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Alltag raus, Österreich rein ..... mitten rein

Eigentlich wusste ich ja schon immer, dass Werbung das Hirn zermürbt, aber diesmal muss ich irgendetwas völlig missverstanden haben. Auf jeden Fall habe ich Österreich rein gelassen, ein Kurzurlaub sozusagen. Mit allen Stärken und Schwächen dieser kleinen „Ausstiege“ zwischendurch. Meine Kenntnisse über dieses Land beschränkten sich bisher auf das Dorf „Hollersbach“ – der Himmel weiß, wo das ist, in das ich als Kind von meinem Stiefvater jedes Jahr aufs Neue zwangsverschleppt wurde. Und wie habe ich das gehasst! Fast so wie meinen Stiefvater. Auf den Film „ Das Schloss am Wörthersee“ – in diesem Fall übrigens mehr als passend. Und auf einen vierzigjährigen Österreicher, den es an die Nordsee verschlagen hatte und der mich im zarten Alter von 19 Jahren für 4000,-- für sein Puff in Cuxhaven rekrutieren wollte. Ich fand schon damals, dass sei weit unter Wert (obwohl, man muss sich mal die Honorare zu dieser Zeit verdeutlichen) – deswegen habe ich abgelehnt. Ein Kriterium für dieses Angebot war übrigens mein Hintern, zu der Zeit mindestens 15 Pfund schwerer als heute – allein der, vom Gesamtgewicht wollen wir mal gar nicht reden.

Seit einigen Tagen weiß ich nun, dass Hintern generell für Österreicher ein Kriterium zu sein scheinen. Nun gut, wahrscheinlich nicht nur für die, aber Männer anderer Nationen haben an mir immerhin auch noch Anderes entdeckt. Nun würde das eine Völkerverständigung und den Abbau meiner Vorurteile nicht unbedingt verhindern (ich mag ihn ja auch – den Po, manchmal scheint er mir gar besser in Form zu sein als ich). Aber kaum lässt Frau es zu, sich von einem Kaiserschmarrn erschlagen und von einem Tafelspitz erlegen zu lassen, müssen sämtliche Vorurteile bestätigt werden. Schmäh, Arroganz, Oberflächlichkeit.

Nun gut, Mädel, sei fair. Erstens: Du wolltest es auch. Zweitens: Was hast du erwartet? Drittens: Was kann der arme Kerl dafür, dass du auf einmal auf die Idee kommst, er müsse dich wenigstens mal anrufen? Du bist 47 Jahre alt geworden und weißt, dass Männer Sexualität anders sehen als du. Wohlgemerkt als du, es gibt genug Frauen, die damit kein Problem hätten. Du holst dir einen Mann ins Bett, und genau das hast du getan, mitten in einer Stressphase. Deine Wohnung sieht aus wie Sau, dein Bett hat Spiegel und Tigerfelle, dein Kleid ist eine Frechheit, und dein Benehmen aufgesetzt cool. Aus welchem Grund bitte schön glaubst du, du seist weitere Gedanken wert?

Natürlich bist du es, aber das kann der arme Mann doch nicht wissen. Der weiß doch nicht, was ihm entgeht. Trotzdem hypnotisierst du das Telefon. Nur das Telefon ist resistent gegen jegliche Form von Telepathie. Du meditierst, das hat nach Amerika funktioniert (Amerika: was für ein Mann, was für eine Leidenschaft, er schreibt dir heute noch emails, Jahre später! Und was für welche, ersetzt teilweise den Live-Event), aber Österreich liegt offensichtlich jenseits aller Grenzen der Spiritualität. Man könnte es natürlich mit banaler Telekommunikation versuchen, aber daran hindert einem zu einem der Stolz, zum anderen die Rücksichtnahme auf Frauen, Freundinnen oder was sonst noch existieren könnte.

Rücksichtnahme ist ein wundervolles Stichwort. Die ist nämlich nicht Jederfraus Sache. Wissen solche Männer eigentlich, welches Risiko sie eingehen? Man hat ihre Adresse, Telefonnummer und was weiß ich was. Aber offensichtlich gucken die Herren keine Filme, egal was sie beruflich machen. Einmal Clenn Close sein – gut, ich würde alle Kaninchen und Hunde am Leben lassen, aber ansonsten....? Einmal richtig böse sein! Der gekränkten Eitelkeit so richtig freien Lauf lassen! Tyrannisieren, hassen und Intrigen schmieden. Traumhafter Gedanke, leider jenseits jeglicher Realität. Jedenfalls für mich.

Nein, lieber sitze ich hier und hypnotisiere schon wieder vergeblich das Telefon. Nebenbei, meine Eitelkeit ist nicht gekränkt. Ich fühle mich blendend, habe die Ausstrahlung einer Fruchtbarkeitsgöttin (das könnte es sein! Fehlt mir auch gerade noch!), und bin noch nicht einmal sauer. Ich bin nur fassungslos, ungläubig. Seit dreißig Jahren übe ich – meist mit Begeisterung – den Geschlechtsverkehr aus. Achtzehn dieser dreißig Jahre war ich Single. Und nie habe ich einen Mann ausgenutzt, glaube ich jedenfalls, ist ja relativ. Da kommt was zusammen, vor allem, weil es eine Zeit vor Aids gab. One-Night-Stands gab es in dieser Zeit nur drei, den „Österreich-Urlaub“ eingerechnet. Und die anderen beiden waren es nur, weil ich es so wollte. Die haben angerufen!!!

Man mag es glauben oder nicht: Bisher gab es keinen Mann, der sich nicht hinterher gemeldet hätte. Meistens schon nach zwei Tagen, spätestens nach vier. Mal telefonisch, mal per Post, mal per Fleurop. Und das ist das Problem, ich kann es einfach nicht fassen, dass mir so etwas das erste Mal in meinem Leben passiert: Der Kerl meldet sich einfach nicht.! Das kenne ich nur von Freundinnen, das kenne ich nur aus Filmen. Das kann nicht sein, das ist nicht wahr! Ich kann nicht so nachgelassen haben. Ich werde doch immer besser! Menschlich, wohlgemerkt. Anders wär´s auch kaum noch möglich (Spaß: Sexualität war für mich nie Leistungssport!)

Nun ja, zurück zu Österreich und zu Vorurteilen. Irgendwie muss bei Mister Wonderful im Stammbaum ein Texaner dazwischen geraten sein. Wer sonst, außer ein US-Amerikaner würde es fertig bringen, sein Kaugummi auf den Nachttisch zu kleben? Hübsch zerkaut und hübsch zusammen gerollt. „Darling, denk an mich und träum von mir.“ Ich hätte ja am nächsten Tag aus Dankbarkeit daran weiterkauen können. Falls nichts anderes zum Kauen da gewesen wäre. Oder war es ein Zeichen für den Nächsten? Nein, sehr weit hergeholt, so weit denken Männer selten.

Er hat übrigens wirklich geglaubt, ich hätte dieses Kleid für ihn und wegen ihm angezogen. Das befriedigt mich nun sehr. Reingelegt, mein Lieber! Ein wenig zu viel Selbstgefälligkeit und Selbstüberschätzung. Ich habe dieses Kleid an diesem Tag getragen, weil ich eine andere Frau ausstechen, einen Unterschied deutlich machen wollte. Leider ist die Nachricht überall angekommen, nur nicht da, wo sie sollte. So ist das Leben! Und außerdem fühl ich mich in dem Fummel tierisch wohl!

Von wegen Nachrichten. Da fahre ich also mit meinem Dauerverhältnis nach Hause, eben nicht nach Hause, ihn zu sich und mich zu mir. Und erzähle noch, dass ich wahnsinnig angebaggert worden bin. Und was höre ich dann? „ Unvorstellbar, Blödsinn, du spinnst doch“. Glück für das kleine Land Österreich. Wie hätte es sonst gegen den Freistaat Bayern eine Chance gehabt. Anderenfalls wäre ich nämlich alleine ins Bett gegangen. Ohne Kaugummi, ohne „du wolltest mich doch von Anfang an“, ohne anschließendes Denken „ruf mich doch wenigstens mal an, du kleines österreichisches Miststück“.

Mr. Dauerverhältnis-X. hat anscheinend erst am nächsten Tag was gemerkt. Jedenfalls wurde er plötzlich gleichermaßen zum sensiblen Schäfchen wie zum wilden Stier. Also, was beklage ich mich?: Zwei Nächte und mehr Orgasmen als manche Frauen in 25 Jahren Ehe. Nur – und damit wären wir beim Anfang – zu jedem Hintern gehört auch ein Kopf. Und mein Kopf – darauf bin ich stolz und darauf bestehe ich – ist noch weitaus wertvoller.

Das Dumme ist nur, Österreich hat Charme. Österreich ist nicht dumm. Österreich macht eine gute Figur. Kurzum – Österreich ist gar nicht so uninteressant wie man glauben sollte.

Im Moment allerdings warte ich auf mail von meinem Taxifahrer. Ja tatsächlich! Der, der mich von der Werkstatt abgeholt hat, die jetzt viertausend Mark von mir will, weil ein österreichischer Gebrauchtwagenhändler in Norddeutschland mich beschissen hat. So schließt sich er Kreis.

Es mag am Sommer liegen, an den Kleidern oder an mir. Er hat mich sofort als seine Traumfrau erkannt (der Taxifahrer, und ansonsten glaube ich auch alles, was man mir erzählt, logisch!). Zur Zeit müsste ich keine Nacht auf einen Anruf warten. Im Moment ist das Blut überall heiß und die feuchte Wärme liegt nicht nur in der Luft. Die Sache hat nur einen Haken: Diese Form des ausgebucht Seins liegt mir nicht. Mir reicht´s – ich liebe mich lieber wieder selbst, bin ohnehin die einzige, die meinen Wert richtig einzuschätzen weiß. Und es gibt noch einen zweiten Grund, nicht weiter zu suchen: Österreich hat sich verdammt gut angefühlt, auch wenn es vielleicht einmalig war, oder gerade deshalb. Und Bayern ist wahnsinnig liebenswert, auch wenn ich aufgrund der Umstände darüber nachdenken sollte, ob ich mir nicht auch dafür zu schade bin. Mehr kann mein kleines Herz auf einmal nicht verkraften. Und mehr brauche und will ich auch nicht.

Mal abgesehen davon, dass im Norden Deutschlands ein wundervoller Mensch sitzt, mit dem ich noch immer verheiratet bin, der sich sicher vieles denkt, aber nichts daraus macht. Mit dem ich nicht mehr zusammen leben kann und er nicht mir mir. Der, genauso wie ich, keine normale Ehe mehr führen will oder kann, aber der für mich immer da sein wird, wenn es nötig ist, genauso wie ich für ihn. Das wissen wir beide ganz sicher. Das bedarf keiner Verträge, Zusicherungen oder Trauscheine. Ein Mann der, und das ist so schade an der Entwicklung, der Einzige ist, der mich als Person jemals ganz begriffen hat. Die Frage wäre nur, ob deswegen das Zusammenleben nicht klappen konnte? Es gibt Gefühle, die enden nicht und sind wertvoller als Verliebtheit oder Sex. Worüber also sollte ich mich beklagen?

Also: „Alltag raus“. Österreich jemals wieder rein? Ich lege eine Woche Frist drauf. Frauen sind so herrlich inkonsequent, ich liebe meine Inkonsequenz! Ich liebe es, ich liebe mich. Und nebenbei, ich glaube noch immer nicht, dass dies der erste Mann ist, der sich nicht mehr bei mir meldet. Obwohl, einmal ist immer das erste Mal. Sollte er es sein, o.K., vielleicht muss ich auch über diese Erfahrung dankbar sein, aber eine kleine Gemeinheit dazu wird mir einfallen. Denn, nebenbei, was denkt ein Mann, mit dem man nachts noch diskutiert, dass man sich immer zwei Mal im Leben trifft, wie das zweite Mal aussehen soll?

P.S. : Die Woche, die ich draufgelegt habe, ist vorbei. Ich bin auf das „zweite Mal im Leben“ sehr gespannt, und dieses zweite Mal wird sich nicht vermeiden lassen. Ansonsten bin ich mehr als entspannt. Denn das Leben ist lebenswert, die Liebe auch, und Konflikte gibt es schon genug, man muss sie nicht künstlich erzeugen.

PPS: Natürlich ist das alles mehr als ungerecht, denn meine Kenntnisse aus und von Österreich beruhen auch auf dem wunderbaren Kontakt und der wunderbaren Offenheit im Rahmen einer Recherche für ein Buch, das leider nie realisiert wurde. Dem wunderbaren Kontakt zum Webmaster und Autor dieser Website, den ich schätzen und mögen gelernt habe. Und bei dem ich mich in den letzten Monaten viel zu selten gemeldet habe, da mein Leben seit einem Jahr von vorne bis hinten auf den Kopf gestellt worden ist.


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