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Endlich Zeit für mich

Ich bin keine überzeugte Hausfrau. Ich habe mir - ehrlich gesagt - meinen beruflichen Wiedereinstieg einfacher vorgestellt. Ich hatte mir fest vorgenommen, sobald beide Kinder in den Kindergarten gehen, wieder halbtags zu arbeiten. Ungünstige Kindergartenöffnungszeiten, viele Ferientage und unkooperative Großeltern haben meine Pläne zunichte gemacht, und ich habe mich mit meiner Rolle als Hausfrau für die nächsten paar Jahre abgefunden. - Wie gesagt, ich bin keine Vollbluthausfrau von der jede Schwiegermutter träum, aber ich mache das Beste aus meiner Situation. Zumindest habe ich mir das fest vorgenommen.

Meiner besten Freundin geht es ähnlich. Wir telefonieren oft, um unseren Hausfrauen- und Mutterfrust loszuwerden. Keine freie Minute seit fast sechs Jahren. Keine Zeit zum Essen, Schlafen, Lesen, Aufräumen, Fernsehen, Schreiben, Freunde treffen, Kochen.... Doch das soll sich jetzt ändern: "Noch drei Monate,...noch sechs Wochen..., in zwei Wochen...", so beginnen fast all unsere Gespräche auf die Frage: "Na, wie geht's?" Bald gehen auch unsere Jüngsten in den Kindergarten und dann fängt das gemütliche "Hausfrauendasein, um das uns so viele berufstätige Frauen und natürlich auch unsere Ehemänner so beneiden, endlich an. "Endlich Zeit für mich...!, lautet unser Motto - und das haben wir uns ja auch wirklich verdient.

Dann endlich der heiß ersehnte Tag. Beide Kinder folgen der Kindergärtnerin ohne Tränen und Geschrei in ihren Gruppenrum. Ich atme auf, seufze erleichtert und laufe - beide Hände frei - zum Auto. Musik volle Lautstärke - ich bin allein. Zuhause rufe ich sofort meine Freundin an: "Na, wie geht's?" "Endlich Zeit für mich", jubelt es aus dem Hörer "Gleich morgen werden wir ins Kaffeehaus gehen, einen Einkaufsbummel machen, Schwimmen gehen oder Joggen" - ich überschlage mich fast vor Eifer. Dann setze ich mich zu einer gemütlichen Tasse Tee und lausche der fast unheimlichen Stille im Haus. Herrlich, so entspannt war ich seit Jahren nicht mehr. Ich blinzle durch das große Blumenfenster in die Morgensonne. DA! Zwei schmierige Fingerabdrücke - nicht mehr ganz frisch, wie lange ich die wohl schon übersehen habe? Ich durchstöbere sofort mein Putzkästchen nach dem Fensterreiniger. Was für ein Durcheinander - das muß unbedingt gleich aufgeräumt werden. Aber zuerst das Fenster - und auch die große Glastüre - so viele Fingerabdrücke von nur zwei Kindern. Nach den Glasscheiben gönne ich mir eine kurze Verschnaufpause, lege den Kopf in den verspannten Nacken und .. sehe einige Spinnweben um den Leuchter wehen! Nein, was bin ich doch schlampig! Eben keine gute Hausfrau! Beim Polieren des Lusters unterbricht mich nur das Telefon. Mein Mann: "Das Auto muß zum Service, du hast doch jetzt Zeit und am Vormittag nichts zu tun, also...! Ja,ja, er hat recht... Plötzlich wurde mir bewußt, daß ich ja nun keine Ausrede mehr für meine Unzulänglichkeiten habe. Bis vor wenigen Stunden konnte ich ja noch sagen: "Ja der Kleine, überall ist er dabei, ich komme zu rein gar nichts... Aber der liebe Kleine geht jetzt auch in den Kindergarten - also vier Stunden Freizeit für Mami täglich! Freizeit um endlich den Haushalt in Schwung zu bringen, Vorhänge zu waschen, Fenster zu putzen, Böden zu wischen, Schränke zu ordnen, Blumen zu pflanzen und Unkraut zu jäten. Wäre ich berufstätig würde man mir eine Putzfrau verzeihen. Als Vollbluthausfrau ist es schließlich meine Pflicht vormittags im Haushalt zu arbeiten und nachmittags ganz für meine Kinder da zu sein. Schließlich gibt es Frauen und Mütter die acht Stunden täglich arbeiten und den Haushalt nebenbei erledigen.
Nach meinen ersten drei freien Stunden falle ich erschöpft aufs Sofa. Kurze Pause! Obwohl die Betten noch immer nicht gemacht sind und noch Haare in der Badewanne kleben. Oh Schreck, nur noch eine Stunde und ich muß die Kinder wieder abholen. Noch schnell etwas kochen. Der Nachmittag mit beiden Kindern: wie immer, keine Zeit für mich! Abends ruft meine Freundin an: "Wie geht's?" "Ich habe nur geputzt", murmle ich kleinlaut. "Ich auch", seufzt es zurück. "Aber morgen, wenn wir das Gröbste erledigt haben, treffen wir uns zum Kaffeeklatsch", versprechen wir uns gegenseitig - "Mehr Zeit für uns."

An alle Hausfrauen und Mütter die demnächst "frei" werden: macht nicht denselben Fehler. Auch wir haben ein recht auf Freizeit, auch wenn wir nicht bezahlt werden!


Veröffentlichung dieser Texte an anderer Stelle/in anderen Medien nur mit Genehmigung von

Petra

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