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1. Ästhetik und physische Beeinträchtigung

In unserer Leistungsgesellschaft werden Schönheitsideale sehr hoch gehalten. Viele schließen von einem perfekten Körper auf ebenso tadellose innere Werte (vgl. BÄCHINGER, 1978, S. 65).

Generell werden in unseren Kulturkreisen ein makelloser Körperbau und gut ausgeprägte sekundäre Geschlechtsmerkmale mit sexueller Attraktivität gleichgesetzt. Doch viele sehen eine Diskrepanz zwischen diesem Anspruch und dem Erleben ihres eigenen Körpers.

Noch schwerer können diesem Bild vom "erfolgreichen potenten Mann" und dem "Barbie-Puppen-Image" Menschen mit physischen Einschränkungen entsprechen. Zu sehr stören in den Augen unserer Gesellschaft Rollstuhl oder andere körperlichen "Andersartigkeiten" diese Ästhetik (vgl. ZUSAMMEN v. März 1996, S. 8).

Alles was nicht diesen Normen und Werten von Schönheit, Reinheit ect. entspricht, wirkt abstoßend und ruft negative Assoziationen hervor, wie z. B. ob ein motorisch eingeschränkter Mensch geistig normal ist und arbeiten kann (vgl. Christiaens, 1981, S. 237).

Diese ästhetischen Werte machen es physisch beeinträchtigten Menschen schwer ein positives Körpergefühl zu entwickeln. Häufig werden nur noch die Defizite des eigenen Körpers beachtet (vgl. ZUSAMMEN v. März 1996, S. 8).

Besonders motorisch eingeschränkte Frauen werden durch die Überbewertung von Ästhetik und Schönheit in unserer Gesellschaft diskriminiert. Bei der Bewertung von Mädchen und Frauen spielen Attraktivität und gutes Aussehen eine entscheidene Rolle (vgl. EWINKEL u.a., 1990, S. 45).

Sie fallen bei Partnerwahl und Jobsuche häufig sofort durch das Raster. Es fällt ihnen schwer ein neues Rollenverständnis als Frau aufzubauen (vgl. ZUSAMMEN v. März 1996, S. 8).

Diese Normvorgaben sind zu überdenken. Das fanden auch drei physisch eingeschränkte Frauen und haben zusammen mit einem Hobbyfotografen eine Fotoserie erstellt. Diese soll ihren Körper als Objekt erotischer Empfindungen und Ausstrahlung in den Mittelpunkt stellen und Anstoß zur Überprüfung und Korrigierung von Seh- und Denkgewohnheiten des motorisch eingeschränkten und nicht eingeschränkten Menschen sein.

Ein weiteres Beispiel hierfür sind auch die Aktfotografien von Rasso Bruckert. Er setzt sowohl physisch eingeschränkte Frauen wie auch Männer in Szene.

Diese einschränkenden Normvorgaben machen offensichtlich wieviele Menschen, nicht nur motorisch beeinträchtigte, durch die Denkraster unserer Gesellschaft fallen und es zeigt wie sehr noch immer Sexualität im Zusammenhang mit körperlicher Einschränkung tabuisiert wird.

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