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Anthalerero

Die Geburt eines Drachen:

„Seht nur, dort hinten!“ rief Kanea. Karok starrte gespannt in die Richtung, in die Kanea wies. Und tatsächlich, aus der Ferne blinkte ein schwacher Lichtstrahl in die stickige Dunkelheit des unterirdischen Labyrinths.
„Hoffentlich ist das der Ausgang.“ murmelte Karok hoffnungsvoll. Der Lichtschimmer wurde heller und heller, je weiter sie den Gang entlang gingen, sie konnten bereits ohne die Kräfte ihrer Mäntel Details zu ihren Füssen erkennen.
Karok wich erschrocken zur Seite, als Kanea einen quiekenden Laut von sich gab und einen Sprung nach rückwärts vollführte.  Schmerzhaft stieß der Gigant mit dem Schädel an die niedrige Decke, und einige Mauerbröckchen rieselten herunter. Karok kicherte und hustete zugleich, weil  aufgewirbelter Staub in seine Kehle drang.
Wieder einmal hatte er Gelegenheit, sich darüber zu amüsieren, welche Angst gewisse kleine Nager bei dem an sich Furchtlosen Giganten auslösten. 
Als sie um eine Biegung des Ganges traten, verstummte Karoks Gelächter jäh.  Ehrfürchtig bestaunte er die riesige unterirdische Halle, die sich seinen Blicken eröffnete. Er konnte kaum fassen welche Pracht sich da vor ihm ausbreitete. Auch Kanea neben ihm, stand mit weit aufgerissenen Augen und staunend offenstehendem Mund in dem prächtigen unterirdischen Dom.
Der Boden, die Wände, die hochgewölbte Decke, einfach alles schein aus gleißendem, edlem  Kristall zu bestehen. Ein geheimnisvolles Feuer im Inneren der riesigen kristallinen Strukturen tauchte den unteririschen Dom in fremd wirkendes, kaum zuordenbares Licht.
Das also war es also, was sie für den rettenden Ausgang gehalten hatten.
Der Schatten, in einen schwarzen, schmucklosen Mantel gehüllt, wirkte in der göttergleichen Pracht dieser Halle auf seltsame Weise integriert. Es schien, als wäre er hier zuhause, als habe das kristalline Felsgemäuer der Halle, in dem sie sich nun befanden, auf Ihn gewartet, und hieß ihn jetzt funkelnd Willkommen.
Karok blickte zu dem noch immer wortlos staunenden Kanea, und fand das dieser - obwohl  er auf gleiche Weise wie der Schatten gewandet war, eher deplaziert wirkte. So schien er sich auch zu fühlen. 
Der Schatten bewegte sich wie hypnotisiert auf etwas in der Mitte des Kristalldoms Befindliches zu. Karok und Kanea folgten ihm mit ihren Blicken, und gewahrten erst jetzt, von wo dieses sanfte und zugleich strenge, grelle und zugleich düstere Licht ausging, das von den Kristallformationen ringsum in abertausenden Facetten reflektiert wurde.
Ihr Staunen steigerte sich schier ins Unermessliche, als sie die etwa einen Meter durchmessende Kugel, die dort auf einem etwas erhöhten Sockel thronte, mit ihren Blicken abtasteten.
Der Schatten stand jetzt direkt vor der geheimnisvollen Kugel, streifte einen seiner Handschuhe ab, und berührte das zauberhafte Ding. Unfähig ihre Blicke von der Kugel zu wenden, sahen sie, wie sich in deren Inneren etwas zu regen begann. Irgendetwas Fremdes, und zugleich Vertrautes, reagierte auf die vorsichtig streichelnden Handbewegungen des Schattens. Er wirkte konzentriert, schien selbst vollkommen gefesselt zu sein von dem unvergleichlichen Anblick, der sich ihm und den übrigen Betrachtern bot. 
Wie magisch angezogen näherten sich auch Karok und Kanea der von Leben erfüllten Kugel. Sie hielten den Atem an, und das Herz drohte ihnen zu stocken, als sie das Wesen erkannten, das sich in deren Inneren vorsichtig, prüfend bewegte. Grazil drehte sich ein etwa einen Meter langes Fabeltier zu ihnen um. Äonenalte Augen, von gelblichen, wissenden Feuer erfüllt, zogen den Blick der Zeugen seiner Geburt in  ihren Bann. Noch waren sie verschleiert - überzogen von jenem Schutz, der als Eihaut Sorge dafür trägt, daß sich Jungtiere die Geschmeidigkeit ihrer Bewegungen aneignen können, ehe sie die letzte schützende Hülle ihres Werdens verlassen.
Das Wesen bewegte sich wieder, und seine geheimnisvollen Augen lösten sich vom Anblick der Umstehenden.
Doch Karok, Kanea, und der Schatten  waren weiterhin unfähig, ihre Blicke von dem Wunder abzuwenden, welches das  Innere der kristallenen Kugel beherbergte.
Zögernd streckten die Drei ihre Hände aus, und berührten das schimmernde Kristall der Eischale.. Die Oberfläche war glatt, wie poliert, und doch fühlten sie eine weder fassbare noch beschreibbare Struktur. Man konnte fühlen wie das Leben in dem darin eingehüllten Wesen pulsierte.  Erwachendes Leben, das nun aus dieser, es ehemals schützenden, jetzt störenden und hinderlichen Hülle entfleuchen wollte.
„Es schlüpft!“ dachte Karok noch, kurz bevor der erste Riss die glatte kristalline Struktur unter seiner Handfläche teilte. Erschrocken zog er seine Hand zurück, und obwohl er zurücktreten wollte blieb er wie angewurzelt stehen, und beobachtete mit staunenden Blicken, wie sich das Wesen seiner beengenden Umhüllung entledigte.
Eine kleine Flamme schoss aus seinem kleinen, zähnestarrenden Maul, befreite den Kopf eines Reptils. Vorsichtig reckte es ihn hinaus ins neue Leben. Es schien ihm zu passen, was da auf es zukam. Risse entstanden, wo sich Pfoten reckten und streckten. Langsam, Stück für Stück kam es zum Vorschein.
„Ein Ei! Es war wirklich ein Ei!“ flüsterte der Schatten .Seine Stimme war von derselben Ehrfurcht geprägt, die auch Karok und Kanea erfüllte.
Neugierig betrachtete Karok  den eleganten, mit schimmernd grauen Schuppen gepanzerten Körper. Zwei feine, mattsilbern schimmernde Hörner schmückten den  Kopf des jungen Drachens, und sein dornenbewehrter Schwanz vollführte elegante schlängelnde Bewegungen. Seine Schuppen und Krallen erzeugten ein schabendes Geräusch, als der Drache den Kopf auf seinen dornigen Schwanz bettete, und ein leises, zufrieden klingendes Knurren hören ließ, ehe er zuerst eine kleine Rauchwolke fabrizierte, und dann eine wunderbar gelungene Flamme. 
Karok lief ein Schauer über den Rücken, als er das unvergleichlich schöne, aber wahrscheinlich gefährliche Wesen, das da vor ihnen thronte, näher zu betrachten begann. Das war also ein Drache, ein echter, lebender Drache!
So, als würde er sich die Gestalten die bei seiner Geburt anwesend waren, einprägen wollen, bedachte das Reptil jeden von ihnen mit einem langen Blick. Schließlich drang ein weiteres zufriedenes Grollen aus seiner Kehle, es schloss die Augen, und schlief ein.
Der geheimnisvolle Zauber der über Karok und Kanea, und wohl auch über dem Schatten, gelegen hatte, erlosch. Mit fahrigen Bewegungen versuchten sie, der Verwirrung zu entgehen, die das soeben Erlebte bei ihnen auszulösen begann.  Die zerborstenen Überreste der Eierschalen leuchteten noch immer in diesem geheimnisvollen Feuer, und erhellten auch weiterhin den Kristalldom, der dieses Licht tausendfach zurückwarf.
Der Schatten bückte sich und nahm ein kaum handgroßes Stück der schimmernden Eierschale an sich, wickelte es in einen Lappen und barg es unter seinem Mantel. Schweigend,  noch immer tief beeindruckt von dem, was sie sehen hatten dürfen, verließen Karok und  Kanea hinter dem Schatten den Kristalldom.
Karok warf einen letzten Blick zurück auf den kleinen schlafenden Drachen, ehe er die Kapuze  über seinen Kopf zog, und im Dunkel einer der staubbedeckten Gänge verschwand.

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