Behinderung & Sexualität / Erot. Geschichten Für Zugestiegene: Startseite 
[Vortrag] [Einleitung] [Erfahrungen] [Diskussionsforum] [Forum / Archiv] [Erfahrungen] [Dein erotisches Bild] [Kontaktanzeigen] [Körperkontaktservices] [Rollende Herzen - Partnervermittlung] [... Artikel dazu]


 Gesamtübersicht:

wähle hier

Werbung:
Dein persönliches Auftragsgedicht:
- Geburtstag
- Hochzeit
- Pensionierung
- Liebesbeweis
- und vieles mehr

>> informiere Dich >>
Nächtlicher Besuch
von Martin R.

Das Telefon neben meinem Bett reißt mich aus einem Traum, den ich schon im selben Moment vergessen habe. Verstört werfe ich den Blick zur Seite. Die Leuchtziffern des Radioweckers blinzeln mir aus der Dunkelheit entgegen: gleich halb drei. Wer um alles in der Welt ruft mich um diese Zeit noch an? Während ich mich mühsam und Stück für Stück hinüberschiebe, läutet es beständig weiter, und mein Herz schlägt plötzlich wie wild. Die finstersten Phantasien schießen mir durch den Kopf. Irgendetwas Schlimmes muss passiert sein. Noch ein Klingeln, noch ein paar Zentimeter, dann habe ich endlich die Hand am Hörer und hebe ab. Mein Stimme ist halb erstickt. Erst auf das zweite, lautere „Hallo?“ bekomme ich die gehauchte Antwort: „Hallo. Ich bin's. Entschuldige...“


(c) Kai Malte Fischer

Sie. Mein Herz setzt kurz aus, dann rast es umso heftiger, nun allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Nicht mehr die Angst treibt es, sondern meine unvermittelt berstende Freude. „Ja...?“ Sekundenlanges Schweigen. Dann einzeln herbeitropfende Worte. Die Pausen dazwischen sagen mehr als der Rest. Sie sei erst spät von einem Konzert heimgekommen. Sie finde keine Ruhe. Sie müsse einfach noch einmal meine Stimme hören. Wieder Schweigen. Das Rauschen in der Leitung ist laut, fast so laut wie mein trommelndes Herz. Ich höre ihren Atem. Außer meinem eigenen Atmen weiß ich kaum eine Antwort. Jedes Wort scheint zuviel, jeder ganze Satz überflüssig. Wieder nur das Rauschen. Ich hole tief Luft: „Willst du herkommen?“ Wie meine Stimme bebt. - „Ja... Jetzt gleich, ja?.“ - „Gut.“ Sofort ist die Verbindung unterbrochen, und halb betäubt lausche ich dem Besetztzeichen im Hörer hinterher.

Und nun? Ich starre ratlos in die Dunkelheit. Soll ich etwa die Nachtwache herbeiklingeln, damit sie für meine späte Besucherin die Haus- und Wohnungstür öffnet? Was ist das für für ein „Notfall“! Peinlich, denke ich. Wie von fern höre ich mich lachen. Nein, jetzt bin ich wohl selber gefragt, die Kräfte müssen einfach reichen. Kann ich es noch? Lange habe ich es nicht mehr probiert. Kurzentschlossen schalte ich die Leselampe an, schiebe die Zudecke zur Seite und lasse mich ganz langsam aus dem Bett gleiten. Jetzt erst merke ich, wie verschwitzt ich bin. Wo doch jetzt der Sommer anfängt, sollte ich nachts nicht mehr so dicke Sachen tragen. Aber zu spät: Ich hocke in meinem feuchten Schlafanzug auf dem kühlen Parkett und zittere. Und ich habe noch einen weiten Weg vor mir.

Langsam rutsche ich durch das Zimmer. Nach jedem Meter muss ich pausieren und tief durchatmen. So anstrengend hatte ich das nicht in Erinnerung, die Kräfte haben doch ziemlich nachgelassen. Doch ich muss mich beeilen. Sie kommt zwar vom anderen Ende der Stadt, aber um diese Zeit sind die Straßen natürlich frei. Gleich wird sie hier sein. Ich zwänge mich an meinem Elektrorollstuhl vorbei – wie idiotisch der geparkt ist! – und muss erneut verschnaufen. Dann bin ich im Flur. Einen kleinen Umweg muss ich noch machen, um meine Greifzange zu holen – wie sonst will ich vom Boden aus den Türöffner betätigen und die Klinke herunterdrücken? Ich schwitze und friere immer mehr. Aber dann ist es doch geschafft: Ich lehne heftig atmend neben an der Wand neben der Tür, die Greifzange in den Händen, und warte. Mein Herz hüpft mir fast aus dem Hals.

Erst seit knapp zwei Wochen kennen wir uns. Sie hat auf eine Kontaktanzeige geantwortet, die ich eigentlich nicht wirklich ernst gemeint hatte. Und dann haben wir auch gar nicht erst Briefe geschrieben oder lange telefoniert, sondern uns gleich in einer Kneipe getroffen. Wie einfach alles war! Ein paar Tage später hat sie mich im Stadtpark kurzerhand aus dem Rollstuhl gehoben, wir haben nebeneinander im noch etwas feuchten Gras gelegen und uns genüsslich den ersten Sonnenbrand des Jahres geholt. Die nächste Begegnung war dann auch schon die letzte: Sie hat für uns beide gekocht, und bereits mitten beim Essen waren wir ineinander verknäuelt. Keinen Bissen haben wir mehr herunterbekommen. Kein Abräumen gab es mehr, keinen Abwasch, nur noch das Bett und sie und mich. Was danach geschehen ist, begreife ich noch immer nicht. Nach all der atemlosen Ekstase zerbrach plötzlich etwas. Aus heiterem Himmel fielen unüberwindliche Probleme auf sie herab, ihr Ex-Freund war mit einem Mal wieder sehr gegenwärtig und unsere Verbindung eine Unmöglichkeit. Tränen bei uns beiden, Schreien, Sachen zusammenpacken, eine zufallende Wohnungstür. Und heute Nacht ruft sie wieder an. Und sofort wissen wir beide, dass wir es wollen.

Noch immer zittere ich in meinem Schlafanzug. Friere ich noch? Oder bebt da nur noch die Erregung in mir? Das Parkett unter den nackten Füßen und die rauhe Wand im Rücken fühlen sich gut an. Habe ich mich eigentlich jemals so gespürt, so lebendig gefühlt wie jetzt gerade? War das Hier und Jetzt überhaupt schon einmal so greifbar? Mit geschlossenen Augen atme ich tief durch und schmecke die schwere Luft um mich herum. Dass unsere Verbindung zum Scheitern verurteilt bleibt und wohl kaum mehr als diese magische Nacht überstehen wird, ist einem versteckten Winkel meines Bewusstseins zwar vollkommen klar, aber wie unwesentlich ist das in diesem Moment!

Auf der Straße schlägt – für die Uhrzeit und dieses brave Viertel viel zu laut – eine Autotür zu. Dann kommt jemand sehr schnell und sehr laut ums Haus gerannt. Frauenschuhe. Das ist sie. Endlich! Die schnarrende Klingel zerfetzt die Stille im Raum, vor Schreck und Freude zucke ich jäh zusammen. Mit der Greifzange drücke ich auf den Öffner über mir. Nur einen Moment später steht sie vor meiner Wohnung, und ich ziehe eilig die Klinke herunter.


(c) Kai Malte Fischer

Dann geht alles unglaublich leise und langsam. Sie kommt herein. Ganz behutsam schließt sie die Tür hinter sich, dreht sich zu mir hin, steht im halbdunklen Flur in ihrem kurzen roten Sommerkleid dicht vor mir und lächelt nur. Lächelt zu mir herunter und strahlt mich aus ihren dunklen Augen an. Dann gleitet sie zentimeterweise vor mir herunter. Ich spüre den hauchdünnen Stoff an meinem Gesicht, nehme ihren Duft wahr, merke, dass auch sie verschwitzt ist, und ganz sachte ertasten meine Hände ihre Beine, ihre Hüften, ihre Taille, ihre Schultern, ihre Haare. Jetzt sind wir auf einer Höhe. Schauen uns in die Augen. Schweigend nähern wir uns an.

Der mühselige Weg zurück ins Schlafzimmer ist zu weit. Und das Parkett fühlt sich auf einmal sogar sommerlich warm an. Wir bleiben. Wie auf ein plötzliches, geheimes Zeichen hin werden unsere Hände und Lippen mutiger, entwickeln ihren ganz eigenen, ungebändigten Willen. Und daran wollen wir sie jetzt auch nicht mehr hindern. Die Nacht ist noch lang, und auf der großen Rückreise zum Bett und zum erschöpften Schlaf ist noch so viel zu erkunden und zu erleben.

... einen Beitrag ins Diskussionsforum dazu schreiben ... oder doch lieber zurück zur Gesamtübersicht.

Werbung:
TeenieHotel - Versaute Teenies erwarten Dich!
TeenieHotel - Versaute Teenies erwarten Dich!

Mitarbeit...
... ist natürlich gefragt. Wenn Du Dich aber nur informieren willst, was es Neues auf den Seiten zum Thema Behinderung & Sexualität gibt, dann abonniere die WIeND - Newsgroup: ANMELDEN und Abmelden.

Schreib', was Dich bewegt: leitner@wiend.at


http://www.wiend.at
E-Mail:leitner@wiend.at