sie.“ sagte Shavanon überzeugt, und legte seinen Arm um die auf wackligen Beinen stehende Novizin. „Du solltest in deiner Kammer sein, und dich ausruhen.“
Die Novizin wollte sich zunächst dagegen wehren, als Shavanon sie sanft über die Treppe zu ihrer Kammer geleiten wollte. Sie ließ es dann doch zu, denn ihre Schwester würde sie Heute ohnehin nicht mehr sehen können. Der Eingang zum Kerkergewölbe war fest verriegelt, und außer Shavanon und den Kerkerwachen besaß niemand einen Schlüssel zu dieser Tür.
„Wann kann ich mit ihr sprechen Meister?“ fragte sie, als Shavanon sie in ihrer Kammer aufs Bett bugsieren wollte. „Morgen. Doch jetzt solltest du schlafen.“ sprach Shavanon, und wartete bis Orijane sich auf ihr Lager gebettet hatte. Er murmelte eine kurze Zauberformel, und Orijane spürte sofort wie ihre Lider bleischwer wurden. Sie wehrte sich nicht gegen die Müdigkeit die mit sanften Händen nach ihr griff, und schlief ein.

Müde, und mit pochenden Schmerzen in der linken Schulter, stand sie am nächsten Morgen neben ihrem Meister Shavanon in einer der unzähligen Hallen Myarails.
Leises Kettengerassel vor dem Eingangstor ließ sie unwillkürlich zusammenfahren. Augenblicke später wurde das Tor aufgestoßen, und zwei Weißmagier geleiteten eine gebeugte, in ein dünnes weißes Gewand gehüllte Gestalt, die sich schwer auf einen Stock stützt, in den Saal.
Orijane sah ihren Meister verwirrt an, als die seltsame Gestalt mit der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze vor sie geführt wurde, und dort auf die Knie gezwungen wurde.
„Es... tut mir leid.“ flüsterte eine schwache Stimme, die Orion als die Stimme Scavenia's, ihrer Schwester, identifizierte. „Was...“ setzte Orijane an, doch Shavanon schnitt ihr mit einer Geste das Wort ab.
„Sehr gut.“ Sagte er laut zu Scavenia, die daraufhin merklich zusammenzuckte und zu Zittern begann. „Bringt sie in die Kammer der Läuterung.“ befahl er „Und sorgt dafür das sie die Stufen zur Turmspitze aus eigener Kraft erklimmt.“ Orijane sah der gebeugten Gestalt zwischen den beiden Magiern nach, und ihr kamen nun erstmals Zweifel an der Edelmut ihres Meisters Shavanon. Das was sie von ihrer Schwester gesehen hatte, das war nicht mehr sie selbst. Sie war in den Saal gehumpelt als hätte sie starke Schmerzen, hatte man sie etwa gefoltert?
Überhaupt war von ihrer ganzen machtvollen Erscheinung nichts mehr übrig gewesen, sie wirkte irgendwie – gebrochen? Und dann noch diese seltsamen Fesseln um ihre Gelenke, Hals und Leibesmitte, sie hatte etwas derartiges noch nie gesehen.
Die sanfte Berührung Shavanons an ihrer Schulter holte sie aus ihren Gedanken, und sie wollte sofort zu einer Frage ansetzen. Doch Shavanon ihren Gedanken erratend, kam ihr zuvor.
„Du wirst dich einige Zeit in Geduld üben müssen, ehe du sie sprechen kannst. Sie wird einige Zeit brauchen um über ihr Tun nachzudenken, und den endgültigen Pfad zur Läuterung zu finden.“ sprach Shavanon beruhigend auf Orijane ein. „Geh jetzt. Wenn deine Wunde verheilt ist, wird auch deine Schwester geheilt sein.“
Orijane nickte langsam, und entfernte sich gehorsam. Doch der nagende Zweifel in ihr blieb.

Einige Wochen gingen ins Land, und auf der Weißmagierburg Myarail nahm wieder alles seinen gewohnten Gang, während Orijanes Schulter langsam aber sicher verheilte. Die Beschäftigungen mit denen man sie eingedeckt hatte, die herbstlichen Kräuter zu sortieren und zum Trocknen aufzuhängen, lenkten sie zusätzlich von ihren Gedanken ab die ständig um ihre Schwester kreisten.
Sie fühlte sich ein wenig allein gelassen, während sie die großen Mengen an Kräutern sichtete, bündelte, aufzeichnete, und sie anschließend in der dafür vorgesehenen Turmkammer zum Trocknen aufhing.
Als sie gerade wieder einmal einige artistische Bewegungen auf der Leiter vollführte um die letzten Kräuterbündel aufzuhängen, fiel ihr Blick auf den gegenüberliegenden Turm mit der Glaskuppel, in dessen oberster Kammer, direkt unter der Kuppel, Scavenia sein musste.
„Orijane! Orijane!“ erscholl plötzlich eine schwache flehende Stimme direkt in ihren Gedanken. Der Kräuterstrauß glitt ihr vor Schreck aus den Händen, und sie klammert sich krampfhaft an der Leiter fest, um nicht zu fallen.
„Scavenia!“ flüsterte sie, und sah sich unwillkürlich in der Kräuterkammer nach ihrer Schwester um. Doch außer ihr befand sich niemand in der Kammer, so wie ganz Myarail zu dieser Jahreszeit verlassen war. Alle Magier nutzten die letzten Wochen der warmen Jahreszeit um ihre Reisen zu tun, und um die Früchte, die das Land ihnen jedes Jahr so reichlich schenkte, zu ernten.
„Orijane!“ flehte die schwache Gedankenstimme Scavenias erneut, und Orijane fiel nun doch fast von der Leiter. Als sich ihr pochender Herzschlag ein wenig beruhigt hatte, stieg sie mit zittrigen Beinen von der Leiter. Sie musste zu ihr.
Ihre Schwester hatte sie gerufen, sie war es ihr einfach schuldig zu kommen. Bevor man sie gefangengesetzt hatte, hatten sie mindestens jede Woche einmal gesprochen. Erst jetzt wurde ihr bewusst das sie Shavanon bereits seit fast zwei Monaten geschickt von ihrer Schwester fernhielt.
Nachdenklich, ohne ein besonderes Ziel, war sie durch die lichtdurchfluteten Gänge Myarails gelaufen, und schließlich vor den Gemächern Meister Shavanons stehen geblieben. Zögernd griff sie nach der Klinke, und drückte sie übertrieben langsam und vorsichtig herunter. Die Tür war nicht verschlossen.
Orijane verschwendete keinen Gedanken daran was sie im Begriff war zu tun, und machte sich sofort auf die Suche nach dem Schlüssel zur Kammer der Läuterung. Sie erinnerte sich vage daran ihn schon einmal gesehen zu haben, er musste golden glänzend sein, und sein Griff hatte die Form einer Sonne. Hoffentlich hatte der Meister ihn nicht mitgenommen! Mit größtmöglicher Vorsicht durchstöberte sie fieberhaft die Kästen und Truhen des Meisters. Jetzt kam es ihr entgegen das Myarail so verlassen war, denn nicht auszudenken wenn man sie beim Durchwühlen der Kammer des Meisters entdeckte. Ihr Blick hellte sich auf, als sie am Boden der letzten Truhe den gesuchten Schlüssel entdeckte. Freudig hob sie den kunstvoll gearbeiteten Schlüssel vor ihre Augen, und betrachtete ihn kurz, aber eingehend. Schließlich ließ sie ihn mit einem Lächeln in der Tasche ihrer Robe verschwinden, und stellte alles zurück in die Truhe, so wie es vorher war. Sie würde nur ein paar Worte mit ihrer Schwester wechseln, und dann den Schlüssel wieder an seinen Platz zurücklegen. Ihr Meister würde es nie erfahren.
Sie schlich sich aus der Kammer, und zog leise die Tür hinter sich zu. Dann atmete sie einmal tief durch, und machte sich auf den Weg zum Turm in dem Scavenia sitzen musste. Als sie so verstohlen durch die Gänge Myarails schlich, da begann sie sich mit einem Mal fremd zu fühlen in der Burg die ihr Zuhause war.
Die Mittagssonne stand hoch am Himmel, als sie auf leisen Sohlen den weiträumigen Burghof überquerte. Sie hätte gar nicht vorsichtig sein müssen, denn außer ihr und den Kerkerwachen befand sich zur Zeit niemand im Schloss der sie hätte zur Rede stellen können.
„Hoffentlich steht Oben keine Wache.“ dachte sich Orijane, als sie mit klopfendem Herzen die Stufen zur obersten Turmkammer hinaufstieg. Sie lugte vorsichtig um die letzte Biegung der Treppe, und atmete erleichtert auf. Keine Wache weit und breit.
Mit einer entschlossenen Bewegung steckte sie den Schlüssel ins Schloss, und drehte ihn herum. Doch sie zögerte die Tür zu öffnen. Was würde sie erwarten? Eine reumütige Lichtmagierin? Eine wahnsinnige Schwarzmagierin, die sich auf alles stürzte das sich bewegte?

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