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Anthalerero

Die Nacht der Geister:

Leise strich er durchs Gebüsch um sie auf keinen Fall auf sich aufmerksam zu machen. Vorsichtig zückte er sein Fernglas und rieb die beschlagenen Gläser trocken. Mit einem gierigen Funkeln in den Augen tasteten sich seine Blicke über die perfekt anmutenden Proportionen der dunkelhaarigen Schönheit in dem leichten weißen Sommerkleid.
Aber etwas war nicht so wie immer. Es erregte ihn nicht, nicht vollständig, trotz ihrer Schönheit und Anmut begann er auf einmal zu frösteln, ja, sich sogar angeekelt zu fühlen. Verwirrt setzte er das Fernglas ab und rieb erneut über die schon wieder etwas beschlagenen Gläser.
Auf einmal durchlief ein Schauer seinen Körper, und er glaubte etwas Weißes vorbeihuschen zu sehen. Der Nebel wurde dichter, ein vorüberziehender Fetzen musste ihm etwas vorgegaukelt haben. Er war einer optischen Illusion erlegen. Fröstelnd klammerte er sich an diesen Gedanken, obwohl er längst ahnte das dem nicht so war. Sich immer unwohler fühlend dachte er an die schauerlichen Geschichten von den verfluchten Seelen die ihm die Einheimischen erzählt hatten. In ihrer Nacht, in der Nacht der Geister, würden die verlorenen Seelen ein Blutopfer fordern. Schaudernd erinnerte er sich daran das der Legende nach HEUTE diese Nacht wäre...
Aber der Morgen begann ja bereits zu grauen, kaum merklich lösten die Vorboten der ersten Sonnenstrahlen bereits das Licht des Vollmonds ab.
Was um alles in der Welt hatte ihn zu dieser Stunde hierher getrieben? Es konnte nicht nur diese schlaflose Schönheit am Flussufer sein. Er war gewohnt das ihn sein Trieb in unmöglichste Situationen trieb, doch das war bei weitem die unmöglichste. Irgend etwas an diesem Morgen war unwirklich, falsch. Er selbst fröstelte in einem dicken Anorak, aber die Frau stand barfuss und in einem leichten Sommerkleid dort und nahm keine Notiz von der nebelig-feuchten Kälte die sie umwaberte.
Erneut zückte er sein Fernglas, denn wenn er schon so verrückt gewesen war ihr hierher zu folgen, dann würde er auch mit allen Mitteln versuchen auf seine Kosten zu kommen. Vielleicht würde sie ja schwimmen gehen? Wozu sie natürlich das Kleid ablegen müsste...
Ärgerlich verscheuchte er den Gedanken wieder. Welcher Mensch der halbwegs bei Verstand war würde um diese Jahreszeit in einem eisig kalten Fluss schwimmen wollen?
Plötzlich erregte eine Bewegung jenseits des Flusses seine Aufmerksamkeit. Schon wieder hatte ihm der dichte, wabernde Nebel einen Streich gespielt. Doch er wurde das Gefühl nicht los das es kein gewöhnlicher Nebel war der sich inzwischen immer dicker über dem Fluss zusammenzuballen begann. Es war als wäre er von einer eigenen Art von Leben erfüllt, einer grausamen kalten Art Leben das ihn mit nasskalter Hand umfangen und verschlingen wollte. Wieder verscheuchte er den Gedanken. Das kam davon wenn man drei Nächte lang mit schrulligen alten Einheimischen am Lagerfeuer saß und sich diverse Schauergeschichten anhörte. Nacht der Geister, Blutzoll, Dämonen, jungfräuliches Blut – so ein Unsinn!
Er hatte schon seit jeher eine blühende Phantasie, aber das ging nun wirklich zu weit. An einem nebeligen Herbstmorgen im Gebüsch zu hocken um mit beschlagenen Ferngläsern eine lüstern anmutende Schönheit zu begaffen und sich dabei noch die Gruselgeschichten der Einheimischen bildlich vorzustellen. Vielleicht sollte er seinen Trieb doch einmal behandeln lassen, vorausgesetzt er kam aus dieser immer dichter werdenden Nebelhölle lebendig heraus...
Da, schon wieder! Wieder so eine seltsam lebendige Nebelgestalt! Er fröstelte erneut, als die kalte Nässe in seinen Anorak zu kriechen begann. Wie zum Teufel sollte man bei diesen Temperaturen auf einen Zustand der Erregung kommen?!
Leise verächtlich durch die Nase schnaubend, setzte er das Fernglas wieder an. Die dunkelhaarige Schönheit stand noch immer auf dem Kiesbett am Flussufer, und bewegte sich nicht. Lediglich der wabernde Nebel tanzte um ihr leichtes aufreizendes Kleid, zog daran und ließ es, in bizarren Formen, wirbelnd um ihre glatten Beine spielen.
ZOG daran? Es war windstill! Erschrocken setzte er das Fernglas ab, und rieb sich die Augen. Hatte er jetzt wirklich diese Nebelhand gesehen? Nein. Seine Phantasie musste ihm neuerlich einen Streich gespielt haben. Seufzend und Kopfschüttelnd über seine, an Hysterie grenzende Furcht, hob er das Glas wieder an seine Augen.
Jetzt endlich funktionierte es, er konnte es spüren wie sich sein kleiner Sklaventreiber versteifte, als er seinen Blick erneut über die perfekten Proportionen der jungen Frau schweifen ließ. Die Erregung die ihn ergriffen hatte schmerzte schon fast, und er begann zu schwitzen. Speichel troff aus seinem Mundwinkel, und seine Augen begannen fast aus ihren Höhlen zu quellen.
Mein Gott, war das eine Frau! Und jetzt vollführte sie auch noch eine kokette Drehung, bei der ihre perfekt geformten Beine aus dem Schlitz ihres Kleides hervortraten.
Er stöhnte leise. Was für eine Frau! Und jetzt begann sie auch noch zu Tanzen! Es gab kein einziges Geräusch, selbst die Zeit schien stillzustehen, als sie begann ihre bloßen Füße zum Tankt einer unhörbaren Musik zu bewegen.
Langsam, unendlich langsam begann sie die Träger ihres Kleides zu lösen. Sein Herz begann zu hämmern, und in seinen Adern pochte das Blut, als sie die feine Stoffhülle langsam von ihrem Körper gleiten ließ. Gleichsam wie ein Ding das nicht mehr gebraucht wurde, wie eine Schlange die ihre alte nutzlose Haut abstreifte. Und ihre Bewegungen waren schlangenhaft. So perfekt, so harmonisch wirkte dieser Tanz, im Einklang mit der stummen Melodie des dichten Nebels.
Er bemerkte längst nicht mehr das er in glitschigem Sumpf saß, oder das der Speichel weiterhin aus seinem lustvoll verzerrten Mund troff. Er sah nur mehr den anmutigen Tanz, und die perfekte Schönheit des makellosen Körpers der ihn aufführte.
Und der Nebel wurde dichter, und dichter. Wie mit zerfransten Pranken begann er nach dem Körper der Frau zu greifen, ihn sachte zu umschmiegen, ihn zu liebkosen. Wie feinste und kostbarste Seide woben sich Nebelschleier um den tanzenden Körper, hüllten ihn sachte ein, und ließen doch die unbedeckte Schönheit durchschimmern.
Mein Gott, mein Gott. So Perfekt! In seinem kleinen Sklaventreiber pochte das Blut. Warme, zähe Flüssigkeit begann seine Schenkel hinabzukriechen. Er bemerkte es nicht einmal, so gefangen war er von der Frau in den Nebelschleiern.
Jetzt waren es tatsächlich Gestalten die dem Nebel entsprangen, und die Frau zu liebkosen begannen. Ihre körperlosen Finger strichen über ihre anmutigen Brüste, wanden sich um ihre grazilen Beine, und spielten mit ihrem offenen Haar.
Wie Sklaven, hündisch ergeben und ihr verfallen, begannen die Nebelgestalten sich ebenfalls im Rhythmus der stummen Musik zu wiegen. Wie in einem Reigen tanzten sie um die Schöne, streiften sacht an ihr vorbei, und wirbelten ihre Haare und ihr Kleid aus Nebelschleiern durcheinander.
Wie aus einer anderen Wirklichkeit trat plötzlich ein makellos schöner Jüngling aus dem Nebel. Die körperlosen Gestalten warfen sich vor der Erscheinung auf die Knie, und begannen die Nebelhände zu ringen.
Der Jüngling, in denselben feinen Kleidern aus Myriaden schimmernder Wassertröpfchen gehüllt, trat auf die Frau in den Nebelkleidern zu. Er nahm ihre Hand, begann mit ihrem Haar zu spielen, zeichnete mit seinen zarten Händen die Wölbung ihrer Brüste nach, legte seine Hand um ihre schlanke Taille, und küsste sie.
Küsste sie! Abrupt wurde er in die Wirklichkeit zurückgerissen. Vorbei die Erregung, verflogen die Lüsternheit die ihn noch vor wenigen Augenblicken in ihren sanften Klauen hatte.
Angst stieg plötzlich in ihm hoch. Die Nebelgestalten waren keine Einbildung seiner hyperaktiven Phantasie, und auch der Jüngling stand dort wahrhaftig. Lähmende Angst zuckte durch seinen Körper, und machte ihn vollkommen Bewegungsunfähig. Und die Beiden TATEN ES! Ohne Scheu und ohne Scham vereinten sie sich am Ufer des eiskalten Flusses. Die Nebelwesen führten einen wilden Tanz um die Beiden auf, und streifte über ihre vor Erregung dampfenden Körper, sanft, um sie zu kühlen.
Ekel begann in ihm aufzusteigen, und er wusste nicht warum, beinahe war er soweit sich zu übergeben. Wie absurd! Doch die Angst schnürte ihm die Kehle zu, und hielt den aufsteigenden Kloß in seinem Hals an seinem Platz.
Seite an Seite gingen der Jüngling und die junge Schönheit auf das kristallklare Wasser des Flusses zu. Die Kleider aus Nebelschleiern lösten sich von ihren Körpern, und verschwanden, kehrten zurück in die wabernden Nebelwände aus denen sie entstanden waren, als das Paar langsam in den eiskalten Fluten versank.
Ihm stockte der Atem, sein Herz setzt einen Moment aus, und er hätte beinahe aufgeschrieen, wenn ihm nicht die Angst die Kehle zugeschnürt hätte, als eine furchtbar anzusehende gehörnte Gestalt aus den kalten Fluten sprang.
„Euer Opfer!“ sagte der Gehörnte zu den Nebelgestalten, und diese eilten gierig, mit freudigen Sprüngen über den eisigkalten Fluss, zu der Stelle an der die Frau versunken war.
Der gehörnte Dämon! Der Wächter der verlorenen Seelen! Das Blutopfer! Eine eisig kalte Hand griff nach seinem Herzen, als er sich der Legender der Einheimischen erinnerte. Jedes Jahr verlangte der gehörnte Wächter beim drittletzten Vollmond des sterbenden Jahres eine Jungfrau, als Blutopfer für die verlorenen Seelen die er im Laufe des Jahres gefangen hatte. Die Nebelwesen tauchten wieder aus den Fluten, besudelt vom Blut des Opfers. Sie warfen sich wieder vor dem Gehörnten auf die Knie, und auf eine energische Bewegung des Dämons hin, schwebten sie in seine Richtung. Auf einmal ließ ihn die Lähmung aus ihren Klauen, und er stürzte mit einem lauten Schreckensschrei davon.
Die Nebelgestalten, und allen voran ihr furchtbarer Wächter, und Quäler, der gehörnte Dämon, verfolgten ihn. Mit rasendem Puls und angstverzerrtem Gesicht rannte er durch die sumpfige Landschaft. Er blickte sich kurz um, und sah die hässliche Fratze des zottigen Wesens bereits dicht hinter ihm. Keuchend vor Erschöpfung und Angst watete er durch Sumpflöcher, und übersprang tückische Wurzeln die überall aus dem Boden ragten. Auf einmal fiel er unvorbereitet in ein sumpfiges Loch, und ein stechender Schmerz schoss seinen linken Fuß empor.
Stöhnend drehte er sich um, und sah den gehörnten Dämon über sich stehen. Furchtbar starke Pranken packten seine Schultern, bohrten sich durch die dicke Jacke schmerzhaft tief in sein Fleisch, und zerrten ihn aus dem Loch. Er wurde wie ein Spielzeug in die Höhe gehoben, und grässliche gelbe Zähne näherten sich seiner Kehle.
Plötzlich erinnerte er sich des alten Kreuzes, das er von seinem Großvater geschenkt bekommen hatte. In panischer Angst fischte er es aus der Tasche seines durchweichten, schmutzstarrenden Anoraks, und drückte es mit der Kraft der Verzweiflung in die hässliche Fratze des Gehörnten.
Ein schmerzgequälter Aufschrei wurde laut, und der von einer Sekunde auf die Andere war der Spuk vorüber. Die Nebelgestalten zerflossen, und verbanden sich mit dem dichten Nebel der das Sumpfgebiet noch immer in seinen Klauen hielt.
Stöhnend wollte er sich aufrichten, aber sein Bein strafte ihn dafür mit fürchterlichen Schmerzen, und er sank zurück in die kalte Pfütze in die ihn der Dämon bei seinem Verschwinden fallen gelassen hatte.
Aber er musste aus diesem verdammten Nebel heraus! Er hatte keine Lust auch nur noch eine Sekunde an diesem verruchten Ort zu verweilen. Er biss die Zähne zusammen, und schleppte sich auf allen Vieren voran.
Erst am späten Abend erreichte er, vollkommen erschöpft und von Oben bis Unten mit klebrigem Schlamm bedeckt, sein Hotel. Eine Gruppe Polizisten erwartete ihn, man hatte ihn also schon vermisst und einen Suchtrupp zusammengestellt. „Sind sie Jürgen Bachsteiger?“ fragte einer der Polizisten. Er nickte.
„Kannten sie Nadja Petroschka?“ Er nickte abermals erschöpft.
Warum fragten sie das jetzt? Warum wollten sie wissen ob er die rassige Schönheit kannte die der Dämon geholt hatte? „Wo waren sie heute?“ Das war nun eine ausgenommen dämliche Frage, sah man ihm das nicht an? Er gab keine Antwort. Einer der Beamten zog einen weißen, blutbesudelten Fetzen aus einem Sack. Das zerfetzte Ding sollte wohl einmal ein Sommerkleid gewesen sein.
„Kennen sie dieses Kleid?“ fragte der Polizist.
„Ihr Kleid!“ murmelte er.
„Wir haben es am Ufer des Flusses gefunden, nebst einer Menge Blutspuren und Fußabdrücken, Herr Bachsteiger. Die Leiche der Frau, die dieses Kleid heute Morgen getragen hat, wurde vor wenigen Stunden unten am Damm gefunden, mit eindeutigen Spuren einer Vergewaltigung. Und sie, Herr Bachsteiger, waren zu der fraglichen Zeit zweifellos in den Sümpfen! Man hat sie gesehen wie sie einer weiß gekleideten Frau gefolgt sind.“ sagte der Beamte. „Würden sie mir bitte ihren Zimmerschlüssel zeigen?“
„Mein Zimmerschlüssel...“ murmelte er, und begann in den Taschen seines vollkommen durchnässten Anoraks zu kramen. Hektisch fingerte er mit seinen klammen Fingern in den schlammgefüllten Taschen herum, doch der Schlüssel war nicht da. „Ist es zufällig dieser hier?“ fragte der Beamte, und hielt einen Schlüssel mit einem klobigen Anhänger in die Höhe. „Sie haben unseren Informationen zufolge Zimmer 13 gebucht?“
„Zimmer 13, ja. Das ist mein Schlüssel.“ sagte er, und wollte dankbar nach dem Schlüssel greifen, doch der Beamte zog seine Hand wieder zurück.
„Dieser, ihr Schlüssel, wurde an jener Stelle gefunden, an der man auch das Kleid, sowie Spuren die von einen Kampf stammen, gefunden hat. Da sie das Indiz erkannt haben, ist die Beweislast eindeutig.“ sagte der Polizist, und winkte einen Kollegen zu sich.
Verständnislos blickte er die Beamten an, als die Handschellen um seine Gelenke klickten.
„Ich verhafte sie wegen Mordes an Nadja Petroschka...“

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