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Alexandra Pichler

Einfach ein bisschen offen sein

Frühmorgens, wenn ich gezwungen bin, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren, könnte mir die gute Laune, unter der ich eigentlich fast permanent leide, fast schon vergehen! Weil ich nicht gerne arbeite? Weil ich nicht gerne morgens aufstehe? Nein, weil ich die ganzen miesepetrigen, schlechtgelaunten Gesichter rund um mich sehen muß, die alle total „z'wider“ sind und man das Gefühl bekommen muß, dass offensichtlich ganz Wien außer mir an mindestens einem Magengeschwür leidet. Warum ist es den Menschen nicht möglich, wenigstens hin und wieder ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht zu zaubern? Warum empfindet es offenbar jeder als so entsetzlich, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen, warum sind sie nicht einfach froh, einer Arbeit nachgehen zu können, und mit „können“ meine ich nicht nur rein geistig, nicht nur die Tatsache, nicht arbeitslos zu sein, sondern einfach fähig sein, arbeiten zu können. Vielleicht sollten gerade Sie einmal darüber nachdenken, wie es denn wäre, wenn Sie ein unüberwindliches körperliches Problem hätten? Was wäre wenn Sie an einem Gebrechen leiden würden, das es Ihnen unmöglich macht, auch nur einen einzigen Schritt zu tun? Wie glücklich wären Sie dann darüber, wenn Sie auch nur einen einzigen Tag in die U-Bahn einsteigen dürften, und zu einer Arbeit fahren könnten, gleich ob sie Ihnen Spaß macht oder nicht! Stellen Sie sich vor, sie wären an ein Bett gefesselt – und das nicht im lausbübischen Sinne! -, und könnten all die kleinen alltäglichen Dinge, die das Leben ausmachen, nicht verrichten. Ist es nicht eigentlich irgendwie schön, sich täglich frühmorgens über seine Lieben zu ärgern, denn wie schrecklich einsam wäre es denn, wenn es gar niemanden gäbe, über den man sich ärgern könnte?

Wobei wir schon beim nächsten Thema wären: Toleranz. Nicht nur im morgendlichen Stress, auch im alltäglichen Leben kann ich kaum jemanden finden, der Toleranz wirklich lebt. Vielleicht kann ich mich von diesem Vorwurf nicht einmal ausnehmen! Wenn ich sehe, wie alte Herrschaften niedergerempelt werden, kleine Kinder mit ihren schweren Schultaschen einfach von der Menge mitgerissen werden, und Menschen, die vielleicht einen Stock benötigen, halb umgestoßen werden, könnte mir schon schlecht werden. Warum können wir nicht wenigstens ein solch geringes Maß an Mitgefühl aufbringen, dass wir einfach den anderen, wenn auch unbekannten Menschen, neben uns einfach leben lassen können? Warum ist der Mensch so ignorant, dass ihm nichts schnell genug gehen kann, und er jedes Hindernis aus dem Weg räumen muß? Ist es wirklich nur die Angst, die U-Bahn zu versäumen, sie kommt doch ohnehin alle zwei Minuten!!! Gut, Sie haben recht, zu guter Letzt kommen Sie dann noch zu spät zu der verhassten Arbeit, doch kommt es wirklich auf zwei Minuten an? Sie uralte Frau vor Ihnen, der Sie schon ungeduldig auf die Füße treten, hat ein langes Leben hinter sich, und Sie sollten immer im Hinterkopf behalten, dass gerade sie das Recht hat, ein bisschen langsamer zu sein, als unsere ganze schnelle, wilde, bunte, schrille Welt. Und wer weiß, wie viele Tage sie noch vor sich hat? Könnten Sie es für sich selbst verantworten, wenn eben diese alte Dame nach einem hasserfüllten Blick von Ihnen vielleicht ausgerechnet an diesem Tag das zeitliche segnet, und dass gerade Ihr Blick das letzte ist, was ihr durch den Kopf geht, bevor sie am Abend friedlich in ihrem Bett einschläft und morgen nicht mehr erwacht? Nein, das könnten Sie nicht verantworten, also seien Sie doch wenigsten so geduldig, dass Sie in Kauf nehmen, einfach eine Bahn später zu fahren, wer weiß für was das gut sein kann? Vielleicht entgleist ja gerade die Bahn, die Sie versäumt haben?

Nun denn, dann wünsche ich noch einen recht schönen guten Morgen heute!

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