Einfach Liebe
von Diest
Ich lieg im Bett neben dir, den Kopf in eine Hand gestützt, die andere Hand
erforscht deinen Körper.
Langsam gleiten meine Finger über jeden Zentimeter deiner Brust, deines
Halses, ich ertaste dein Gesicht,
streiche über deine Wange, wühle zärtlich in deinen Haaren. Ich seh dir
lange in deine wunderschönen Augen
seh darin deine Liebe zu mir, die an Tiefe und Vertrautheit der meinen um
nichts nachsteht. "Ich liebe dich"
will dir mein Blick sagen, der dich am liebsten verschlingen möchte. Ich
begehre dich, könnte verrückt
werden beim Anblick deiner kräftigen Schultern, deiner starken Arme, die
soviel Geborgenheit für mich
bedeuten, in die ich mich fallen lassen kann wann immer ich das Bedürfnis
danach hab.
Ich gleite mit meiner Hand tiefer, legen den Kopf nun neben deinen aufs
Kissen. Mein Finger kreist verspielt
um deinen Bauchnabel, bevor meine Hände die Innenseiten deiner Schenkel
erforschen. Ich bitte dich, deine
Hand mit meiner mitgehn zu lassen, meinen Bewegungen zu folgen. Ich möchte,
dass du meine Berührungen durch deine
Finger und deine Handfläche in dich aufsaugen kannst, dass du fühlen kannst,
wie zärtlich und liebevoll sich
meine Berührungen auf deinem Körper anfühlen. Du siehst mich ratlos an,
verstehst nicht den Sinn des ganzen.
Du beginnst dich zu verspannen, möchtest, dass ich aufhöre, weil du es nicht
ertragen kannst.
Ich nehm dich in meine Arme, halte dich gut fest. Mit der einen Hand drück
ich deinen Kopf ganz fest an mich,
mit der anderen streichel ich dir beruhigend über die Schultern, umfasse
deinen Nacken.
Ich kann dich ja verstehn; für dich ist das alles viel schwieriger als für
mich. Für mich ist es ganz
einfach - ich liebe dich so wie du bist und versuche, dich das noch
intensiver spüren zu lassen, als du
glaubst dass es für dich möglich wäre.
Doch du kämpfst mit dir selber, haderst mit deinen Erinnerungen, hast Angst,
neue Gefühle kennenzulernen, Angst,
dich mit dir selbst auseinander zu setzen.
Ich lasse meine verliebten Blicke über deinen Körper gleiten, von deinen
starken Schultern, dem kräftigen Brust-
korb über deinen Bauch, deine Hüften, deine Beine die in etwas seltsamer,
lebloser Stellung auf dem Leintuch liegen.
Da kommen ganz neue Gefühle in mir hoch - Hass. Hass auf deine Beine, dass
sie nutzlos für dich geworden sind.
Auf deinen Körper, der dir nun soviele Bewegungsmöglichkeiten und Gefühle
verwehrt und in mancher Hinsicht
ein Käfig für dich wurde. Und ich erkenne, dass deine Behinderung in
gewisser Weise auch für mich eine
Behinderung darstellt, ich dir meine Liebe nicht so zeigen kann wie ich es
gern würde.
Ich schlucke, bemüht, dich meine Emotionen nicht spüren zu lassen. Ich kann
dir jetzt nicht in die Augen sehn,
trau mich nicht, mir Mitleid einzugestehen. Ich nehm dich nur ganz fest in
meine Arme, möchte dir das Gefühl
geben, dich festzuhalten im Strudel so starker Emotionen. Und möchte dass du
weißt dass ich dich liebe.
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