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Anthalerero

Das weiße Buch Antarsis

Prolog

1. Traumbotschaft

Der Junge stand am Brunnen, und neben ihm eine graue, vom Scheitel bis zur Sohle verhüllte Gestalt.
„Was siehst du?“ fragte eine weiche, von uraltem Wissen erfüllte Stimme.
Der Junge beugte sich über den, mit weißen und schwarzen Steinen mosaikartig eingefassten Brunnen, und blickte auf der spiegelglatten Oberfläche des Wassers in sein eigenes Spiegelbild.
„Ich sehe mein Spiegelbild, sonst nichts. Warum?“ fragte der Junge.
„Sieh näher hin!“ forderte ihn die geheimnisvolle Gestalt auf.
Der Junge beugte sein Gesicht tiefer über den glänzenden Spiegel des Wassers, bis seine Nase die Oberfläche berührte. Symmetrische Kreise breiteten sich von der Stelle die er berührt hatte aus, und brachten das ruhige Wasser in Bewegung. Der Junge hatte seinen Kopf wieder zurückgezogen, und beobachtete nun wie sein Spiegelbild durch die sich ausbreitenden Wellenkreise verzerrt wurde, und langsam verschwamm. Gleichsam wie flüchtiger Morgennebel löste sich sein Spiegelbild auf, und machte tiefer bläulicher Dunkelheit Platz, als sich das Wasser langsam wieder beruhigte.
„Was siehst du?“ fragte die weiche, wissende Stimme erneut.
Der Junge hielt den Atem an, und starrte gebannt in den Brunnen, als aus dem Dunkel ein verschwommenes, nicht klar erkennbares Ding auftauchte. Schimmerndes Metall drang aus dem unförmigen Nebelgebilde, und ein herrlich verziertes Schwert eröffnete sich den staunenden Blicken des Jungen.
„Ich sehe ein Schwert!“ rief er „Ein kostbares Schwert, mit silberner Klinge und einem Heft aus Gold!“
Die Augen des Jungen hingen gebannt an der spiegelglatten Wasseroberfläche, als sich das Schwert langsam zu drehen begann. Licht brach sich auf der schimmernden Klinge und dem reich verzierten Heft, und wurde in abertausenden schillernden Facetten in alle Richtungen reflektiert. Langsam füllte das Licht die Dunkelheit aus, und das Schwert wurde plötzlich von einer geheimnisvollen Kraft tief in den Boden getrieben, den es zuvor mit seinen Strahlen erhellt hatte. Das Schwert erglühte von innerem Feuer, und das Licht begann so stark zu pulsieren, das der Junge geblendet seine Augen schließen musste. Als er sie wieder öffnete war das Schwert verschwunden, und an der Stelle wo es in den Boden gefahren war erkannte er drei tief vermummte Gestalten, die miteinander zu sprechen schienen. Heftige, verärgert anmutende Gebärden zeugten von einem beginnenden oder bereits im Gange befindlichen Streit.
Die mittlere der mysteriösen Gestalten warf plötzlich etwas auf den Boden, und der Junge erkannte einen hölzernen Würfel mit Runensymbolen.
„Ein Würfel!“ rief der Junge, und blickte auf.
„Sieh!“ sprach die geheimnisvolle Gestalt mit ein wenig befehlendem Unterton, und der Junge wendete sich gehorsam wieder dem Brunnen zu.
In dem ruhig daliegenden Wasser sah er die drei Gestalten würfeln.
Die rechte Gestalt warf als erstes den Würfel, und dieser zeigte die Rune des Lichtes.
Daraufhin nahm die linke Gestalt den Würfel auf, und warf. Als der Würfel zur Ruhe kam, da zeigte er die Schattenrune. Die in der Mitte stehende Gestalt, die den Würfel hervorgezogen hatte, nahm selbigen nun auf, und würfelte ebenfalls. Der Würfel zeigte die dem Jungen unbekannte Rune der Einigkeit, und die drei Gestalten nickten zustimmend.
Der Würfel erhob sich mit einem Mal, wie von Geisterhand getragen, in die Lüfte.
Staunend sah der Junge wie die drei Gestalten ihre Hände auf den schwebenden Würfel legten, und dessen Runenschnitzereien zu erglühen begannen.
Wie ein Windstoss bliesen die hellen Strahlen die Gewänder der seitlichen Gestalten von deren Körper, und der Junge konnte nun erkennen wen die weiten Kutten verborgene hatten.
Zur Rechten der noch immer verhüllten mittleren Gestalt, stand nun ein goldgelockter Jüngling in weißem Gewande, mit edlen und ebenmäßigen Gesichtszügen, dessen hellblaue Augen uraltes Wissen wiederspiegelten.
Zur Linken der geheimnisvollen dritten Gestalt eröffnete sich der Blick auf eine, in düsteres Schwarz gekleidete Jungfrau, deren nachtfarbene Augen in einem, von harten Zügen beherrschten Gesicht, ebenfalls von äonenaltem Wissen sprachen. Der Würfel strahlte heller und heller, und in einer plötzlichen Explosion teilte sich sein Licht in drei strahlende Blitze, die auf die drei konträren Gestalten zurasten.
Feurig brannte sich die Rune des Lichtes in das edle Gesicht der rechten Gestalt, und Nimáel, der Gott des Lichtes, war geboren.
Dunkel und unheilvoll zeichneten die Strahlen des Würfels die Schattenrune auf die harten Züge der linken Gestalt, und Sarahl, die Göttin des Schattens, war geboren.
Schillernd tauchte der letzte Blitz in die verhüllende Kapuze der dritten Gestalt, die dem Jungen nicht bekannte Rune der Einigkeit verschmolz mit dem verborgenen Gesicht der Gestalt, und Araín, der göttliche Richter, war geboren.
„Götter!“ hauchte der Junge, und ein Schauer glitt über seinen Rücken.
Der Würfel begann langsam zu verglühen, und der Junge sah das es nunmehr kein Würfel mehr war der inmitten der drei Gestalten schwebte, sondern eine schwach rot schimmernde Kugel.
Die Hände der neugeborenen Götter streckten sich der Kugel aus erkalteter Lava entgegen, und unter ihren magiegetränkten Händen begann sie zu wachsen. Größer und größer wurde die Kugel, bis sie schließlich die gesamte Wasseroberfläche ausfüllte.
Von atemberaubenden Staunen erfasst beobachtete der Junge wie die Hände der Götter Nimáel und Sarahl Ozeane und Kontinente erschufen, und sie mit von ihnen geschaffenen Lebewesen besiedelten. Zufrieden mit ihrem Werk wandten sie sich von der neugeschaffenen Welt ab, und begannen Himmelskörper zu formen die über die neue Welt wachen sollten.
Nimáel formte eine gleißende Kugel aus reinem Licht, und bestimmte sie zum Wächter über den Tag. Sarahl tat es ihm gleich, und erschuf den sterbenden und wiedererstehenden Mond, als Wächter über die Nacht.
Der Richter trat hinzu, besah das vollendete Werk, und fand das etwas fehlte. So schuf er nach dem Bilde der Götter Nimáel und Sarahl einen Mann und eine Frau, die er auf die entstandene Welt entsandte, und sie zu Richtern, einenden Personen der konträren Mächte die diese Welt erschaffen hatten, bestimmte. Seine göttlichen Hände gaben den beiden Menschen die er erschaffen hatte ein unabhängiges Bewusstsein, er erlaubte ihnen sich Pflanzen und Tiere dienlich zu machen, und bat sie über die Welt zu wachen und ihr einen Namen zu geben.
Und die Menschen nannten sie Antarsis, und gelobten die Götter die sie erschaffen hatten, zu ehren.
Ebenfalls zufrieden mit seinem Werk, wandte sich nun auch der Richter ab, und begab sich zur Ruhe.
Die Menschen vermehrten sich, und wie Araín es gesagt hatte, dienten ihnen Pflanzen und Tiere. Sie lebten in Frieden zusammen, und ehrten die Götter die ihnen das Geschenk des Lebens gegeben hatten.
Doch bald keimten Neid und Missgunst auf, und die Menschen begannen die Welt in Schatten und Licht, Gut und Böse, Schwarz und Weiß zu teilen, anstatt sie als Ganzes zu anzunehmen Selbst die Einigkeit der Götter sprengten sie, denn durch die Macht die die Götter in die Erschaffung Antarsis' eingebracht hatten, waren sie nun von ihrer Schöpfung abhängig. Die Menschen riefen die Götter nun getrennt an, und stifteten durch ihren eigenen Streit Zwist unter den Göttern. So kam es das Nimáel und Sarahl in den Krieg eingriffen, und einigen wenigen Menschen die Macht der Magie gaben. Doch die Menschen wussten dieses Geschenk nicht zu schätzen, und fuhren fort sich zu bekriegen.
Auch Sarahl und Nimáel stritten nun, hoch über den Köpfen der Menschen, am Firmament um die endgültige Herrschaft über Antarsis. Licht erhellte die Schatten die Sarahl entstehen ließ, und Schatten verdunkelte das Licht das Nimáel schuf.
Als der Richter wieder erwachte, war er schockiert in welches Chaos Antarsis durch den Zwist der Götter gestürzt worden war. Wutentbrannt verbannte er Nimáel auf den gleißenden Himmelskörper der Sonne, und schleuderte Sarahl auf ihr eigenes Gestirn, den Mond. Er schuf klare Grenzen für Tag und Nacht, und selbst die Menschen teilte er in zwei Gruppen, die er jeweils auf einen Kontinent verbannte.
Zufrieden mit der Aufteilung begab er sich wieder zur Ruhe.
Sarahl und Nimáel hielten sich an die Grenzen die der Richter gezogen hatte, und auf Antarsis kehrte wieder Friede ein. Doch die Menschen waren enttäuscht von ihren Göttern, und begannen sich von ihnen abzuwenden. So schmolz die Macht Sarahls und Nimáels, die von ihren Schöpfungen abhängig waren, immer mehr, bis ihr Einfluss schließlich von Antarsis schwand.
„Was...“ murmelte der Junge, und blickte zu der grau verhüllten Gestalt, die unbeweglich neben ihm stand.
„Sieh!“ forderte der geheimnisvolle Fremde erneut, und der Junge wandte sich abermals dem Brunnen zu.
Zutiefst entsetzt wollte er sich abwenden, doch etwas hielt seinen Blick fest, und er musste das flammende Inferno betrachten das nun aus der glatten Oberfläche des Wassers leuchtete. Etwas zwang ihn das Leid und die Vernichtung zu sehen die erneut über Antarsis gekommen war. Er wollte schreien, doch etwas schnürte seinen Hals zu. Er wollte fliehen, doch etwas verankerte seine Beine im Boden.
So plötzlich wie ihn die Vision überkommen hatte, verschwand sei auch wieder, und er blickte in klares dunkles Wasser.
Er hielt die Luft an, als feurige Buchstaben über einer verwüsteten Landschaft auftauchten.
Wenn Dunkel und Licht sich bekämpfen
Die Mächte geschaffen sich zu ergänzen
Versinkt Antarsis in Flamme und Verderben
Wird das Schwert neu geschmiedet werden

Die flammenden Buchstaben über dem Firmament tauchten das verwüstete Land in gespenstisches Licht, und der Junge sah ein rostiges, zerbrochenes Schwert mit verbogener Klinge und geborstenen Heft.
Mit angstgeweiteten Augen wandte er sich ab, und blickte die graue Gestalt an. Faltige Hände näherten sich der grauen Kapuze, und der Fremde enthüllte sein Gesicht.

Schweißgebadet schreckte der Erzmagier hoch, und blickte sich gehetzt um.
„Nur ein Traum! Zum Glück!“ dachte er erleichtert, und ließ sich mit klopfendem Herzen wieder auf sein Lager zurückfallen.
„Aber womöglich eine Warnung der Götter! Ich werde Morgen, gleich nach der Zeremonie, mit den Meistern sprechen.“ dachte er noch, ehe er, erschöpft von seinem quälenden Traum, in einen bleiernen, traumlosen Schlaf fiel.

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