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Unsicherheit und Verlangen
von Markus

Wir saßen uns eine Weile schweigend gegenüber.

"Gefalle ich Dir denn gar nicht?" fragte sie mit für der sie in solchen Situationen typischen, tonlosen Stimme, die einen unbeteiligten Eindruck hätte vermitteln können, wenn da nicht dieser tieftraurige Blick in ihren großen braunen Augen gewesen wär. Ich hatte diesen Blick zuletzt vor zwei Monaten gesehen, als wir uns nach fast 10 Jahren wiedergetroffen hatten.

Wir kannten uns von der Schule her, hatten aber nie viel miteinander zu tun gehabt und wie mit den meisten aus dieser Zeit, war auch mit ihr jeder Kontakt verloren gegangen.

Vor zwei Monaten hatte ich sie auf dem Parkplatz des Supermarktes erstmals wiedergesehen. Ich war dabei, meinen Einkaufswagen zu meinem Auto zu schieben, als ich rechts von mir eine weibliche Stimme ziemlich unfein fluchen hörte. Ich sah in die Richtung und erblickte eine junge Frau, der eine Einkaufstüte gerissen war und die nun die verstreuten Waren ziemlich umständlich in den geöffneten Kofferraum ihres Wagens lud. Noch während ich darüber nachdachte, ob dieser kleine Unfall die Hilfestellung eines Gentleman erforderte, drang in mein Bewußtsein, daß die Hand, die aus dem unbeteiligt herunterhängenden rechten Ärmel ihres Mantels hervorschien, ganz offenbar aus Kunststoff war.

Sie hatte gemerkt, daß sie jemand ansah. Sie blickte auf und ich erkannte sie trotz der langen Zeit sofort. Ihr Gesichtsausdruck wechselte im Bruchteil einer Sekunde von "ärgerlich-gernervt" zu "überrascht-erfreut" - und ein klein bißchen Verlegenheit war wohl auch mit dabei. Ich trat die zwei Schritte zu ihr heran, ging in die Hocke und begann ihr beim einsammeln der am Boden liegenden Einkäufe zu helfen, wobei ich die Begrüßung auf ein "Hallo, wir haben uns aber ewig nicht gesehen" und ein aufgesetztes Lächeln beschränken mußte, weil die durcheinanderwirbelnden Emotionen in meinem Kopf erst mal eine Phase der Ordnung beanspruchten. Ihr ging es wohl ähnlich, denn ihrem unvermeindlichen "hallo" folgte ein mehr zu sich selber gemurmeltes "es gibt Tage, da geht einfach alles schief". Dabei vermied sie es mich anzusehen, nur um im mich im nächsten Moment doch erschreckt anzuschauen und hastig hinzuzufügen:"Damit meine ich natürlich nicht Dich, sondern die Bescherung hier."

Die "Bescherung" war schnell beseitigt und als ich den Kofferraum ihres Autos zuklappte und sie ansah, war unser beiderseitiges Lächeln zwar immer noch verlegen, aber das Eis gebrochen. Ihren höflichen Dank für die unverlangte Hilfe quittierte ich mit dem Vorschlag, in einem nahegelegenen Café einen ebensolchen trinken zu gehen, falls sie etwas Zeit habe und Lust über alte Zeiten zu plaudern. Nach kurzem Zögern stimmte sie zu und auf dem Weg dorthin wurde mir erst richtig klar, daß sie mir heute noch viel besser gefiel als damals, wo sich kein Junge aus unserer Klasse an sie rangetraut hatte, weil sie einen älteren Freund mit einem Auto hatte und uns im Vergleich dazu wohl noch für Kleinkinder hielt. Mehrfach mußte ich meinen Blick mit Gewalt von Ihrer Armprothese losreissen. Meine Gedanken diesbezüglich konnte ich einfach nicht in den Griff bekommen und ich versuchte sie zu verdrängen.

Im Café kamen wir schnell auf alte Zeiten zu sprechen und dann auf die Geschehnisse der dazwischen liegenden Jahre. Ich erzählte von mir und sie von sich. Es sprudelte nicht grade aus ihr heraus, aber ich mußte auch nicht viel fragen. Sie erzählte mir von dem Unfall beim Schlittschuhlaufen, dem im Grunde genommen harmlosen Bruch im Ellbogengelenk, die Operation im Krankenhaus, die ein ärztlicher Gutachter später als "überflüssig" bezeichnet hatte und die Infektion, welche dabei entstanden war, die sie an den Rand des Todes geführt und schließlich die Amputation auf halber Höhe des Oberarms notwendig gemacht hatte. Sie verschwieg auch nicht die geplatzte Verlobung, den Abbruch ihrer Ausbildung und den aufreibenden Kunstfehlerprozeß, der schließlich mit einem Vergleich und einer lausigen Schadenersatzzahlung geendet war. Dabei sah ich erstmals kurz diesen traurigen Ausdruck in ihren tiefgründigen Augen, der mir mehr als alle Worte einen Eindruck von dem vermittelte, was sie mitgemacht hatte.

Trotzdem schien sie weder verzweifelt noch pessimistisch und schilderte mir ihren jetzigen Job als Übersetzerin sowie die schöne neue Wohnung, die sie vor kurzem bezogen hatte, um der erdrückenden Fürsorge ihrer Mutter endlich zu entgehen. Stolz erklärte sie mir, so gut wie alles selber zu können und ich sparte nicht mit Anerkennung, obwohl ich mir bei manchem einfach nicht vorstellen konnte, wie es mit einem Arm zu bewerkstelligen sei.

Wir verabredeten uns für das nächste Wochenende und dann wieder und nocheinmal und telefonierten fast jeden Tag miteinander. Am Abend unserer ersten Verabredung hatte sie sich von mir mit einem Kuß auf die Wange verabschiedet. Dabei war es bisher geblieben. Heute waren wir erstmals fein Essen gegangen. Ihre Prothese hatte sie irgendwann mal zu Hause gelassen und mir erklärt, diese nur aus kosmetischen Gründen zu tragen, wenn ihr die Blicke der anderen Leute unerträglich schienen. In meiner Gegenwart fühlte sie sich aber "sicher" und wenn es mir nichts ausmachte, würde sie auf das Ding lieber verzichten. Ich versicherte ihr geschmeichelt nichts dagegen zu haben und war stolz darauf, daß mich der Anblick des leeren Ärmels ihrer Kleidung nicht stärker irritierte als es die Plastikhand vorher getan hatte.

Als das Essen kam fragte der Ober sie dezent, ob er das Fleisch für sie schneiden dürfe. Sie lehnte dankend ab und meinte, daß "wir damit schon selber klar kämen". Unser Gespräch war unterbrochen und in die Stille fragte sie dann auf die für sie typische tonlose Art, in die weder Vorwurf noch Aufforderung noch sonst ein Gefühl hineinzuinterpretieren war "Möchtest DU mir nicht das Fleisch schneiden?" Ich hatte Angst, den Eindruck fehlender Aufmerksamkeit entstehen zu lassen und antwortete: "Gerne, aber ich wollte nicht aufdringlich sein, für den Fall daß Du es selber kannst." Da sah ich zum ersten Mal eine neue Art Lächeln ihre Mundwinkel umspielen, als sie mir dezent amüsiert und vielsagend entgegnete:"Vielleicht kann ich es selber. Aber wer sagt, daß ich es selber können will?"

Der Abend verlief so harmonisch und romantisch wie alle anderen bisher auch. Als ich sie später nach Hause brachte, lag jedoch eine gewisse Spannung in der Luft. Ich kam noch auf ein Getränk zu ihr rein, was ebenfalls nichts Neues war. Aber es entstand keine entspannte, freundschaftliche Unterhaltung wie sonst. Sie wirkte anders - zunehmend enttäuscht, resigniert - fast ein wenig abweisend.

Ich überlegte, ob und was ich vielleicht falsch gemacht haben könnte. Ich bin nie ein Draufgänger gewesen, aber sie war weiß Gott nicht die erste Frau in meinem Leben. Ich hatte mir vom ersten Tag an oft die Frage gestellt, ob was "aus uns werden könnte" und nie auch nur eine Sekunde ernsthaft mit "nein" zu antworten gedacht. Ich war schwer verliebt in sie, aber es war ganz anders als ich es je erlebt hatte. Ich hatte bisher jede Sekunde ihrer Gegenwart genossen und ich begehrte sie auch körperlich wie nie eine Frau zuvor, aber gleichzeitig erschien sie mir zerbrechlich wie ein Porzellanengel und ich hatte panische Angst, sie durch Zudringlichkeit zu verschrecken. Hinzu kam, daß ich mir nie im klaren war, wie sie zu mir stand. Ihre liebevolle Freundlichkeit war für meine Begriffe immer so unverbindlich gewesen, daß ich nie sicher war, ob ich nicht nur eine Art Bruder oder platonischer Freund für sie sei, mit dem man halt etwas unternahm, weil beide sonst nicht gebunden und ohne Beschäftigung waren.

Ich muß zugeben, bei jeder anderen Frau wäre ich früher oder später weiter gegangen, ganz einfach um Klarheit über deren Gefühle zu erlangen, aber bei ihr war ich diesbezüglich wie gelähmt, was uneingestandenerweise wohl damit zusammenhing, daß die Tatsache ihrer Behinderung immer noch als großer, unbekannter Faktor für mich im Raum stand.

Und als ich grade wieder einmal davon überzeugt war, dies sei der Moment an dem ich mich verabschieden müßte, stellte sie diese Frage, die mich bis ins Mark traf und auf die ich sie am liebsten sofort in meine Arme genommen hätte, wenn nicht eine unsichtbare Kraft dem entgegen gestanden wär.

"Gefalle ich Dir denn gar nicht?"

"Du weiß, ich habe Dir schon oft gesagt, wie sehr Du mir gefällst"

"Ja, aber außer den Worten und daß Du sehr lieb und aufmerksam mir gegenüber bist ...- Ich meine: Das könnte ich auch von meiner Mutter sagen."

Ich rang vergebens nach Worten, also fuhr sie fort:

"Habe ich den Eindruck erweckt, ich wollte geheiratet werden, bevor ein Mann mich küssen darf? Sie machte eine rhetorische Pause. "Oder ekelst Du Dich vor meinem verstümmelten Körper?"

"Nein, ganz bestimmt nicht," platzte es hastig aus mir heraus. "Es ist nur so... ich bin mir meiner Gefühle Dir gegenüber so sicher wie bei keiner Frau zuvor... aber ich bin völlig hilflos in Deiner Nähe."

Ich war glücklich, daß erstmals wieder ein Lächeln über ihr Gesicht huschte.

"Mir geht es nicht viel anders. Ich bin schon mehrfach auf Männer getroffen, die meinten ich sei ein gutes Opfer für ein schnelles Abenteuer, weil ich nicht wählerisch sein darf. Ich bin aber wählerisch. Ich nehme ihnen nicht übel, daß sie nur Sex mit mir wollten. Das ist okay, wenn es beiden Partner klar ist. Ihre Einstellung mir gegenüber ist aber ein Demütigung, die ich nicht akzeptieren kann."

Sie wartete, ob ich etwas entgegnen würde und fuhr dann fort:

"Ich weiß auch wie es ist, wenn sich jemand für mich interessiert und ihm alles aus dem Gesicht fällt, sobald er meine Behinderung erkennt. Ich muß damit Leben, daß es Männer gibt, die damit nicht zurechtkommen. Auch das ist für mich kein Problem, denn es gibt ebenso genügend Männer, mit denen ICH um keinen Preis etwas anfangen würde."

Ihre entschlossene Stimme wurde leiser.

"Letzten Sommer hatte ich einen netten Mann kennengelernt. Er schien sehr souverän im Umgang mit meiner Behinderung. Ich hatte mir gedacht, daß es an diesem Abend passieren würde. Ich war besorgt, wie es sei, wenn er mich zum ersten Mal unbekleidet sieht. Wir gingen tagsüber ins Freibad - das habe ich seit meiner Amputation nur ein paar Mal gemacht. Als ich aus der Umkleidekabine kam und er mich zum ersten Mal sah, wußte ich daß etwas nicht stimmte und ich ahnte was passieren würde. Eine Weile später erzählte er mir, daß er einen Anruf auf seinem Handy erhalten habe, und an diesem Abend kurzfristig weg müsse. Er brachte mich später nach Hause und versprach, am nächsten Tag anzurufen. Er rief mich aber nicht an, sondern nach zwei Tagen bekam ich einen Brief von ihm, in dem er mir erklärte, es könne nichts aus uns werden und es läge nicht an mir sondern an ihm. Ich hatte noch keine feste Vorstellung, wie weit es mit uns gehen würde. Aber ich war wirklich überzeugt, daß bei diesem Mann mein fehlender Arm keine Rolle spielte. Sein Verhalten hat mich daher wirklich getroffen."

Sie blickte mich an und obwohl ihre Stimme wieder fester wurde, sah ich die Tränen in ihren Augenwinkeln.

"Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel Vertrauen und Zuneigung zu einem Mann entwickelt zu haben wie zu Dir in den letzten beiden Monaten. Niemals zuvor habe ich von einem Mann soviel Wärme und Rücksichtnahme entgegengebracht bekommen, ohne daß es auf mich den Eindruck pflichtbewußten Mitleides oder überflüssiger Bemutterung gemacht hat. Seit unserem ersten Abend sehne ich mich danach, von Dir in die Arme genommen zu werden, Zärtlichkeit zu geben und Zärtlichkeit zu empfangen. Ich habe aber furchtbare Angst vor Deiner Reaktion, deshalb habe ich Dir das bisher nie deutlicher gezeigt. Du hast es in der Hand mich so glücklich zu machen oder so zu verletzen, wie nie ein Mann zuvor."

Wir schluckten beide. Eine Träne kullerte ihre Wange herab und zog eine Spur verlaufenen Liedschatten hinter sich her. Ich nahm mein Taschentuch, wischte sie ab und mußte lächeln, weil sie nun ein wenig wie ein trauriger Clown aussah. Dann gab ich ihr einen vorsichtigen Kuß auf den Mund.

"Was kann ich tun, um Dir zu beweisen, daß ich Dich liebe?"

"Wir können es nicht ewig hinausschieben - möchtest Du jetzt sehen, was von meinem Arm übrig geblieben ist?"

"Ja, das möchte ich" sagte ich sanft aber entschlossen.

"Dann mußt Du schon selber nachschauen." Sie lächelte hilflos. "Ich habe keine Probleme mich vor Dir auszuziehen, denn ich habe eine gute Meinung von meinem Körper, aber dies..."

Ich setzte mich neben sie aufs Sofa. Sie wandte sich mir zu und ich begann ihre Bluse aufzuknöpfen, was nicht besonders schwer war, da es sich um Druckknöpfe handelte. Darunter wurde ein hauchzartes Hemdchen sichtbar - einen BH trug sie offenbar nicht. Ich öffnete den schmalen Gürtel ihres Rockes, um die Bluse besser daraus hervorziehen zu können, dann zog ich die Bluse von ihrem linken Arm und dabei fiel sie auf der anderen Seite von alleine herab.

Ich weiß nicht was ich erwartet hatte zu sehen. Ich sah den Arm einer für mich wunderschönen Frau, der nur eine handbreit unterhalb der Schulter schon wieder aufhörte. Eine sichtbare aber nicht aufdringlich-entstellende Narbe bildete an der Spitze seinen Abschluß. Vielleicht war er etwas dünner als der andere Arm an vergleichbarer Stelle.

Mit meiner linken Hand faßte ich den Armstumpf an, legte ihn in meine Hand und hob ihn vorsichtig hoch. Mit der rechten streichelte ich zärtlich von oben darüber. Es war die gleiche warme und weiche Haut, die man zu fühlen wünscht und erhofft, wenn man eine geliebte Frau berührt. Ich führte meine Lippen heran und bedeckte ihn mit zärtlichen Küssen von der Spitze, über die Schulter bis zu ihrem Hals. Sie atmete hörbar aus. "Sieh was Du angerichtet hast" flüsterte sie und lenkte meinen Blick auf ihre Brüste, deren Spitzen sich durch ihr Hemdchen deutlich abzeichneten. Dann küßten wir uns leidenschaftlich.

Wir zogen uns aus und liebten uns zärtlich. Als ich ihren Körper mit allen Sinnen erforschte, kehrte ich ein ums andere Mal zu ihrem Armstumpf zurück. Zum einen um ihr zu zeigen, daß ich absolut nichts abstoßend daran fand und zum anderen, weil es sehr schön war sie dort zu berühren. Einmal fragte ich besorgt, ob ihr das unangenehm sei aber sie schüttelte nur heftig den Kopf und konnte vor Verlangen kein Wort herausbringen.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte lag sie an meiner rechten Seite, mir zugewandt und an mich gekuschelt. Sie hatte ein Bein zwischen meinen verschlungen und ihr Armstumpf lag auf meiner Brust. Mein rechter Arm war unter ihr begraben und kribbelte fürchterlich. Aber ich wollte sie nicht wecken und begann mit meiner Linken ihren Armstumpf zu kraulen. Sie machte ein Auge auf, seufzte und kuschelte sich fester an mich. Nach einem Moment grunzte sie schlaftrunken:

"Magst Du meinen Armstumpf?"

Ich zögerte. Würde ich ihn "mögen" dürfen? Das Symbol für den Teil ihres Lebens, der unwiederbringlich zerbrochen war? Die permanente Erinnerung an Schmerzen, Ablehnung und Hilflosigkeit, die sie erfahren hatte und teilweise immer noch erfuhr?

"Ich mag alles an Dir", antwortete ich diplomatisch.

"Du weichst mir aus", durchschaute sie meine Taktik.

"Ja, ich mag ihn", gestand ich unsicher. "Sogar mehr als ich es mir selber erklären kann."

"Das ist gut", kam es zufrieden zurück. "Er ist zu nicht viel zu gebrauchen und wenn Du ihn magst hat er wenigstens eine Aufgabe mehr." Ich konnte ihr schelmisches Lächeln sehen ohne sie anzuschauen.

"Ich habe befürchtet, Dir wäre es schon zu viel, wie sehr ich daran herumspiele."

"Das wird kaum passieren. Viel mehr werde ich Dich hemmungslos dazu mißbrauchen, ihn häufiger mal ordentlich zu massieren. Das tut nämlich gut. Streicheln und Küssen ist auch nicht schlecht. Zwar ist das nicht soooo erotisierend wie manche andere Stelle, aber dafür dafür gibt es mir unglaublich viel, wenn ich sehe wie sehr Du etwas von mir magst, für das ich mich bisher eigentlich immer nur geschämt habe. Andere Männer haben das bisher eigentlich immer weiträumig umfahren, selbst wenn es sonst den Eindruck gemacht hat, daß ich ihnen gefalle."

Ich schwieg in Gedanken versunken.

"Woran denkst Du?", stellte sie die weibliche Standardfrage.

"Ich denke daran, wie sehr ich mir falsche Vorstellungen gemacht habe, als ich Dich kennenlernte. Ich hatte Angst, wie die Liebe mit Dir sein würde. Jetzt kann ich mir nichts besseres mehr vorstellen. Ich hatte Angst, mich überfordert zu fühlen, wenn Du wegen Deiner Behinderung Hilfe benötigst. Jetzt bin ich fast enttäuscht, wie WENIG Hilfe Du brauchst."

Sie kicherte ins Kopfkissen.

"Ich bin total unselbstständig und hilflos, wenn ich will." Sie knabberte an meinem Ohrläppchen. "Du wirst Dein blaues Wunder erleben, wenn Du Dich wegen meiner Eigenständigkeit beschwerst. Ich habe da noch eine Jeans im Schrank, die ist so eng, daß ich selbst mit zwei Armen noch einen Helfer zum an- und ausziehen brauchen würde. Und Schuhe zubinden ist auch nicht meine Lieblingsdisziplin, weshalb ich meistens welche ohne Schnürsenkel trage. Das heißt aber nicht, daß ich keine mehr hätte. Und viele andere Sachen habe ich zwar alleine zu tun gelernt, was aber so umständlich ist, daß ich einen willigen Sklaven der mich von vorne bis hinten bedient durchaus zu schätzen wüßte."

"Wo ist diese Jeans? Auf daß ich sie Dir anziehe und gleich darauf wieder vom Körper reiße" meinte ich verlangend schnaufend.

"Das wäre nun wirklich ein typisch männlicher Umweg", entgegnete sie lüstern, und dann liebten wir uns wieder. Diesmal wild und leidenschaftlich.



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